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Politik

Aus türkischer Haft entlassener Pastor

Kniefall vor Donald Trump

Kurz nach seiner Rückkehr kommt US-Pastor Brunson zum Dankesbesuch ins Weiße Haus in Washington. Präsident Donald Trump nutzt den Besuch, um einen Deal mit der Türkei über Brunsons Freilassung zu dementieren.

AFP

Andrew Brunson und Donald Trump

Samstag, 13.10.2018   22:46 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat den gerade heimgekehrten US-Pastor Andrew Brunson im Weißen Haus empfangen und dessen Freilassung aus türkischer Haft als wichtigen Fortschritt in den Beziehungen zwischen Washington und Ankara gelobt. Brunsons Freilassung sei ein "gewaltiger Schritt" zur Verbesserung der "sehr gespannten" Beziehungen zur Türkei, sagte Trump am Samstag bei seinem Treffen mit Brunson im Oval Office, wenige Stunden nachdem Brunson wieder auf amerikanischem Boden angekommen ist.

Brunson dankte dem Präsidenten für dessen Bemühungen um seine Freilassung. Der evangelikale Pastor sprach ein Gebet für Trump, wobei er sich neben den US-Präsidenten kniete und ihm eine Hand auf die Schulter legte. Kurz vor seinem Besuch im Oval Office des Weißen Hauses war Brunson mit seiner Frau auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews nahe der Hauptstadt Washington gelandet.

Versöhnen per Twitter

"Wir haben lange und hart verhandelt", sagte Trump dem Pastor, und "wir zahlen kein Lösegeld in diesem Land." Er dankte erneut dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan für Brunsons Freilassung. "Das war nicht leicht für ihn", sagte der US-Präsident mit Blick auf seinen türkischen Kollegen. Einen Deal mit der türkischen Regierung habe es jedoch nicht gegeben, beteuerte Trump. Kurz zuvor hatte Erdogan in einer Twitter-Botschaft an Trump betont, dass es sich um eine "unabhängige" Gerichtsentscheidung gehandelt habe.

Immer wieder hatte US-Präsident Donald Trump die Freilassung des zwei Jahre lang in der Türkei inhaftierten US-Pastors Andrew Brunson gefordert. Die Türkei warf Brunson unter anderem Spionage und die Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Gülen-Bewegung vor. Der Pastor hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und seine Unschuld beteuert. Um die Freilassung des Pastors zu erreichen, verhängte Trump im August Sanktionen und Strafzölle. Die türkische Lira brach daraufhin stark ein.

Nach monatelangem diplomatischen Tauziehen war der US-Pastor am Freitag freigelassen worden. Ein Gericht in Izmir hob den Hausarrest und die Ausreisesperre gegen den Mann auf. Stunden später wurde Brunson aus der Türkei geflogen. Bevor er in Washington ankam, wurde er in ein US-Militärkrankenhaus in Deutschland zur Untersuchung gebracht. Bei einem Zwischenstopp auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz wurde er von US-Botschafter Richard Grenell begrüßt.

lie/AFP/AP

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