Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Brexit-Gespräche

Britischer Finanzminister wirft EU-Partnern Paranoia vor

Der britische Finanzminister Hammond gilt als europafreundlich, doch seine Aussagen über die EU sind wenig schmeichelhaft: Es spricht von einem schlecht geführten Klub - und der Brexit werde sicher stattfinden.

DPA

Britischer Finanzminister Philip Hammond (Archivbild)

Samstag, 13.01.2018   09:02 Uhr

Rückwärtsgerichtet, paranoid, schlecht geführt - mit scharfen Worten hat der britische Finanzminister Philip Hammond die Haltung der EU bei den Brexit-Verhandlungen kritisiert. Die Überlegung, mit Großbritannien nach dessen Austritt aus der EU nicht allzu großzügig zu sein, um andere EU-Mitglieder von einem solchen Schritt abzuhalten, bezeichnete der Schatzkanzler als Ausdruck von "Paranoia".

Die EU vergleicht Hammond mit einem schlecht geführten Klub: "Man kann auch nicht wirklich einen Verein betreiben, wenn man Mitglieder sanktioniert, die sich entscheiden, den Klub zu verlassen. Man sollte eher seine Anstrengungen verdoppeln, für neue und bestehende Mitglieder attraktiv zu bleiben", sagte er der "Welt am Sonntag".

Großbritannien will zum 29. März 2019 die EU verlassen. Beide Seiten hatten sich im Dezember auf einige Details der Austrittsbestimmungen geeinigt. Nun sollen die Modalitäten einer Übergangsphase ausgehandelt werden. Wann genau diese abläuft, ist noch umstritten. Ab März soll zudem über einen neuen Handelsvertrag gesprochen werden, der die künftigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Staatengemeinschaft und dem Königreich regeln soll.

"Aus Europa hören wir nur Rückwärtsgerichtetes"

Hammond, der als einer der EU-freundlichsten Minister im Kabinett von Premierministerin Theresa May gilt, deutete an, sein Land könne sich auch anderen Partnern zuwenden. "Wir hören in den USA und vielen anderen Ländern aus aller Welt Willen und gar Enthusiasmus, mit uns Freihandelsverträge abzuschließen", sagte Hammond. "Das hören wir aus Europa nicht. Aus Europa hören wir nur Rückwärtsgerichtetes."

Niemand solle sich Hoffnungen machen, sein Land könne die Entscheidung zum Austritt vielleicht noch einmal überdenken. Großbritannien werde die EU definitiv verlassen: "Ich würde den Leuten, die eine enge Beziehung zwischen Großbritannien und Europa zu schätzen wissen, davon abraten, sich auf diese Illusion zu versteifen."

yes/dpa/Reuters

insgesamt 102 Beiträge
heroldic 13.01.2018
1. Starke Tobac von eine der nach Imperium sehnt.
In der EU wäre vieles zu verbessern. Richtig. Es Rückwartsgerichtet zu nennen von eine der Make Britain Great Again propagiert ist m.e. blanke Höhn. Großbritannien, Ein Imperium zum Ausbeuten, ich hoffe es kommt nicht [...]
In der EU wäre vieles zu verbessern. Richtig. Es Rückwartsgerichtet zu nennen von eine der Make Britain Great Again propagiert ist m.e. blanke Höhn. Großbritannien, Ein Imperium zum Ausbeuten, ich hoffe es kommt nicht wieder.
Maya2003 13.01.2018
2.
Großbritannien vergisst leider daß es immer darauf bestanden hat diesem Club nur anzugehören wenn er dem UK Sonderrechte gewährt. Eine Mitliedschaft Deluxe sozusagen. Daß dies vielen Clubmitgiedern nicht gefällt ist nur [...]
Großbritannien vergisst leider daß es immer darauf bestanden hat diesem Club nur anzugehören wenn er dem UK Sonderrechte gewährt. Eine Mitliedschaft Deluxe sozusagen. Daß dies vielen Clubmitgiedern nicht gefällt ist nur natürlich - deshalb solte Mr. Hammond einmal darüber nachdenken ob es gut ist in der derzeitigen Situation schon wider etwas zu FORDERN anstatt sich zurückzuhalten und versuche eine praktikable Lösung zu finden die beite Seiten zufriedenstellt. Europa braucht das UK weit weniger als Großbritanien die EU. In London sollte endlich Vernunft einziehen - mehr Ratio, weniger Emotionen. Dann klappt auch mit den EU Partnern.
s.tacki 13.01.2018
3. Warum Paranoia?
Wer aus dem Fußballverein austritt darf eben nicht mehr so ohne weiteres in der Mannschaft mitspielen. Sonst würde es gar keinen Sinn machen, in dem Fußballverein Mitglied zu sein. Die Attraktivität für neue und bestehende [...]
Wer aus dem Fußballverein austritt darf eben nicht mehr so ohne weiteres in der Mannschaft mitspielen. Sonst würde es gar keinen Sinn machen, in dem Fußballverein Mitglied zu sein. Die Attraktivität für neue und bestehende Mitglieder hängt also gerade davon ab, dass Großbritannien nicht im Wesentlichen die gleichen Vorteile zu Teil wird, wie den Mitgliedsländern.
MisterD 13.01.2018
4. Nein falsch...
die EU sinnt nicht auf Rache, so wie die Briten das offenbar empfinden. Die Briten werden ganz normal behandelt. Das Problem ist nur, dass sie in der Vergangenheit immer nur mit Samthandschuhen angefasst wurden... wie eine kleine [...]
die EU sinnt nicht auf Rache, so wie die Briten das offenbar empfinden. Die Briten werden ganz normal behandelt. Das Problem ist nur, dass sie in der Vergangenheit immer nur mit Samthandschuhen angefasst wurden... wie eine kleine verwöhnte Millionärstochter, deren Vater entscheidet, dass sie auch mal das Leben der normalen Leute kennenlernen muss und sie eine Berufsausbildung machen lässt... würde die EU tatsächlich auf Rache sinnen, so würde man mit der Verhandlungsphase 2 eiskalt solange warten, bis die Briten all ihre finanziellen Verpflichtungen übernehmen und die Grenze zu Irland verbindlich klären. Man kommt den Briten schon sehr weit entgegen, schade, dass die das nichtmal im Ansatz zu schätzen wissen. Arrogantes Völkchen...
henry.miller 13.01.2018
5.
So ist das halt wenn es nicht läuft, dann meckert man halt. Das ändert wenig an der Sachlage. UK möchte gerne raus und die Vorteile sollen bleiben. Klaro
So ist das halt wenn es nicht läuft, dann meckert man halt. Das ändert wenig an der Sachlage. UK möchte gerne raus und die Vorteile sollen bleiben. Klaro

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP