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Politik

Anklägerin bei Kavanaugh-Anhörung

"Die Erinnerung an die Tat verfolgt mich bis heute"

Sie beschuldigt Brett Kavanaugh, Kandidat für den Supreme Court, der versuchten Vergewaltigung. Jetzt sagt Christine Blasey Ford vor dem US-Senat aus. Sie spricht von Panik und Todesangst.

Andrew Harnik/POOL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Christine Blasey Ford

Donnerstag, 27.09.2018   17:40 Uhr

An eine Sache müsse sie immer wieder denken: das Lachen der beiden jungen Männer, einer lag auf ihr, der zweite schaute zu. "Zwei Freunde, die eine wirklich gute Zeit miteinander hatten, auf meine Kosten". So beschreibt Christine Blasey Ford einen der schlimmsten Momente während einer versuchten Vergewaltigung, die sie vor mehr als 30 Jahren erfahren haben will. Der Angreifer sei der Kandidat für den US-Supreme Court gewesen, Brett Kavanaugh, sagte Ford am Donnerstag in ihrer Anhörung vor dem US-Senat. Eine Verwechslung schloss sie aus.

Ford wirft Kavanaugh vor, 1982 versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Auch andere Frauen haben Missbrauchsvorwürfe gegen den Kandidaten erhoben. Kavanaugh hat die Anschuldigungen pauschal zurückgewiesen. Auch er, Favorit von US-Präsident Donald Trump für den Richterposten, sollte noch vor dem US-Senat aussagen.

Der Vorsitzende des Justizausschusses, Chuck Grassley, entschuldigte sich zu Beginn der Sitzung bei Ford und Kavanaugh für das, was ihnen widerfahren sei, seit die Vorwürfe bekannt wurden. "Ich bin nicht hier, weil ich hier sein möchte", sagte Ford. "Ich habe furchtbare Angst." Sie berichtete von massiven Beleidigungen und Todesdrohungen gegen sie, nachdem ihr Name im Zusammenhang mit den Anschuldigungen bekannt wurden.

Die Tat habe ihr Leben für eine lange Zeit eingeschränkt, sagte die heutige Psychologieprofessorin. In ihrer live von mehreren Fernsehsendern weltweit übertragenen Aussage schilderte die Wissenschaftlerin im Detail die Vorkommnisse während eines Teenager-Treffens in einem Privathaus im Jahr 1982, bei der Kavanaugh in betrunkenem Zustand über sie hergefallen sein soll. Als sie um Hilfe habe rufen wollen, habe er ihr den Mund zugehalten. Sie habe gefürchtet, dass er sie dabei versehentlich ersticken könnte. Schließlich sei es ihr gelungen, zu fliehen.

Ford schildert Klaustrophobie

Ford stand während ihrer Aussage unter sichtlich starker Anspannung. Als sie über die angebliche sexuelle Attacke berichtete, atmete sie schwer und schien den Tränen nahe. Das damalige Geschehnis habe sich in ihr Gedächtnis "eingebrannt", sie später immer wieder heimgesucht und ihr Leben "drastisch" verändert, sagte sie.

"Die Erinnerung an die Tat verfolgt mich bis heute", sagte Ford. Auf Nachfrage erklärte sie, dass sie ausgelöst durch die Tat an Klaustrophobie und Panikattacken leide. Ein Beispiel dafür sei ihre Forderung nach einer zweiten Eingangstür an ihrem Haus gewesen, die ihr Mann nicht habe verstehen können. Zur Erklärung habe sie ihm die Tat im Detail geschildert.

Die Anhörung in Washington wurde landesweit mit großer Spannung erwartet. Vor den Kongresswahlen Anfang November ist die Personalie Gegenstand einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Trumps Republikanern und den oppositionellen Demokraten geworden. Für diesen Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss über eine Empfehlung Kavanaughs angesetzt. Danach muss der US-Senat über die Berufung des 53-Jährigen an das höchste US-Gericht abstimmen.

Trump verteidigte Kavanaugh am Mittwochabend zwar nochmals. Angesichts der zunehmenden Missbrauchsvorwürfe schloss der US-Präsident eine Abkehr von der Nominierung des umstrittenen Richters aber nicht generell aus. Trump hatte Kavanaugh im Juli für den hochrangigen Richterposten vorgeschlagen. Kurz vor der geplanten Entscheidung des US-Senats über die Personalie waren Fords Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit gekommen.

Im Video - Die Chronologie zur Kavanaugh-Affäre:

Foto: AP

vks/dpa/AFP

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