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Politik

Trumps Reise nach Europa

Operation Abrissbirne

US-Präsident Trump bricht zum Nato-Gipfel in Brüssel auf, anschließend trifft er sich mit dem russischen Präsidenten Putin in Helsinki. Trumps Absichten sind unklar: Wird er die westliche Allianz weiter untergraben?

REUTERS

Putin und Trump (Archivbild)

Von , New York
Dienstag, 10.07.2018   13:03 Uhr

Donald Trump hasst es zu reisen. Auch seinen Trip nach Brüssel, wo der Nato-Gipfel am Mittwoch und Donnerstag stattfindet, hält der US-Präsident möglichst knapp: ein Tag, zwei Nächte, dann schnell weiter zum Kurzbesuch nach Großbritannien, wo er die Londoner Proteste aber tunlichst meiden und die meiste Zeit auf seinem Golfkurs verbringen wird.

Der anschließende Abstecher nach Helsinki, wo Trump am Montag den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen will, ist mit kaum 24 Stunden sogar noch knapper angesetzt. Insgesamt verbringt Trump also nicht mal eine Woche fern der Heimat.

Die kurze Reise wirft lange Schatten: Wird Trump, wie schon beim G7-Gipfel in Kanada, die bisher von den USA geführte Nachkriegsordnung weiter untergraben? Wird seine "Wrecking-Ball-Präsidentschaft" ("New Yorker") nun auch zur Abrissbirne für die westliche Allianz?

AFP

Donald Trump

Zumal die drei Etappen der Tour plötzlich thematisch so eng verflochten sind. Nato und EU sind in Aufruhr, Großbritannien steckt in der Brexit-Krise und in einer zweiten Krise um die - mutmaßlich russischen - Giftangriffe auf britischem Boden. Und Putin? Der freut sich über all diese Risse im Westen. Dass Trump ihn ganz zum Schluss besucht, nach den womöglich turbulenten Nato-Szenen, beunruhigt die Verbündeten am meisten.

Trumps Berater bemühen sich derweil zuzusichern, dass Amerika sich weder von ihnen abwende noch Putin zuwende. Kay Bailey Hutchison und Jon Huntsman, Trumps Botschafter bei der Nato und in Moskau, betonten demonstrativ die "Einheit" der Allianz und den kollektiven Verteidigungsauftrag. Trump werde bei Putin - natürlich - "die böswilligen Aktivitäten Russlands" ansprechen, von der Ukraine bis zur Wahleinmischung.

Das Problem: Trump sieht diese Dinge offenbar ein wenig anders. Im engsten Kreis erwog er angeblich sogar einen teilweisen Rückzug aus der Nato, finanziell wie militärisch. "Ich werde der Nato sagen: Ihr müsst langsam eure Rechnungen zahlen", rief er vergangene Woche in Montana, vor grölenden Fans, denen das Wesen der Nato-Finanzierung fremd ist. "Die Vereinigten Staaten werden sich nicht um alles kümmern." Und: "Putin ist gut. Er ist gut. Wir sind alle gut."

Trumps Reise "wird Amerikas globale Führungsrolle entweder wiederherstellen oder beenden", prophezeite die ehemalige Vizeaußenministerin Victoria Nuland in der "New York Times". Seit Wochen wettert Trump gegen die Alliierten, gegen die er einen Handelsstreit begonnen hat. Die Europäische Union sei "schlimmer als China", sagte er, und die Nato "so schlimm wie Nafta". Das ist das nordamerikanische Freihandelsabkommen, das er aufgekündigt hat.

Einer gewinnt - also muss auch einer verlieren

REUTERS

Neue Nato-Zentrale

Nato, Nafta, EU, G7 - Für Trump scheint es da erstaunlich geringe Unterschiede zu geben: "unfair", "zocken uns ab", "lachen über uns" - so lauten einige Einschätzungen. Historische Verpflichtungen ignoriert der Präsident, für ihn zählt die gleiche Nullsummenrechnung wie in der Immobilienszene: Wenn einer gewinnt, muss ein anderer verlieren.

Trumps Lieblingskritik an der Nato: Die anderen Mitgliedstaaten knauserten mit den Rüstungsausgaben - zulasten der USA. Dieses platte Motto testete er schon 1987 an, in Zeitungsanzeigen kurz nach der Rückkehr von seinem ersten Moskau-Besuch. Es prägt seine Weltsicht bis heute.

"Die USA geben weit mehr für die Nato aus als sonst ein Land", twitterte er am Montag und legte am Dienstag nochmals nach: "Die USA zahlen ein Vielfaches mehr als jedes andere Land, nur um sie zu beschützen. Nicht fair für den amerikanischen Steuerzahler." Trump tut, aus Unkenntnis oder vorsätzlich, als gehe es um Mitgliedsbeiträge und nicht den Anteil der Rüstungskosten am Bruttoinlandsprodukt, mit dem die Nato-Partner ihren Einsatz quantifizieren.

Auch scheint Trump deren strategische Ausrichtung nicht zu teilen. Beim Gipfel will die Nato neue Schritte gegen Russlands Aggressionen beraten. Die meisten Trump-Berater und die US-Geheimdienste schätzen das ähnlich ein, sie sehen die jüngsten Schritte Russlands als Bedrohung an. Nur Trump geht mit Putin übervorsichtig um.

Was plant Trump im Vier-Augen-Gespräch mit Putin?

Das wäre an sich schon sonderbar genug. Doch von jemandem, dessen Beraterzirkel im Verdacht steht, gemeinsam mit den Russen die jüngsten US-Wahlen manipuliert zu haben, und der nach Meinung von Ex-Agenten sogar selbst kompromittiert sein könnte, ist das umso erschreckender.

Selbst im Weißen Haus gibt man sich irritiert, dass Trump angeblich darauf beharrt, Putin in Helsinki unter vier Augen zu sprechen, ohne Berater, die mitschreiben und notfalls eingreifen. Auch soll er Putin Konzessionen angeboten haben, wie die "Washington Post" berichtet. Details sind nicht bekannt, doch im bisherigen Zeitplan ist für das Treffen auffällig wenig Zeit reserviert.

Niemand weiß, was Trump wirklich bewegt. Auch Ex-Sicherheitsberater H.R. McMaster rätselte über die Putin-Affinität seines damaligen Chefs: "Der Präsident glaubt, dass er Putins Freund sein kann", zitierte die "Washington Post" ihn. "Warum, weiß ich nicht." McMaster wurde im April gefeuert - kurz nachdem Trump das Putin-Treffen erstmals angeregt hatte.

insgesamt 124 Beiträge
wannbrach 10.07.2018
1.
Für Deutschland wäre das Beste aus der NATO auszutreten, denn die USA missbrauchen diese Organisation nur für ihre illegalen Kriege wie Iraq, Libyen, Afghanistan, Syrien etc.
Für Deutschland wäre das Beste aus der NATO auszutreten, denn die USA missbrauchen diese Organisation nur für ihre illegalen Kriege wie Iraq, Libyen, Afghanistan, Syrien etc.
Beat Adler 10.07.2018
2. Trump: Putin ist outstanding, Kim is trustworthy
Trump: Putin ist outstanding, Kim is trustworthy, sagt eigentlich Alles zur Trump Aussenpolitik. Dafuer sind Trudeau, Macron, Merkel, etc. unter jeder Sau;-) Noch nie trafen sich ein US Praesident mit dem Generalsaekretaer der [...]
Trump: Putin ist outstanding, Kim is trustworthy, sagt eigentlich Alles zur Trump Aussenpolitik. Dafuer sind Trudeau, Macron, Merkel, etc. unter jeder Sau;-) Noch nie trafen sich ein US Praesident mit dem Generalsaekretaer der KP der Sovietunion oder einem russischen Praesidenten unter den heutigen Voraussetzungen des Nicht-Wissens, was da eigentlich abgeht. Vorbereitet wurde offensichtlich nichts. Denn wenn, dann haetten es die kleinen Ohren der Maeuse im Weissen Haus aufgefangen und an die Medien durchgesteckt. Der groesste Dealmaker aller Zeiten verlaesst sich auf seinen Instikt als Pueppchen beim Strippenzieher Putin.
kleinbürger 10.07.2018
3. fake
nur ein satz und soviele manipulative fakes. 1. der afghanistan-einsatz war nicht illegal sondern wurde von der UN abgesegnet. 2. libyen war ein nato-einsatz mit maßgeblicher beteiligung englands, frankreichs und auch [...]
Zitat von wannbrachFür Deutschland wäre das Beste aus der NATO auszutreten, denn die USA missbrauchen diese Organisation nur für ihre illegalen Kriege wie Iraq, Libyen, Afghanistan, Syrien etc.
nur ein satz und soviele manipulative fakes. 1. der afghanistan-einsatz war nicht illegal sondern wurde von der UN abgesegnet. 2. libyen war ein nato-einsatz mit maßgeblicher beteiligung englands, frankreichs und auch kanadas. 3. in syrien ist alles illegal, angefangen von machthaber assad bis hin zu den russischen flächenbombardements, nur die nato spielt in syrien keine roile. insofern ist ihr satz einfach nur platter anti-amerikanismus ohne geistigen nährwert.
Korken 10.07.2018
4. Abhören
Na, CIA oder NSA werden doch in der Lage sein abzuhören, was Trump und Putin unter vier Augen besprechen wollen. Am Ende geht es nur um einen neuen Baudeal...
Na, CIA oder NSA werden doch in der Lage sein abzuhören, was Trump und Putin unter vier Augen besprechen wollen. Am Ende geht es nur um einen neuen Baudeal...
Grummelchen321 10.07.2018
5. Natürlich
wird er nach dem Willen seines russischen Herren und Meisters die nato weiter untergraben.Im Anschluss trifft er sich mit Ihm sogar um wieder neu Instruktionen zu erhalten.
wird er nach dem Willen seines russischen Herren und Meisters die nato weiter untergraben.Im Anschluss trifft er sich mit Ihm sogar um wieder neu Instruktionen zu erhalten.

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