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Politik

Theresa May und der Brexit

Was die Frau in der gelben Jacke sagt

"Yellow Jacket Woman" elektrisiert die Brexit-Gegner: In einer Talkshow-Runde wurde eine Zuschauerin gefragt, ob Theresa May einem nicht leidtun könne. Die Frau verriss die EU-Austrittspolitik der Regierung binnen 90 Sekunden.

BBC

"Yellow Jacket Woman" Diana Good

Samstag, 12.01.2019   13:03 Uhr

Mit ihrem leidenschaftlichen Plädoyer gegen den EU-Austritt hat eine Talkshow-Zuschauerin vielen Brexit-Gegnern offenbar aus dem Herzen gesprochen. Die mit einer gelben Jacke bekleidete, bis dato weithin unbekannte Frau rechnete vor allem mit der britischen Ministerpräsidentin ab.

"Können wir bitte aufhören, Mitleid mit Theresa May zu haben?", sagte sie in der BBC-Sendung "Question Time" , nachdem ihr die Moderatorin das Wort erteilt hatte. "Sie hat uns das eingebrockt."

Als Innenministerin sei May mit ihrer harten Haltung "jahrelang verantwortlich für das feindliche Klima gegenüber Migranten gewesen. Das ist eine Schande", sagte die Frau. Im Wahlkampf vor dem Austrittsreferendum hatte das Thema Zuwanderung eine große Rolle gespielt. Viele Briten beklagen den Zuzug von Menschen aus ärmeren EU-Ländern.

Brexit-Abstimmung am Dienstag im Parlament

Am Dienstag kommender Woche stimmt das britische Unterhaus über Mays Brexitplan ab. Es gilt als ungewiss, ob sie eine Mehrheit für ihren Vorschlag eines weichen Austritts erhält, der eine enge wirtschaftliche Bindung an die EU und eine Übergangsfrist bis 2021 vorsieht. Verliert May im Parlament, droht Großbritannien ein abrupter Abschied aus der EU mit vielen rechtlichen und wirtschaftlichen Unsicherheiten.

In der BBC-Sendung kritisierte die Frau in der gelben Jacke, May habe den Austritt nach dem Referendum überhastet angekündigt. "Sie hat Artikel 50 gezogen, als sie keinen Plan hatte." Nun müsse das Land die Folgen ausbaden.

In den sozialen Medien wurde der Auftritt der Talkshow-Zuschauerin tausendfach verbreitet. "Kann diese Frau bitte das Amt der Premierministerin übernehmen?", schrieb ein Twitter-Nutzer. "Die Frau in der gelben Jacke hat uns in 90 Sekunden weitergebracht als Theresa May in 31 Monaten", schrieb die Wissenschaftlerin Jenifer Cassidy von der Universität Oxford.

Frau arbeitete für Großkanzlei Linklaters

Die Rednerin wurde später als Ex-Richterin Diana Good, 62, identifiziert. Sie habe auch für die Großkanzlei Linklaters gearbeitet und sei auf das Thema Internationale Entwicklung spezialisiert gewesen. Good ist inzwischen pensioniert und berät laut Medienberichten Parlamentsabgeordnete.

Den Brexit verurteilte Good scharf. "Wir haben den besten Binnenmarkt in der Welt, und jeder möchte mit uns Geschäfte machen. Und wir werden das durch eine Regierung verlieren, die hoffnungslos überfordert ist."

Grafik zum Brexit-Poker

nis

insgesamt 179 Beiträge
macarthur996 12.01.2019
1. Talk Show
ist doch klar, das im Volk, zum Teil, intelligentere Leute sind, als in der Regierung Macht und Ingelligenz sind keine Geschwister
ist doch klar, das im Volk, zum Teil, intelligentere Leute sind, als in der Regierung Macht und Ingelligenz sind keine Geschwister
moistvonlipwik 12.01.2019
2. Man muss nichts verlieren
Das Parlament muss nur den Widerruf der Austrittserklärung beschließen, und der Albtraum ist vorüber. Alles, was es dazu braucht, ist Nur.
Das Parlament muss nur den Widerruf der Austrittserklärung beschließen, und der Albtraum ist vorüber. Alles, was es dazu braucht, ist Nur.
omguruji 12.01.2019
3. perfekt
Eine gebildete Dame mit Durchblick!
Eine gebildete Dame mit Durchblick!
samechgimel 12.01.2019
4. Mitleid kann ich für die Brexit-Befürworter nicht aufbringen
Das britische Volk hat diese fatale Entscheidung getroffen, nachdem es sich von gefährlichen Populisten hatte verleiten lassen. Die Bürger, die für den Austritt stimmten haben, sind trotzdem verantwortlich und verdienen unser [...]
Das britische Volk hat diese fatale Entscheidung getroffen, nachdem es sich von gefährlichen Populisten hatte verleiten lassen. Die Bürger, die für den Austritt stimmten haben, sind trotzdem verantwortlich und verdienen unser Mitleid nicht. Opfer sind die Bürger, die sich vor der Abstimmung mit der Frage beschäftigt hatten und das Risiko abschätzen konnten, schlussendlich gegen den Brexit stimmten und sich dennoch in der gleichen desolaten Situation befinden. Ein Jammer. Das sich jetzt alle als Opfer darstellen ist nicht nachzuvollziehen.
hevopi 12.01.2019
5. Ich bin auch heute noch davon überzeugt,
das es nicht zum Brexit kommt, weil die vorher verunsicherte Bevölkerung immer mehr gelernt hat und inzwischen auch erkannt hat, wie verlogen diese ganze Politik war und ist. GB kann nicht ohne die EU die gleichen Ergebnisse [...]
das es nicht zum Brexit kommt, weil die vorher verunsicherte Bevölkerung immer mehr gelernt hat und inzwischen auch erkannt hat, wie verlogen diese ganze Politik war und ist. GB kann nicht ohne die EU die gleichen Ergebnisse erreichen und in Bezug auf die Sicherheit dürfte sich herumgesprochen haben, dass den Amerikanern (früher enge Partner zu GB) mit ihrer "America first" Politik auf GB pfeifen.

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