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Politik

Trump reagiert auf Kims Drohung

"Mein Atomwaffenknopf ist größer als seiner"

Nordkoreas Machthaber hatte in Richtung USA damit gedroht, dass auf seinem Schreibtisch immer ein Atomwaffenknopf stehe. Donald Trump twitterte dazu nun mit Verspätung: Sein Knopf sei "größer und mächtiger".

Foto: AFP
Mittwoch, 03.01.2018   13:40 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat via Twitter auf die jüngste Drohung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un reagiert. Der hatte in seiner Neujahrsansprache die abschreckende Wirkung seiner Atomwaffen beschworen und gesagt: "Die gesamten Vereinigten Staaten liegen in Reichweite unserer Kernwaffen und auf meinem Schreibtisch steht immer ein Atomwaffenknopf."

Der US-Präsident nahm das nun zum Anlass, um sich in Vergleichen zu üben. Kim habe "gerade erklärt", dass der Atomwaffenknopf immer bereitstehe, schrieb Trump auf seinem offiziellen Account. Jemand aus dem "verbrauchten und ausgehungerten Regime" möge Kim bitte darüber informieren, "dass auch ich einen Atomwaffenknopf habe, aber er ist viel größer und mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!"

Die USA und Nordkorea liefern sich seit Monaten einen verbalen Schlagabtausch, der weltweit schlimmste Befürchtungen auslöste. Trump hatte mehrfach mit Gewalt gedroht, sollte Nordkorea seine Drohungen fortsetzen. Nordkorea wirft Washington eine feindselige Politik vor und beharrt auf seinem Atomprogramm. Der Illustrator Edel Rodriguez, der viele SPIEGEL-Cover zeichnete, twitterte auch zu diesem Schlagabtausch eine entsprechende Karikatur.

Der Streit darum hatte sich 2017 mit zahlreichen Raketentests und einem weiteren Atomtest im September verschärft. Die Vereinten Nationen hatten die Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang verschärft und unter anderem ein Ölembargo verhängt.

Endlich Verständlich - Alle Fakten zu Nordkorea

In seiner Neujahrsansprache sandte Kim Jong Un neben den Drohungen an Washington auch ein Dialogangebot an Südkorea. "Was die Nord-Süd-Beziehungen angeht, sollten wir die militärische Spannung auf der koreanischen Halbinsel verringern, um ein friedvolles Umfeld zu schaffen." Er wünschte Südkorea zudem Erfolg bei der Ausrichtung der bevorstehenden Olympischen Winterspiele im Februar und deutete an, eine nordkoreanische Delegation zu den Spielen in Pyeongchang entsenden zu wollen.

Seoul will die Offerte annehmen - und schlug einen konkreten Termin für ein Treffen vor. Bereits am 9. Januar könnten Gespräche auf hoher Ebene im Grenzort Panmunjom stattfinden, sagte Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon.

Kims Neujahrsansprache im Video: "Atomwaffenknopf immer auf dem Schreibtisch"

Die USA dämpften die Erwartungen an mögliche Gespräche zwischen Süd- und Nordkorea. "Wir werden die Gespräche nicht ernst nehmen, wenn sie nichts unternehmen, um alle Atomwaffen in Nordkorea zu verbannen", sagte am Dienstag die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley.

In Nordkorea sei ein "sehr rücksichtsloses Regime" an der Macht. "Wir glauben nicht, dass wir ein Heftpflaster brauchen, und wir glauben nicht, dass wir lächeln und ein Foto machen müssen", sagte Haley. Die USA würden eine nukleare Aufrüstung Pjöngjangs "niemals akzeptieren".

aar/AFP

insgesamt 71 Beiträge
neue_perspektiven 03.01.2018
1. Meiner ist größer?
Ist das jetzt das neue Niveau internationaler Politik? Wenn das Thema nicht so ernst und gefährlich wäre, könnte man meinen, es handelt sich um einen Stammtischwitz. Leider vergeht einem hier das Lachen.
Ist das jetzt das neue Niveau internationaler Politik? Wenn das Thema nicht so ernst und gefährlich wäre, könnte man meinen, es handelt sich um einen Stammtischwitz. Leider vergeht einem hier das Lachen.
dbeck90 03.01.2018
2. Nikki unsympathisch
Man merkt: Nordkorea hat, was es wollte. Nukleare Abschreckung, die Mauer, welche es vor dem Rest der Welt beschützt. Jetzt sind sie wieder zu Gesprächen bereit, was wohl nicht nur wegen der Fertigstellung von seines Vaters [...]
Man merkt: Nordkorea hat, was es wollte. Nukleare Abschreckung, die Mauer, welche es vor dem Rest der Welt beschützt. Jetzt sind sie wieder zu Gesprächen bereit, was wohl nicht nur wegen der Fertigstellung von seines Vaters Projekt, sondern auch wegen der Sanktionen geschieht. Die USA können noch so fordern, man gibt nicht auf, woran man 50 Jahre geforscht hat, und was sämtliche Feinde von einem fern hält. Ich finde die aktuelle Entwicklung gut und vorhersehbar. Abschottung, defense aufbauen und sich dann der Welt ein Stück öffnen, sobald es sicher genug ist.
dasfred 03.01.2018
3. Hoffentlich hält Kim sich zurück
Ich glaube, wenn der Spruch stimmt, der Klügere gibt nach, dann sitzt dieser nicht in Washington. Wenn nicht, dann kommt bestimmt bald als Konter: Der Knopf von Trump ist nicht größer, der wirkt nur so neben den kleinen [...]
Ich glaube, wenn der Spruch stimmt, der Klügere gibt nach, dann sitzt dieser nicht in Washington. Wenn nicht, dann kommt bestimmt bald als Konter: Der Knopf von Trump ist nicht größer, der wirkt nur so neben den kleinen Händen.
karljosef 03.01.2018
4. Freundliche Grüße in einen Kindergarten!
Werden die beiden denn nie erwachsen? Haben die denn wirklich keine anderen Probleme in ihren Staaten? Oder wollen beide nur von diesen Problemen ablenken?
Werden die beiden denn nie erwachsen? Haben die denn wirklich keine anderen Probleme in ihren Staaten? Oder wollen beide nur von diesen Problemen ablenken?
f82s 03.01.2018
5. Mitleid
Abgesehen davon (oder gerade WEIL), dass ich die USA liebe und dass ich die Führung Nordkoreas als eines der menschenverachtendsten Regime aller Zeiten einordnen würde, ist Trump ja wirklich nur peinlich - er tut einem fast [...]
Abgesehen davon (oder gerade WEIL), dass ich die USA liebe und dass ich die Führung Nordkoreas als eines der menschenverachtendsten Regime aller Zeiten einordnen würde, ist Trump ja wirklich nur peinlich - er tut einem fast leid. Mein besonderes Mitleid gilt der Merhheit in Amerika, die ihn nicht gewählt hat. Mehr kann man zu sowas eigentlich gar nicht sagen.
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Nord- und Südkorea

Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS

Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP

Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke

Militär in Nord- und Südkorea

Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76

(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

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