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Amber Rudd

Britische Arbeitsministerin wirft Juncker "groteskes" Verhalten gegenüber Frauen vor

Ein EU-Präsident, der Frauen zur Begrüßung durch die Haare fährt? Für die britische Arbeitsministerin Amber Rudd untragbar: Jean-Claude Junckers Verhalten sei "entsetzlich".

ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Amber Rudd

Samstag, 22.12.2018   13:42 Uhr

Die britische Arbeitsministerin Amber Rudd kritisiert EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker scharf für seinen Umgang mit Frauen. Sein Verhalten sei "entsetzlich" und "grotesk", sagte Rudd im Interview mit "The Telegraph", und sollte offiziell auf Hinweise für sexuelle Belästigung untersucht werden, zitiert sie die Zeitung.

Während des EU-Gipfels in der vergangenen Woche hatte Juncker der Protokoll-Chefin der EU-Kommission, Pernilla Sjölin, zur Begrüßung in die Haare gefasst. In sozialen Netzwerken wurde Juncker deshalb heftig kritisiert.

Im Video: Juncker begrüßt Sjölin

Foto: REUTERS

"Das ist grotesk", moniert nun auch Rudd. "Wenn das in unserem Parlament passiert wäre, würde ich hoffen, dass es eine offizielle Untersuchung gibt." Zudem kritisierte sie den Umgang Junckers mit Premierministerin Theresa May. Die beiden hatten sich während des EU-Gipfels heftig gestritten. Juncker hatte die Brexit-Gespräche mit Großbritannien als "nebulös" und "unpräzise" bezeichnet. Auf Fotos ist zu sehen, wie Juncker Mays Kopf an sich heranzog. Außerdem kritisierte Rudd, dass Juncker die Premierministerin am Arm festgehalten habe. Im Oktober hatte er außerdem May mit einer Tanzeinlage parodiert.

Erkältung vorgetäuscht, um Umarmungen zu entgehen

Das Verhalten von Juncker sei "schrecklich", sagte Rudd dem "Telegraph". Sie selbst habe bei EU-Treffen oft eine Erkältung vorgetäuscht, um Umarmungen zu entgehen. "Alle EU-Kommissare lieben ihre großen Umarmungen", sagte sie weiter.

Es ist nicht der erste Vorwurf dieser Art. Im Zuge der Weinstein-Affäre hatte es zahlreiche Berichte über sexuelle Belästigung im Europaparlament gegeben. Der EU-Abgeordnete Udo Bullmann (SPD) sprach von einer "Kultur der Zulässigkeit von Übergriffen", die immer etwas "mit dümmlichen Dominanzverhalten" zu tun habe. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte damals harte Sanktionen an.

Rudd ist seit November Ministerin für Arbeit und Rente. Zuvor hatte sie das Amt als Innenministerin inne. Sie war jedoch im April zurückgetreten, weil sie vor dem britischen Parlament falsche Aussagen zu umstrittenen Einwanderungsquoten gemacht hatte.

Sie hatte behauptet, es gebe keine Vorgaben für Abschiebungen. In einem Brief an Premierministern Theresa May vom Januar 2017 schrieb sie jedoch, die Zahl der Abschiebungen um zehn Prozent erhöhen zu wollen. In ihrem Rücktrittsschreiben erklärt die Ministerin, sie habe das Parlament "aus Versehen getäuscht" und hätte von den Quoten wissen müssen. Mehr zu dem Skandal und den Hintergründen lesen Sie hier.

Rudd gilt als proeuropäisch. Sie hatte sich beim Brexit-Referendum im Jahr 2016 für einen Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen. Vor Kurzem hatte sie vorgeschlagen, erneut über den Brexit abstimmen zu lassen. May lehnt ein zweites Referendum jedoch ab.

koe

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