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Politik

Türkischer Medienbericht

Apple-Uhr soll angeblich Khashoggis Ermordung aufgezeichnet haben

Ahnte Jamal Khashoggi, was ihm im saudi-arabischen Konsulat widerfahren könnte? Nach Angaben der türkischen Zeitung "Sabah" existieren Audiodateien von der Apple-Uhr des verschwundenen Journalisten.

Getty Images

Polizist vor dem saudi-arabischen Konsulat in Istanbul

Samstag, 13.10.2018   18:27 Uhr

Noch immer ist nicht klar, was genau mit Jamal Khashoggi im Konsulat seines Landes in Istanbul geschehen ist. Seit dem 2. Oktober fehlt jedoch jedes Lebenszeichen, die Spekulationen über eine Ermordung des saudi-arabischen Journalisten werden immer lauter. Nun berichtet die türkische Zeitung "Sabah" über eine angebliche Tonaufzeichnung, die angeblich weitere konkrete Indizien für dieses Szenario liefern soll.

Demnach soll Kashoggis Apple-Uhr die Vorgänge in dem Konsulat aufgezeichnet haben - möglicherweise auch seine Ermordung. "Sabah" gilt als regierungsnah, bisher hat das Blatt immer wieder interne Informationen aus Sicherheitskreisen zur Causa Khashoggi publik gemacht.

Die Zeitung berichtete am Samstag, dass der Journalist noch vor Betreten des Gebäudes eine Aufnahmefunktion an seiner Apple Watch eingeschaltet habe. Sein Handy, das er seiner vor dem Konsulat wartenden Verlobten gegeben habe, sei mit der Uhr an seinem Handgelenk synchronisiert gewesen. So seien die Geräusche während seiner Exekution gespeichert worden.

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Verschwundener Journalist Khashoggi: Verzweifelte Suche nach Jamal

Der türkische Geheimdienst MIT und die Polizei hätten die Daten, die in den iCloud-Speicher übertragen wurden, dann ausgewertet, berichtete "Sabah" weiter. iCloud ist ein Dienst von Apple, mit dem Daten gespeichert und auf mehreren Geräten synchronisiert werden können.

Möglicherweise existieren auch Bildaufnahmen

In einem Bericht der "Washington Post" hatte es unter Berufung auf die türkische Regierung in der Nacht auf Freitag noch geheißen, es gebe nicht nur Audio-, sondern auch Videoaufnahmen. Diese bewiesen, dass Khashoggi, der für die "Washington Post" geschrieben hatte, im Konsulat ermordet worden sei.

Der 59-Jährige ist als Journalist weltweit geachtet und hat für verschiedene saudi-arabische und internationale Medien geschrieben, unter anderem für den SPIEGEL. Zu Beginn seiner Karriere sympathisierte er mit Islamisten, später wandte er sich liberalen Ideen zu und kritisierte die strikte Lesart des Islam durch die Salafisten, was ihn in Konflikt mit dem religiösen Establishment brachte.

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Sein Verhältnis zum saudischen Königshaus ist kompliziert: Zwar diente er zwischenzeitlich dem Prinzen Turki al-Faisal als Berater. In seinen Artikeln prangerte er jedoch die Politik von Kronprinz Mohammed bin Salman an, darunter die Militärintervention im Jemen sowie die Blockade gegen das Golfemirat Katar.

Der Westen boykottiert bin Salmans Gipfel

Die "Washington Post" hat Aufnahmen einer Sicherheitskamera der türkischen Polizei veröffentlicht, die zeigen, wie Khashoggi am 2. Oktober um 13.14 Uhr Ortszeit das Konsulat betritt. Hatice Cengiz, die ihren Partner im Taxi begleitet hatte, wartete bis ein Uhr morgens vor dem Gebäude. Als Khashoggi dann noch immer nicht zurückgekehrt war, verständigte sie einen Berater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der mit dem Paar befreundet ist, und die türkische Polizei.

Seither kursieren in der Türkei Gerüchte, was mit Khashoggi passiert ist. Die Ermittlungen der türkischen Polizei konzentrieren sich inzwischen auf 15 saudi-arabische Regierungsmitarbeiter und Geheimagenten, die am 2. Oktober in zwei getrennten Privatjets in Istanbul landeten und jeweils nur wenige Stunden im Land blieben.

Das saudische Königshaus weist die Spekulationen über eine Beteiligung an einer Mordverschwörung zurück. Allerdings wächst international die Kritik am Vorgehen des Landes. Zuletzt kündigten zahlreiche westliche Konzerne und Medienvertreter an, einen Wirtschaftsgipfel, Prestige-Event von Kronprinz bin Salman im Oktober boykottieren zu wollen.

jok/dpa

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