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Politik

Besuch in Griechenland

Nur einer Bitte kam Merkel nicht nach

Alexis Tsipras steckt in politischen Schwierigkeiten, da kommt Angela Merkel gerade recht. Griechenlands Premier feiert den Besuch als Erfolg - auch wenn sie ihm in einer wichtigen Frage die Unterstützung versagte.

AP

Alexis Tsipras, Angela Merkel

Von , Athen
Freitag, 11.01.2019   13:27 Uhr

Angela Merkel begrüßte den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras mit Küsschen und warmen Worten. Doch am deutlichsten zeigte sich die gute Stimmung zwischen den ehemaligen Gegnern bei dem privaten Abendessen am Meer, zu dem Tsipras die Kanzlerin eingeladen hatte. Nur wenige Gäste durften teilnehmen.

Ein Foto, das der Ministerpräsident auf seinem Instagram-Account veröffentlichte, zeigt ihn mit Merkel auf dem Balkon des Restaurants in Kastella, Piraeus. Tsipras präsentiert ihr die spektakuläre Aussicht, bevor man sich Fisch und griechischen Delikatessen widmete.

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Υποδέχτηκα απόψε στην #Αθήνα την Καγκελάριο Άνγκελα #Μέρκελ, σε μια #Ελλάδα διαφορετική απ' αυτή της προηγούμενης επίσκεψής της. Η Ελλάδα εξέρχεται από τη κρίση πιο δυνατή και γίνεται πια μέρος της λύσης για την ΕΕ που αντιμετωπίζει υπαρξιακά ερωτήματα.

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Einer, der vorher beim Treffen zwischen Tsipras und Merkel in der Villa Maximos, dem Amtssitz des griechischen Ministerpräsidenten, dabei sein durfte, war Vizeaußenminister Georgios Katrougalos. Er sagte dem SPIEGEL: "Ihre Unterstützung für unsere Vereinbarung mit Skopje war eindeutig. Die Botschaft, die Merkel uns gab, war, dass Griechenland ein neues Kapitel aufgeschlagen hat. Und dass Griechenland immer auf Deutschlands Unterstützung zählen kann."

Aus Sicht von Tsipras' Kabinett war der Besuch ein voller Erfolg. Laut Regierungsunterstützern und regierungsfreundlicher Presse lieferte Merkel in allen wichtigen Punkten:

Ein Ziel aber verfehlt Tsipras: Merkel sprach sich nicht gegen Kyriakos Mitsotakis aus, der Vorsitzender der konservativen Nea Dimokratia ist. Die Partei gehört, wie die CDU, zur Europäischen Volkspartei. Mitsotakis weigert sich, das Abkommen zwischen Griechenland und Mazedonien anzuerkennen.

Beide Länder liegen seit vielen Jahren im Streit. Griechenland besteht wegen seiner gleichnamigen Provinz im Norden des Landes seit fast drei Jahrzehnten auf der Namensänderung. Als Druckmittel hatte Athen jede Annäherung Mazedoniens an die Nato und die EU blockiert.

Merkel trifft Mitsotakis kurz vor ihrer Abreise in der Residenz des deutschen Botschafters in Athen. Sie wird die Vorteile des Mazedonien-Deals aus ihrer Sicht bekräftigen, aber ihren europäischen Parteifreund nicht unter Druck setzen. In Umfragen zu den Parlamentswahlen im Herbst liegt Mitsotakis vorn.

Die heikle Frage nach den Reparationszahlungen

Am heutigen Tag absolviert Merkel ein entspanntes Programm. Sie hat mit prominenten Griechen aus Kultur und Wissenschaft gefrühstückt, das Grabmal des unbekannten Soldaten vor dem Parlamentsgebäude besucht, sich mit Schülern der Deutschen Schule in Athen getroffen und mit Unternehmern zu Mittag gegessen.

Ein Punkt, bei dem Uneinigkeit herrscht, ist die Frage der Reparationszahlungen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Bei einem Treffen von Merkel mit Griechenlands Präsident Prokopis Pavlopoulos bekräftigte dieser seine Forderungen danach. Merkel erklärte, die Deutschen seien sich ihrer historischen Verantwortung bewusst. "Wir wissen auch, wie viel Leid wir über Griechenland gebracht haben, als Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus. Deshalb ist die Lehre für uns, alles daran zu setzen, gute Beziehungen mit Griechenland zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen zum Wohle beider, von Griechenland und von Deutschland", sagte Merkel.

Das griechische Parlament könnte bereits im Februar über die milliardenschweren Reparationsforderungen beraten - vorausgesetzt, Griechenlands Regierung zerbricht nicht.

Griechische Presse ist geteilter Meinung

Nicht alle teilen Tsipras' Begeisterung über das Treffen.

Dimokratia

"Dimokratia" am 11. Januar 2019

Die Pro-Tsipras-Presse sieht das anders:

Und die Bürger?

"Was ich an Merkels Besuch vermisst habe, ist eine aufrichtige Entschuldigung für all unser Leiden. Und ein Versprechen, dass es nie wieder geschieht", sagt Giannis Filippou dem SPIEGEL, nachdem er die Titelzeilen der Zeitungen an einem Kiosk im Athener Vorort Nea Smirni gelesen hat.

Zukunft der griechischen Regierung ist ungewiss

Wie auch immer man den Besuch sieht: Sicher ist, dass Tsipras vor einem politischen Überlebenskampf steht. Koalitionspartner Panos Kammenos hat angedroht, die Koalition wegen des Mazedonien-Abkommens platzen zu lassen. Er wird seinen Posten als Verteidigungsminister mit hoher Wahrscheinlichkeit abgeben. So könnte Tsipras seine Mehrheit im Parlament verlieren - die braucht er aber, um über den Mazedonien-Deal Anfang nächster Woche abstimmen zu können.

Wieder einmal drohen Neuwahlen.

Mit Material der dpa

insgesamt 33 Beiträge
scratchpatch 11.01.2019
1. Ganz ok
Das ist alles in Ordnung, Merkel hat einen guten Job gemacht. Offenbar kommt es niemandem in den Sinn, sich bei ihr mal zu entschuldigen für all die Beleidigungen, die ihr aus Griechenland entgegen geschallt sind (und immer noch [...]
Das ist alles in Ordnung, Merkel hat einen guten Job gemacht. Offenbar kommt es niemandem in den Sinn, sich bei ihr mal zu entschuldigen für all die Beleidigungen, die ihr aus Griechenland entgegen geschallt sind (und immer noch gibt es ja einen reichen Vorrat an Beschimpfungen, die bei jeder passenden Gelegenheit hervorgeholt werden können). Sie kann damit sicher leben. In einem politischen Klima, in dem der Nationalismus so blüht, dass es schon als Landesverrat gilt, wenn Tsipras sich mit einer Namensänderung Mazedoniens zufrieden gibt (das ja nach griechischer Vorstellung ansonsten über Griechenland herfallen würde, weil eine Provinz dort auch Mazedonien heißt), muss man sich damit zufrieden geben. Toll ist es nicht, aber alles ganz ok.
manicmecanic 11.01.2019
2. Heuchelei
und Populismus ala Merkel.Das wirklich entscheidende,nämlich die Ablehnung der Ziele der griechischen Schwesterpartei hat sie nicht geäußert.Alles andere sind Leckerli für die Presse.
und Populismus ala Merkel.Das wirklich entscheidende,nämlich die Ablehnung der Ziele der griechischen Schwesterpartei hat sie nicht geäußert.Alles andere sind Leckerli für die Presse.
Alias iacta sunt 11.01.2019
3. Wurde auch besprochen,
wann wie viel Geld wieder zurückbezahlt werden kann. Bei so guter Stimmung könnte die Frage doch gestellt werden. Oder ist nur wieder alles ein SchönfotoTermin?
wann wie viel Geld wieder zurückbezahlt werden kann. Bei so guter Stimmung könnte die Frage doch gestellt werden. Oder ist nur wieder alles ein SchönfotoTermin?
mullertomas989 11.01.2019
4. "Ein Versprechen, dass es nie wieder geschieht"?
Da meint wohl einer, dass Frau Merkel Schuld sei, an den krassen Einsparmaßnahmen in Griechenland in den letzten rund 10 Jahren. Wie absurd. Es waren die Griechen selbst, die mit falschen Zahlen in den Euro gingen und die [...]
Da meint wohl einer, dass Frau Merkel Schuld sei, an den krassen Einsparmaßnahmen in Griechenland in den letzten rund 10 Jahren. Wie absurd. Es waren die Griechen selbst, die mit falschen Zahlen in den Euro gingen und die mutmaßlich auch heute noch falsche Zahlen nach Brüssel schicken. Anders ist auch der Umgang mit Andreas Georgiou vor einiger Zeit nicht zu deuten.
27europe 11.01.2019
5. Irreführende Berichterstattung
Ihre Reportage über den Merkel Besuch in Athen ist parteiisch und entspricht nicht den Tatsachen. Frau Merkel sprach überhaupt nicht über einen "Deal". Im Gegenteil. Sie äusserte Ihre Überraschung über die von Nea [...]
Ihre Reportage über den Merkel Besuch in Athen ist parteiisch und entspricht nicht den Tatsachen. Frau Merkel sprach überhaupt nicht über einen "Deal". Im Gegenteil. Sie äusserte Ihre Überraschung über die von Nea Demokratia kursierte Verschwörungstheorie eines "Deals". Dies war eine eindeutige Aussage gegen die Polemik von Kyriakos Mitsotakis und so wurde sie auch von allen nicht parteiischen Medien interpretiert. Aber Ihr "Korrespondent" trägt wahrscheinlich die blaue Parteibrille. Oder es kann sein, dass wenn man aus Saloniki berichtet, offenbar wichtige Aussagen vermisst. Schade, dass ein Medium wie "der Spiegel" fortwährend Halbwahrheiten verbreitet. Kostas Argyros, Journalist

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