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Politik

Bundeswehr

Ausbildungseinheit liefert sich schwere Gefechte mit Taliban

Kaum im Einsatz, geriet die neue Ausbildungseinheit der Bundeswehr bei Kunduz in ein stundenlanges Gefecht mit Aufständischen. Nach heftigen Angriffen auf die deutsch-afghanische Einheit feuerten die Deutschen eine Rakete in das Versteck der Taliban.

REUTERS

Deutsche und afghanische Soldaten: "Partnering" bedeutet neue Gefahren

Von und Shoib Najafizada, Kabul
Samstag, 14.08.2010   17:22 Uhr

Kabul - Gleich zu Beginn der sogenannten Partnering-Mission der Bundeswehr zur Ausbildung der afghanischen Armee sind deutsche und afghanische Soldaten nahe Kunduz in ein heftiges Gefecht verwickelt worden. Taliban griffen die gemischte Einheit am frühen Samstagmorgen mehrmals mit Maschinengewehren und Panzerfäusten an. Dabei wurden nach Angaben der Schutztruppe Isaf mindestens drei Taliban getötet.

Begonnen hatten die Kämpfe gegen 2 Uhr Ortszeit, als die Taliban einen Konvoi von afghanischen und deutschen Einheiten mit AK-47 und Raketen von verschiedenen Positionen angriffen. Durch die Feuerkraft der Deutschen konnte der Angriff zurückgeschlagen werden. Kurz darauf fand die Einheit in einem Gehöft Hinweise darauf, dass sich dort zuvor mehrere Dutzend Kämpfer versteckt gehalten hatten. Laut dem afghanischen Polizeichef des Distrikts Chahar Darreh waren sie jedoch inzwischen geflohen.

Kurze Zeit später wurde die Einheit erneut angegriffen, auch diesmal setzten die Taliban neben Maschinengewehren Raketen ein. Laut afghanischen Angaben waren die Kämpfe heftig und dauerten rund zwei Stunden. Demnach wurde dabei ein Kommandeur der Taliban durch Schüsse getötet, afghanische und deutsche Soldaten wurden nicht verletzt.

Der Polizeichef der Region sagte, es seien die heftigsten Kämpfe seit Wochen gewesen. "Ohne die Deutschen hätten wir den Angriff nicht zurückschlagen können", sagte Polizeichef Mahayoddin später.

Mit "Milan"-Rakete gegen Taliban-Stellung

Eine aus dem deutschen Camp gelenkte "Luna"-Drohne, die aus der Luft gestochen scharfe Bilder ins Feldlager senden kann, entdeckte schließlich das Gehöft, von dem die Raketen kamen. Wenig später schossen die deutschen Einheiten eine "Milan"-Rakete auf das Haus ab. Dabei wurden nach Angaben des Hauptquartiers der Schutztruppe Isaf zwei weitere Taliban getötet. Die ferngelenkte Rakete mit großer Reichweite ist wegen ihrer Treffgenauigkeit bei der Bundeswehr beliebt.

Die teilte auf ihrer Internetseite lediglich mit, die Einheit sei am Morgen "mit Hand- und Panzerabwehrwaffen angegriffen" worden. Tatsächlich aber erscheint das Gefecht als eines der schwersten der jüngsten Vergangenheit. Vor allem aber illustrieren die Kämpfe, wie gefährlich das neue Ausbildungskonzept der Bundeswehr tatsächlich ist. Im Nato-Jargon als Partnering bezeichnet, wird die Bundeswehr mit zwei jeweils 800 Mann starken Einheiten die afghanische Armee in der Praxis trainieren. Dieses Training findet während laufender Operationen statt.

Eine brandgefährliche Operation

Richtig begonnen hat die Mission noch nicht. Erst ab Oktober sollen in Kunduz und Masar-i-Sharif beide Ausbildungstruppen voll einsatzfähig sein. Bereits im Frühjahr 2010 hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eingestanden, dass diese neue Mission der Bundeswehr durchaus mehr Gefahren mit sich bringen wird. Im Raum Kunduz können die Deutschen bereits seit Wochen beobachten, was das Partnering bedeutet, da die USA dort gemeinsam mit den Afghanen operieren. Bei mehreren Einsätzen gab es zahlreiche amerikanische Schwerverletzte.

In Berlin hatten vergangene Woche bereits Äußerungen des Chefs der Einheit für Nervosität gesorgt. Zwar war die Geschichte auf der Seite eins der US-Zeitung "Wall Street Journal", die unter der Schlagzeile "Deutsche Offensive will Sicherheit und Ansehen zurückgewinnen", etwas zugespitzt, doch im Kern beschrieb sie treffend die neue Ausrichtung der Bundeswehr. Was die Politik als Ausbildungsoffensive für die Afghanen verkauft, die dann die Sicherheit in Kunduz garantieren soll, ist in Wirklichkeit eine brandgefährliche Operation.

In der Story des "WSJ" bestätigte der Kommandeur der Ausbildungseinheit, dass das Partnering mit den Afghanen einen deutlich aggressiveren Charakter als die bisherigen Patrouillen der Bundeswehr bedeutet. Statt wie bisher meist nach Ein-Tages-Patrouillen ins Lager zurückzukehren, wird die Trainingseinheit der Bundeswehr in Zukunft mit den Afghanen in kleinen Basen übernachten und so freilich auch häufiger ins Visier der Taliban geraten. Schon jetzt gibt es zudem Sorgen unter den Offizieren, wie sehr man sich auf die Afghanen verlassen kann.

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Karzai und Afghanistan

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Hamid Karzai
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Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa

Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP

Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
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Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
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Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
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Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.

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