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Politik

US-Wahl 2020

Diese Politiker könnten es mit Trump aufnehmen

Die linke Senatorin Elizabeth Warren hat sich als erste Demokratin für die US-Wahl 2020 in Stellung gebracht. Donald Trump spottet, doch bald werden wohl weitere Bewerber folgen.

AP; REUTERS; EPA
Dienstag, 01.01.2019   16:56 Uhr

Bis zur nächsten Präsidentschaftswahl in den USA sind es noch fast zwei Jahre, aber schon jetzt deutet alles auf einen nervenaufreibenden Wahlkampf bei den Demokraten hin. Mit der linken Senatorin Elizabeth Warren brachte sich am Montag eine scharfe Kritikerin von Präsident Donald Trump in Stellung.

Die 69-Jährige, die dem linken Flügel der Demokraten angehört und im Senat den Staat Massachusetts vertritt, ist 13 Monate vor Beginn der Vorwahlen die erste weibliche Vertreterin der Partei, die ihre Ambitionen öffentlich macht. Im Juli 2017 hatte sehr früh schon John Delaney angekündigt, kandidieren zu wollen. Er ist einer der wohlhabendsten demokratischen Kongressabgeordneten und dürfte mit der Finanzierung einer Kandidatur keine Probleme haben.

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Demokraten gegen Trump: Wer tritt 2020 an?

In den nächsten Wochen und Monaten dürften einige weitere Kandidaten das Bewerberfeld stark vergrößern. Das war 2016 auch bei den Republikanern der Fall - was den Aufstieg des politischen Außenseiters Donald Trump begünstigte.

Dieser reagierte mit Herablassung auf Warrens Ankündigung. Auf die Frage des Senders Fox News, ob er die Senatorin als geeignet für das Präsidentenamt ansehe, entgegnete Trump: "Das müssen Sie ihren Psychiater fragen." Er machte klar, dass er Warren für eine leicht zu besiegende Gegnerin halte: "Ich wünsche ihr alles Gute. Ich würde liebend gerne gegen sie antreten."

Große Konkurrenz erwartet

Als möglicher Bewerber neben Warren gilt auch der frühere Vizepräsident Joe Biden. Viele Umfragen zeigen, dass er unter den Demokraten besonders beliebt ist. Allerdings wäre Biden bei der Wahl 2020 bereits 77 Jahre alt. Besonders beliebt ist auch Michelle Obama, obwohl sie nicht kandidieren will, dasselbe gilt für die Moderatorin Oprah Winfrey.

Auf Platz zwei der Liste der Favoriten liegt der parteilose Bernie Sanders, der 2016 im Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton gescheitert war. Eine Kandidatur von Sanders würde Warrens Chancen schmälern, da beide um Stimmen aus dem linken Lager konkurrieren würden. Er ist jedoch noch zwei Jahre älter als Joe Biden.

Die afroamerikanische Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien will offenbar ebenfalls antreten. Die 54-jährige Topjuristin könnte besonders bei jenen Wählergruppen erfolgreich sein, die den Demokraten bei den Midterms zum Sieg im Repräsentantenhaus verhalfen: junge Leute, gebildete Frauen aus den Vororten, Afroamerikaner, Latinos.

Auch von Senator Cory Booker aus dem Bundesstaat New Jersey wird gesagt, er könnte für eine Kandidatur in Frage kommen, obwohl der 49-jährige Afroamerikaner im Januar 2017 erklärt hatte, er wolle nicht kandidieren. Auch der scheidende Abgeordnete Beto O'Rourke aus Texas wird als Kandidat gesehen, trotz seiner Niederlage bei den Zwischenwahlen gegen Ted Cruz. Er gilt als unverbraucht und liegt in einigen Umfragen unter Parteianhängern auf der Liste der Favoriten auf Platz drei hinter Biden und Sanders.

Weitere Senatoren, deren Namen immer wieder fallen, sind Sherrod Brown aus Ohio, die New Yorkerin Kirsten Gillibrand sowie Amy Klobuchar aus Minnesota, deren Befragung von Trumps Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh vor dessen Ernennung weitreichend beachtet wurde.

Auch über den ehemaligen New Yorker Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg wird spekuliert, der 76-Jährige denke über eine Kandidatur nach. Bloomberg hatte sich im Oktober nach einigen Jahren bei den Republikanern und als Parteiloser wieder als Demokrat ins Wählerregister eingetragen.

Trump forderte DNA-Test von Warren

Der Vorwahlkampf in der Partei könnte ähnlich erbittert werden wie 2016 bei den Republikanern. Schon jetzt gibt es bei den Demokraten Diskussionen zwischen dem linken und dem moderaten Flügel über den Kurs der Partei und darüber, was für ein Kandidat die besten Chancen gegen Trump hätte. Diese Auseinandersetzungen dürften in den kommenden Monaten noch zunehmen.

Elizabeth Warren kündigte an, sie werde ihre endgültige Entscheidung über eine Bewerbung früh im neuen Jahr bekannt geben. In einem Video auf ihrer Homepage betonte sie, für die Mittelklasse kämpfen zu wollen. Jeder Mensch in den USA sollte in der Lage sein, hart zu arbeiten und für sich und die Menschen zu sorgen, die er liebe, erklärte sie. Dabei nahm Warren auch Bezug auf ihre eigene Lebensgeschichte: Ihr Vater, ein Hausmeister, erlitt einen Herzinfarkt, als sie zwölf war. Sie ging fortan kellnern und machte als erste in der Familie einen Hochschulabschluss.

Die Juraprofessorin, die unter anderem an der Eliteuniversität Harvard lehrte, sitzt seit 2013 im Senat und hat sich einen Namen als vehemente Kritikerin der Finanzindustrie gemacht. Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 wurde sie als mögliche Vizekandidatin von Hillary Clinton gehandelt. Damals schoss sie sich früh auf Trump ein. So nannte sie ihn etwa bei einer Rede einen "kleinen, unsicheren Geldraffer", der sich über die Finanzkrise gefreut habe.

Auch Trump hat Warren in der Vergangenheit immer wieder angegriffen und öffentlich ihre Angaben angezweifelt, wonach unter ihren Vorfahren amerikanische Ureinwohner sind. Er verspottete sie als "Fake-Pocahontas", eine berühmte Ureinwohnerin aus dem 17. Jahrhundert. Bei einem Auftritt im Juli 2018 sagte er, sollte Warren 2020 für die Demokraten als Präsidentschaftsbewerberin antreten, werde er sie zu einem DNA-Test auffordern. Wenn dieser ihre Angaben bestätigen sollte, werde er ihr eine Million Dollar für eine Wohltätigkeitsorganisation geben.

Warren legte daraufhin im Oktober das Ergebnis eines DNA-Tests vor, wonach es "überzeugende Beweise" dafür gebe, dass einer ihrer Vorfahren vor sechs bis zehn Generationen ein amerikanischer Ureinwohner war. Sie forderte Trump auf, seine Wettschulden einzulösen, woraufhin dieser sie als Schwindlerin beschimpfte.

cpa/dpa/AFP

insgesamt 44 Beiträge
radlrambo 01.01.2019
1. Die Überschrift ist irreführend
Diese Politiker treten evtl. gegen ihn an, es "mit Trump aufnehmen" kann jedes Kleinkind mit Twitter-Account ,wenn es bereits einige Buchstaben zu Wörtern zusammenfassen und diese dann irgendwie aneinander reihen kann. [...]
Diese Politiker treten evtl. gegen ihn an, es "mit Trump aufnehmen" kann jedes Kleinkind mit Twitter-Account ,wenn es bereits einige Buchstaben zu Wörtern zusammenfassen und diese dann irgendwie aneinander reihen kann. Mehr kann Trump auch nicht...
Lankoron 01.01.2019
2. Seien wir ehrlich...
Sanders, Biden, Warren, das Establishment der Ü65-Demokraten steht zu weit links, um wirklich zu einigen. Sie sind in Amerika genau wie trump, nur nicht rechts- sondern linksaussen. Ich hoffe, die Demokraten finden einen etwas [...]
Sanders, Biden, Warren, das Establishment der Ü65-Demokraten steht zu weit links, um wirklich zu einigen. Sie sind in Amerika genau wie trump, nur nicht rechts- sondern linksaussen. Ich hoffe, die Demokraten finden einen etwas jüngeren, gemässigteren Kandidaten, der von einigen wichtigen Leuten unterstützt wird. Die Frage wird sein, wer stellt seine eigenen Ambitionen zurück, um einen Konsenskandidaten zu unterstützen?
bigmitt 01.01.2019
3. Meine Hoffnung liegt....
...immernoch auf Bernie oder was noch besser wäre, Tulsi Gabbard. Leider wird es schwer werden für wahrhaftig progressive Kandidaten genug Wahlkampfspenden einzusammeln um einen langen Vorwahlkampf zu finanzieren .Eine [...]
...immernoch auf Bernie oder was noch besser wäre, Tulsi Gabbard. Leider wird es schwer werden für wahrhaftig progressive Kandidaten genug Wahlkampfspenden einzusammeln um einen langen Vorwahlkampf zu finanzieren .Eine progressive Agenda ist mittlerweile mehrheitsfähig, zumindest zeigen Umfragen das Universal Health Care und Mindestlohn 15 $ von der Mehrheit der US Bürger als wichtig empfunden werden. Fehlt nur der charismatische Kandidat der diese Werte glaubhaft vertritt und vermitteln kann.
gutmichl 01.01.2019
4. Trump ist ein harter Gegner
Auch wenn sich fast jeder SPON-Forist dem aktuellen US-Präsidenten überlegen fühlt, so sollte man zunächst feststellen, dass Trump in einer anderen Liga spielt und daneben auch gewählter Präsident ist. Es wurde gewählt, [...]
Auch wenn sich fast jeder SPON-Forist dem aktuellen US-Präsidenten überlegen fühlt, so sollte man zunächst feststellen, dass Trump in einer anderen Liga spielt und daneben auch gewählter Präsident ist. Es wurde gewählt, weil man ihm zutraut die Wahlversprechen zu liefern und hier ist die Quote jetzt bereits weit höher als beim Friedensnobelspreisträger vor ihm. Was musste man nicht alles bei G.W.Busch lesen, wie chancenlos dieser sei, und am Ende hat er gewonnen. Die Welt funktioniert nicht so, wie der deutsche Forist sie zu verstehen meint.
DucciVinci 01.01.2019
5. 14 Monate und 12 Tage = 2 Jahre älter?
Es sind absolute Kleinigkeiten wie diese, die eine gewisse Voreingenommenheit der Presse insbesondere in den USA gegen einen Bernie Sanders zeigen, tut mir leid. Aber der Mann ist 14 Monate älter als Joe Biden und sowohl jetzt im [...]
Es sind absolute Kleinigkeiten wie diese, die eine gewisse Voreingenommenheit der Presse insbesondere in den USA gegen einen Bernie Sanders zeigen, tut mir leid. Aber der Mann ist 14 Monate älter als Joe Biden und sowohl jetzt im Moment als auch für den Großteil eines Jahres ist er eben ein Jahr älter und nicht 2 Jahre. Ich weiß, das klingt mega pedantisch, aber wer die US-Presse etwas verfolgt, wird von solchen Beispielen Hunderte finden. Sanders ist seit Jahren der beliebteste Politiker der USA, soll aber jeden Preis delegitimiert werden, sei es als zu alt, als ideologisch verbohrt oder sonst was. Bitte lieber Spiegel, fallt nicht herein auf die Taschenspielertricks der amerikanischen Presse!

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