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Politik

Trumps Idee nach dem Parkland-Massaker

Mehr Sicherheit durch noch mehr Waffen

US-Präsident Donald Trump steht nach dem Schulmassaker in Florida unter Druck. Doch statt die großen Lücken im Waffenrecht zu schließen, denkt er laut über die Bewaffnung von Lehrern nach.

Foto: AP
Von , Washington
Donnerstag, 22.02.2018   12:18 Uhr

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Es sah alles nach einer dieser typischen Donald-Trump-Veranstaltungen aus. Der Präsident empfing im Weißen Haus gut 40 Schüler, Eltern und Lehrer, um mit ihnen über das Massaker an der Douglas High School in Parkland, Florida, zu sprechen. Damit nichts schiefgeht, hatte sich Trump auf einem Spickzettel eine einfühlsame Parole notiert: "Ich verstehe euch."

Erst wurde gebetet. Anschließend nahm Trump mit wohlwollendem Nicken Lobpreisungen entgegen: "Wir danken Ihnen für Ihre herausragende Arbeit", sagte einer der handverlesenen Schüler, offenkundig ein Fan des Präsidenten.

Aber dann gab es auch Kritik. Er, der Präsident, die Politik, alle müssten endlich etwas gegen das Morden unternehmen, lautete die Forderung mehrerer Besucher. "Wie viele Kinder müssen noch erschossen werden?", fragte Andrew Pollack, ein Vater, dessen Tochter in Parkland mit neun Kugeln getötet worden war. Trump hörte stumm zu, am Ende sagte er grimmig: "Ich trauere mit Ihnen. Wir werden für Sie kämpfen."

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Trump trifft Schüler aus Parkland: "Ich verstehe euch"

Die Folgen der Attacke in Florida, bei der vor einer Woche 17 Menschen starben, wird für Donald Trump mehr und mehr zum politischen Problem: Die Bilder von demonstrierenden Jugendlichen, von weinenden Eltern und aufgebrachten Lehrern bestimmen in einer Endlosschleife die großen Nachrichtensendungen in den USA. Das Land steht unter Schock und viele Amerikaner, Trump-Fans wie -Gegner, fragen sich: Was macht eigentlich der Präsident? Was tut er konkret, damit sich so etwas nicht wiederholen kann?

Nachdem er erst wenig Interesse an dem grausamen Massaker in Florida zeigte, präsentiert sich Trump nun in seiner Lieblingsrolle: Er gibt den Macher. Damit es auch jeder mitbekommt, wurde das gesamte Treffen mit Schülern und Eltern im Weißen Haus live im Fernsehen übertragen, das Weiße Haus veröffentlichte ein Video des Treffens auf YouTube. Weitere Zusammenkünfte dieser Art sind in Planung. Auch mit den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten will Trump bald sprechen.

Foto: REUTERS

Wer jedoch glaubt, dass Trump nun eine ernsthafte Verschärfung der Waffengesetze anstrebt, dürfte enttäuscht werden. Zwar hat Trump einige vage Ankündigungen in diese Richtung gemacht. Wirklich große Veränderungen plant er aber - zumindest bislang - nicht. Eher könnte das Gegenteil eintreten: Trump glaubt offenbar daran, mehr Sicherheit an den Schulen durch noch mehr Waffen schaffen zu können.

Die Trump-Ideen

So klingen einige der ersten Ideen Trumps zur Lösung der Krise ganz so, als kämen sie direkt aus dem Programmheft der "National Rifle Association" (NRA), dem Verband der Waffenfreunde:

Trumps Ziel ist klar: Er will der Nation Entschlossenheit demonstrieren, ohne gleichzeitig seine Fans von der Republikaner-Basis zu verprellen. Viele Trump-Wähler in Staaten wie Alabama, Texas oder auch Florida halten grundsätzlich nichts von allzu scharfen Waffengesetzen, auch jetzt nicht, nach dem Massaker in Florida. Sie setzen wie Trump auf mehr Sicherheit durch mehr Waffen.

Auch die NRA will Trump offensichtlich bei Laune halten: Seinen letzten Wahlkampf unterstützte die Waffenlobby mit 30 Millionen Dollar.

Foto: Scott Pappalardo

Viele oppositionelle Demokraten und die Anti-Waffen-Aktivisten kritisieren Trumps Ankündigungen dagegen scharf. "Die Idee, Lehrer zu bewaffnen, ist einfach nur abscheulich", sagt der demokratische Senator Richard Blumenthal. Für den 24. März planen die Waffen-Gegner nun einen großen Marsch auf Washington, um für schärfere Gesetze zu werben. Auch die Schüler aus Florida wollen dann dabei sein.

Das Thema wird Trump nicht so schnell wieder los.


Zusammengefasst: Nach dem Schulmassaker in Florida mit 17 Toten steht US-Präsident Donald Trump unter Druck, die Forderungen nach einer Verschärfung der Waffengesetze werden lauter. Bei einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer von Parkland hat Trump nun erste Ideen vorgestellt: Er sinnierte über die Bewaffnung von Lehrern, die Verschärfung der "Background Checks" und das Anheben der Altersgrenze für Waffenkäufe. Sein Ziel ist klar: Er will der Nation Entschlossenheit demonstrieren, ohne gleichzeitig seine Wähler sowie die Waffenlobby NRA zu verprellen.

insgesamt 272 Beiträge
RalfHenrichs 22.02.2018
1. Im Gegensatz zu Obama könnte das funktionieren
Man erinnere sich an die Abstimmung im Parlament in Florida und vor allem die Mehrheit dabei. So ist die Stimmung in den USA. Obama wollte den Waffenbesitz einschränken und ist auf ganzer Linie gescheitert. Das was Trump vorhat, [...]
Man erinnere sich an die Abstimmung im Parlament in Florida und vor allem die Mehrheit dabei. So ist die Stimmung in den USA. Obama wollte den Waffenbesitz einschränken und ist auf ganzer Linie gescheitert. Das was Trump vorhat, könnte zumindest durchgehen. Natürlich wäre Bewaffnung von Lehrern schwachsinnig, aber so sind die USA.
MitutaKopfweh 22.02.2018
2.
Der Mann ist ein Genie. Gebt einfach jedem eine Waffe, dann wird auch kein Präsident nach ihm mehr "Fans" bei der Inauguration aufweisen können - brillant wirklich...
Der Mann ist ein Genie. Gebt einfach jedem eine Waffe, dann wird auch kein Präsident nach ihm mehr "Fans" bei der Inauguration aufweisen können - brillant wirklich...
dereuropaeer 22.02.2018
3.
Mehr Waffen gegen Waffen. Solche Vorschläge sagen alles über den Geisteszustand von Trump.
Mehr Waffen gegen Waffen. Solche Vorschläge sagen alles über den Geisteszustand von Trump.
jakker 22.02.2018
4. Aha, noch mehr Waffen!?
Auf den Gedanken, dass sich der Artikel in der Verfassung, der das Recht auf Waffenbesitz fest schreibt, längst überholt ist, kommt in Washington Keiner!? Die USA wollen ein moderner Industrie-Staat sein und verhalten sich immer [...]
Auf den Gedanken, dass sich der Artikel in der Verfassung, der das Recht auf Waffenbesitz fest schreibt, längst überholt ist, kommt in Washington Keiner!? Die USA wollen ein moderner Industrie-Staat sein und verhalten sich immer noch so, als wäre der "Wilde Westen" noch nicht erschlossen und überall lauern dunkle Gestalten, die einem ans Leder wollen.... Durch seinen unerträglichen Regierungsstil verschlechtert er den gesellschaftlichen Konsens derart, dass man eher von einer deutliche Zunahme solcher Gewaltdelikte ausgehen muss. Als Jugendlicher war ich mal zu Besuch in den USA, als Erwachsener ist dieses Land heute für mich definitiv kein Urlaubsziel und ich weis von Manchen, die geschäftlich in die USA müssen, das sehr ungern tun.
habenix 22.02.2018
5.
Donald Trump hat völlig Recht, wer die Freiheit für die Sicherheit aufgibt wird am Ende beides verlieren.
Donald Trump hat völlig Recht, wer die Freiheit für die Sicherheit aufgibt wird am Ende beides verlieren.

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