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Politik

Cindy Yang

Warum sammelt diese Chinesin Geld für Trump?

Sie verehrt Donald Trump - und die Kommunistische Partei Chinas: Cindy Yang hat eine Verbindung zu einem Prostitutionsskandal, nun verspricht sie Zugang zum US-Präsidenten. Wer ist die Frau?

REUTERS

Mar-a-Lago Resort in Palm Beach (US-Bundesstaat Florida, Bild vom April 2017)

Sonntag, 17.03.2019   14:42 Uhr

Für Robert Kraft lief die Sache nicht wie gewünscht. Vor dem NFL-Halbfinalspiel seines Footballteams, der New England Patriots, gegen die Kansas City Chiefs am 20. Januar hatte er noch schnell das Massagestudio "Orchids of Asia Day Spa" in Jupiter (US-Bundesstaat Florida) aufgesucht. Dort habe er sich, so erklärten Ermittler später, von einer Mitarbeiterin oral befriedigen lassen. Man habe die ganze Sache auf Film. Kraft bestreitet die Vorwürfe.

Weil Prostitution illegal ist, läuft gegen Kraft aber ein Verfahren - und gegen fast 300 andere Kunden von Massagestudios im Bundesstaat ebenfalls. Es geht bei den Ermittlungen um Zwangsprostitution im großen Stil. Viele der Frauen, die in den Salons arbeiten, stammten aus China und würden gegen ihren Willen festgehalten, so die Behörden.

Die Gründerin des "Orchids of Asia Day Spa", die aus China stammende Li Yang, die allerdings lieber den Namen Cindy Yang verwendet, steht nun im öffentlichen Fokus - auch weil sie Geld für US-Präsident Donald Trump gesammelt haben soll. Und der wiederum ist seit Langem mit Robert Kraft befreundet, dem Football-Klubbesitzer, der nun Ärger mit der Justiz in Florida hat.

Der "Miami Herald" hatte zuerst über Yang und ihre Verbindung zu Trump berichtet. In dem Artikel beteuert die 45-Jährige, sie habe das "Orchids of Asia Day Spa" schon lange vor der Sache mit Kraft verkauft. Sie wolle demnächst nach Washington umziehen und habe kein Interesse an negativer Berichterstattung. Andere Massagesalons unter dem Namen "Tokyo Day Spa" gehören Yangs Familie allerdings noch.

Der Zeitungsbericht stellt freilich klar, dass es keine Anklage gegen sie gibt. Auch als die Behörden in Florida kürzlich zehn asiatische Day Spas wegen Verdachts auf Menschenhandel schließen ließen, seien keine auf Yang oder ihre Familie registriert gewesen. Beschuldigt wird aber zum Beispiel Hua Zhang, die das "Orchids of Asia" von Yang gekauft hat.

Noch nicht lange an Politik interessiert

Yang lebt seit etwa 20 Jahren in den USA, hat den US-Medienberichten zufolge unter anderem als Journalistin im Silicon Valley gearbeitet, Antiquitäten und chinesische Seidenkleider verkauft und Künstler promoted. Seit 2016 scheint sie ihre Begeisterung für Politik entdeckt zu haben, zunächst für Jeb Bush, den früheren republikanischen Gouverneur von Florida, später dann für Donald Trump.

Sie sucht die Nähe zum Spitzenpersonal der Republikaner - und ist offenbar bereit, dafür größere Summen an Geld zu zahlen. Die "New York Times" berichtet nun, dass sie 50.000 Dollar an Spenden gesammelt haben soll, damit sie bei einer Veranstaltung im vergangenen März ein Foto mit Trump machen konnte, das der Präsident später sogar noch mit silbernem Stift signierte.

Anlass war ein Spendendinner in Trumps Mar-a-Lago Resort in Palm Beach. Weil einzelne Geldgeber nicht mehr als 5400 Dollar beisteuern durften, die Foto-Gelegenheit aber 50.000 Dollar kostete, habe Yang mindestens neun Menschen aus ihrem Umfeld dazu gebracht, Geld an Trump zu spenden - jeweils genau 5400 Dollar. Unter den Spendern seien ihr Ehemann und ihre Mutter gewesen, aber auch mehrere Frauen, die in Geschäften von Yangs Familie arbeiteten.

Auf Yangs - mittlerweile nicht mehr zu erreichenden - Facebook-Seite, so der "Miami Herald", habe es nicht nur das Foto mit Trump gegeben, sondern auch Bilder mit anderen Menschen aus dem Umfeld des Präsidenten, seinen Söhnen Eric und Donald Jr. zum Beispiel, aber auch Ron DeSantis, dem republikanischen Gouverneur Floridas, dem republikanischen Senator, Ex-Gouverneur Rick Scott oder Sarah Palin, der früheren republikanischen Gouverneurin von Alaska. Ein Selfie von Yang und Trump gibt es auch von einer Superbowl-Party vom 3. Februar dieses Jahres.

"VIP Aktivitäten in Mar-a-Lago"

Das ist pikant, weil Yang laut "New York Times" auch Gründerin des Unternehmens "GY US Investments" ist, das Chinesen Zugang zu US-Politikern verkauft haben soll. Das Angebot habe Besuche im Weißen Haus und "VIP Aktivitäten in Mar-a-Lago" umfasst. Die Zeitung führt das Beispiel der Schauspielerin Sun Ye aus Peking an, die auf einer US-Reise unter anderem Trumps Neujahrsparty in Mar-a-Lago besucht habe. Allerdings sei der Präsident wegen des Shutdowns dort kurzfristig nicht erschienen, für ein Bild habe nur Sohn Donald Jr. zur Verfügung gestanden.

Yang bemüht sich allerdings nicht nur um gute Verbindungen in ihrer neuen Heimat, auch an funktionierenden Beziehungen zum chinesischen Staat scheint ihr laut dem Magazin "Mother Jones" gelegen. So unterstütze sie eine Organisation, die sich im Sinne Pekings für eine Rückkehr Taiwans in den chinesischen Staatsverband einsetze sowie die Chinese Association of Science and Technology. Solche Gruppen seien unter der Kontrolle des chinesischen Staates und dienten dazu, dessen Interessen im Westen durchzusetzen.

Yangs Anwalt Evan W. Turk beklagt unterdessen die negative Presse für seine Mandantin, deren Name, Reputation und Ehre dadurch zerstört worden sei. "Cindy Yang scheint als Unterstützerin unseres Präsidenten ein weiteres Opfer geworden zu sein."

chs

insgesamt 4 Beiträge
bigroyaleddi 17.03.2019
1. Es kostet also 50.000 $
wenn ich ein Foto mit Donald haben möchte. Mir wäre ein Foto von mir OHNE Donald eigentlich noch einiges mehr wert. Allerdings scheint mir der ganze Vorfall sowas von unbedeutend, wenn ich mir die anderen Summen so reinziehe, [...]
wenn ich ein Foto mit Donald haben möchte. Mir wäre ein Foto von mir OHNE Donald eigentlich noch einiges mehr wert. Allerdings scheint mir der ganze Vorfall sowas von unbedeutend, wenn ich mir die anderen Summen so reinziehe, von denen hier immer die Rede ist (bzgl. amerk. Wahlkampf). Und diese 50.000 hat sie sogar noch durch weitere Spendengeber erwirtschaften müssen - na, ich weiß jetzt wirklich nicht, was ich davon halten soll. Der Vorwurf der Prostitutionsunterstützung ist da schon wesentlich heftiger. Aber da hat der Donald ja Erfahrung mit, das wirft den keinen Meter zurück. Bedauerlich ist da eigentlich immer nur die Masse seiner Anhänger. Denen kann man erzählen was man will, Donny ist immer der Größte.
altais 17.03.2019
2.
Nene, die anderen Beiträge haben nicht andere gespendet. Es steht der Verdacht im Raum, sie habe die geforderte "Sonderabgabe für ein Trump-Foto" auf Personen in ihrem Umfeld aufgeteilt, weil die Höchstsumme für [...]
Zitat von bigroyaleddiwenn ich ein Foto mit Donald haben möchte. Mir wäre ein Foto von mir OHNE Donald eigentlich noch einiges mehr wert. Allerdings scheint mir der ganze Vorfall sowas von unbedeutend, wenn ich mir die anderen Summen so reinziehe, von denen hier immer die Rede ist (bzgl. amerk. Wahlkampf). Und diese 50.000 hat sie sogar noch durch weitere Spendengeber erwirtschaften müssen - na, ich weiß jetzt wirklich nicht, was ich davon halten soll. Der Vorwurf der Prostitutionsunterstützung ist da schon wesentlich heftiger. Aber da hat der Donald ja Erfahrung mit, das wirft den keinen Meter zurück. Bedauerlich ist da eigentlich immer nur die Masse seiner Anhänger. Denen kann man erzählen was man will, Donny ist immer der Größte.
Nene, die anderen Beiträge haben nicht andere gespendet. Es steht der Verdacht im Raum, sie habe die geforderte "Sonderabgabe für ein Trump-Foto" auf Personen in ihrem Umfeld aufgeteilt, weil die Höchstsumme für Parteispenden in den USA auf 5.400 $ begrenzt ist.
dr.joe.66 17.03.2019
3. Missing the point...
Ganz ehrlich: Dass DT der ehrliche Umgang mit Spenden und Geld allgemein einen Kehrricht interessiert, dürfte spätestens seit der Auflösung seiner Stiftung allen klar sein, die es wissen wollen. . Hier geht es aber nicht [...]
Zitat von altaisNene, die anderen Beiträge haben nicht andere gespendet. Es steht der Verdacht im Raum, sie habe die geforderte "Sonderabgabe für ein Trump-Foto" auf Personen in ihrem Umfeld aufgeteilt, weil die Höchstsumme für Parteispenden in den USA auf 5.400 $ begrenzt ist.
Ganz ehrlich: Dass DT der ehrliche Umgang mit Spenden und Geld allgemein einen Kehrricht interessiert, dürfte spätestens seit der Auflösung seiner Stiftung allen klar sein, die es wissen wollen. . Hier geht es aber nicht nur um ein paar Tausend Dollar, sondern es geht um Zwangsprostitution im direkten Freundeskreis des US-Präsidenten. Wie tief will die republikanische Partei eigentlich noch fallen, bevor da jemand die Reißleine zieht???
mariomeyer 17.03.2019
4. Yo!
Aus dem Artikel: "Der Zeitungsbericht stellt freilich klar, dass es keine Anklage gegen sie gibt. Auch als die Behörden in Florida kürzlich zehn asiatische Day Spas wegen Verdachts auf Menschenhandel schließen ließen, [...]
Aus dem Artikel: "Der Zeitungsbericht stellt freilich klar, dass es keine Anklage gegen sie gibt. Auch als die Behörden in Florida kürzlich zehn asiatische Day Spas wegen Verdachts auf Menschenhandel schließen ließen, seien keine auf Yang oder ihre Familie registriert gewesen. Beschuldigt wird aber zum Beispiel Hua Zhang, die das "Orchids of Asia" von Yang gekauft hat". Wo ist jetzt das Problem? Auch den Verdacht, dass Frau Yang ihre Trump-Spende gesplittet hat, muss man beweisen können. Viel interessanter finde ich, dass es Zwangsprostitution in Florida gibt, obwohl dort Prostitution insgesamt verboten ist.

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