Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Türkische Regierung

Trump soll Gülens Auslieferung in Aussicht gestellt haben

Der US-Präsident prüft der türkischen Regierung zufolge die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Donald Trump habe dies am Rande des G20-Gipfels zugesagt.

REUTERS

Fethullah Gülen

Sonntag, 16.12.2018   13:39 Uhr

Das Weiße Haus arbeitet laut dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu an einer möglichen Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Mehrere türkische Medien zitierten Cavusoglu mit den Worten, Trump habe dies dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan während des G20-Gipfels in Argentinien zugesagt.

"In Argentinien hat Trump Erdogan gesagt, sie arbeiteten daran, Gülen und andere auszuliefern", hieß es. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch vom Sommer 2016 verantwortlich. Gülen lebt seit Langem im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Der Streit über die Auslieferung ist ein zentraler politischer Konflikt zwischen den USA und der Türkei. Erdogan hatte schon mehrfach Gülens Auslieferung aus dem Exil verlangt. Unter anderem, nachdem die Türkei Mitte Oktober ihrerseits US-Pastor Andrew Brunson freiließ.

Die Sanktionen gegen Minister des jeweils anderen Landes wurden daraufhin aufgehoben, doch Gülens Auslieferung forderte die türkische Regierung bisher vergeblich.

Gerüchte seit November

Gerüchte über eine mögliche Auslieferung des Predigers waren bereits Mitte November aufgetaucht. US-Medien hatten damals berichtet, das Weiße Haus habe sich bei verschiedenen Behörden über rechtliche Möglichkeiten erkundigt, Gülen außer Landes zu bekommen. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums hatte dies damals dementiert.

Seit dem Putschversuch von 2016 greift die türkische Regierung gegen angebliche Anhänger der Gülen-Bewegung hart durch. Nach offiziellen Zahlen von Mitte November wurden seither wegen angeblicher Verbindungen zu den Putschisten rund 218.000 Menschen festgenommen, 16.684 der Betroffenen wurden demnach verurteilt. Mehr als 140.000 Menschen wurden aus dem Staatsdienst entlassen. Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei als Terrororganisation und ist verboten. Auf dieser Grundlage folgten auch die Entlassungen und Inhaftierungen.

Kritiker werfen der Regierung vor, neben tatsächlichen Putschbeteiligten auch zahllose Unschuldige zu verfolgen, die Rechte der Beschuldigten nicht zu wahren und sie aufgrund dürftiger Beweise zu langen Haftstrafen zu verurteilen. Laut einem Medienbericht betreibt der türkische Geheimdienst geheime Einrichtungen, in denen Gülen-Anhänger gefoltert werden. Menschenrechtler gehen von einem System hinter den Verschleppungen aus.

apr/Reuters/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP