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Politik

Interview für US-Fernsehsender

Ex-FBI-Chef nennt Trump "moralisch ungeeignet" fürs Präsidentenamt

Attacke zur besten Sendezeit: Ex-FBI-Chef Comey hat US-Präsident Trump in einem Interview mit dem US-Sender ABC aufs Schärfste kritisiert: Eine Person, die ständig lüge, sei moralisch ungeeignet für das Amt.

Foto: AP
Montag, 16.04.2018   10:04 Uhr

Ex-FBI-Chef James Comey hält US-Präsident Donald Trump für "moralisch ungeeignet", das Präsidentenamt auszuüben. "Ich glaube nicht an diese Geschichten, wonach er mental inkompetent oder in einer frühen Phase der Demenz ist", sagte Comey in einem Interview mit dem US-Sender ABC am Sonntag: "Er scheint mir eine Person von überdurchschnittlicher Intelligenz zu sein, die Gespräche verfolgt und weiß, was vor sich geht", sagte der 57-Jährige. "Ich denke nicht, dass er aus medizinischer Sicht ungeeignet ist, ich denke, dass er moralisch ungeeignet ist, Präsident zu sein", sagte Comey laut einer Mitschrift des ABC-Interviews.

"Unser Präsident muss Respekt verkörpern und für die Werte stehen, die unser Land ausmachen. Das Wichtigste ist die Wahrheit", sagte Comey weiter. "Dieser Präsident ist nicht in der Lage, das zu tun."

Foto: AP

Trump hatte Comey im Mai 2017 gefeuert und das später mit den Russland-Ermittlungen des FBI in Zusammenhang gebracht. Beide überziehen sich bereits seit mehreren Tagen gegenseitig mit Schmähungen. Der US-Präsident hatte erst am Sonntagmorgen in mehreren Twitternachrichten gegen den ehemaligen FBI-Chef ausgeteilt und ihn einen schleimigen Typen genannt. Es sei ihm "eine Ehre gewesen, Comey zu feuern", schrieb Trump:

Comey wurde von ABC-Moderator George Stephanopoulos gefragt, ob er glaube, dass Russland etwas gegen Trump in der Hand habe. Er antwortete, dass er dies für möglich halte, und räumte wenig später ein, dass dies eine bemerkenswerte Aussage sei. Er könne aber nicht ausschließen, dass Russland kein kompromittierendes Material habe. "Es ist überwältigend, und ich wünschte, ich würde es nicht sagen, aber es ist die Wahrheit", erklärte er. "Ich habe es immer für unwahrscheinlich gehalten, und ich halte es immer noch für unwahrscheinlich, und ich wäre bei jedem anderen Präsidenten, mit dem ich zu tun hatte, in der Lage gewesen, es mit fester Überzeugung zu sagen, aber ich kann es nicht. Es ist möglich."

Hat Trump die Justiz behindert? Auch das ist möglich, sagt Comey

In dem Interview ging es um ein wichtiges Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Donald Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt würden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.

Auch Ex-FBI-Chef James Comey hält es für möglich, dass Donald Trump die Justiz behindert haben könnte. Es gebe sicherlich Beweise dafür, antwortete Comey auf eine entsprechende Frage des Interviewers George Stephanopoulos. Er verwies aber darauf, dass er in dem Fall nicht der Ermittler oder Staatsanwalt sei, sondern nur ein Zeuge.

AP

US-Ausgabe des Comey-Buchs "A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership"

Derzeit sorgt Comey mit seinem Buch "Größer als das Amt: Auf der Suche nach Wahrheit - der Ex-FBI-Direktor klagt an" für Schlagzeilen. (Die wichtigsten Aussagen des Buchs finden Sie hier, eine Analyse des eskalierenden Streits zwischen Trump und Comey lesen Sie hier.) Darin schildert er den Präsidenten als Mann ohne moralischen Kompass, als notorischen Lügner, der das Land im Stil eines Mafiabosses führt. Comey schreibt: "Der Boss hat absolute Kontrolle. Die Treueschwüre. Die Wir-gegen-sie-Weltsicht. Das Lügen über alle Dinge, groß und klein, im Dienst eines Loyalitätskodexes, der die Organisation über die Moral und die Wahrheit stellt. Trump lebe in einem "Kokon einer alternativen Realität", in den er die Menschen in seinem Umfeld hineinziehen wolle.

Das Buch erscheint am Dienstag.

oka/AFP/dpa

insgesamt 70 Beiträge
eunegin 16.04.2018
1. moralisch ungeeignet - und was ist neu?
Das hat Trump ja schon bewiesen. Obwohl ich als Deutschamerikaner eng mit den USA verbunden bin, wundert mich, wieviel die christliche (evangelikale) Rechte und Normalrepublikaner diesem Präsidenten durchgehen lässt, wo sonst [...]
Das hat Trump ja schon bewiesen. Obwohl ich als Deutschamerikaner eng mit den USA verbunden bin, wundert mich, wieviel die christliche (evangelikale) Rechte und Normalrepublikaner diesem Präsidenten durchgehen lässt, wo sonst ALLES auf die moralische Goldwaage gelegt wird.
john_doo 16.04.2018
2. Er ist ein Spieler, ...
... der der Gemeinschaft sein Spiel aufzwingen will und sich einen Dreck um die Regeln schert. Ein typischer Cowboy/Schurke wie man ihn aus so manchem Italowestern kennt. Die Hand schnell am Abzug, bereit für Drohungen und [...]
... der der Gemeinschaft sein Spiel aufzwingen will und sich einen Dreck um die Regeln schert. Ein typischer Cowboy/Schurke wie man ihn aus so manchem Italowestern kennt. Die Hand schnell am Abzug, bereit für Drohungen und (Un)taten aller Art.
RalfHenrichs 16.04.2018
3. Legt man dies Kriterium zu Grunde
kenne ich keinen Staatschef, der moralisch geeignet für dieses Amt wäre. Auch keinen US-Präsidenten zumindest nicht so weit ich dies beobachte (also seit Reagan). Stimmt dann sicherlich auch für Trump, nur ist dieser Maßstab [...]
kenne ich keinen Staatschef, der moralisch geeignet für dieses Amt wäre. Auch keinen US-Präsidenten zumindest nicht so weit ich dies beobachte (also seit Reagan). Stimmt dann sicherlich auch für Trump, nur ist dieser Maßstab schlicht schwachsinnig. Zu fragen wäre: macht er gute oder schlechte Politik und nicht ob er moralisch integer ist. Wäre er es, wäre er nicht zu diesem Amt gekommen. Das hat Sanders ja bewiesen, der moralisch integer ist und von einer amoralischen Person und Partei weg geschoben worden ist.
stedaros 16.04.2018
4. nicht neu
diese Erkenntnisse sind nicht neu, man muss sie also nicht gebehhtsmühlenhaft wiederholen. Die Amerikaner haben ihn gewählt und wussten, dass er so ist. Also lieber Spon, nehmt den Spruch "gib mir die Gelassenheit Dinge [...]
diese Erkenntnisse sind nicht neu, man muss sie also nicht gebehhtsmühlenhaft wiederholen. Die Amerikaner haben ihn gewählt und wussten, dass er so ist. Also lieber Spon, nehmt den Spruch "gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann" und beschäftigt Euch mit deutschen Themen. Davon werden Hunderte totgeschwiegen.
ansv 16.04.2018
5. Zum Glück
Wenn wir den Trump nicht hätten, müssten wir uns mit unseren eigenen Peinlichkeiten befassen. Dann wären uns Seehofer und Söder vielleicht peinlich - im Vergleich sind sie ja akzeptabel. Notorische Lügner sind ungeeignet? [...]
Wenn wir den Trump nicht hätten, müssten wir uns mit unseren eigenen Peinlichkeiten befassen. Dann wären uns Seehofer und Söder vielleicht peinlich - im Vergleich sind sie ja akzeptabel. Notorische Lügner sind ungeeignet? Das zitieren wir gerne, vergessen dabei aber unseren Herrn DeMaiziere, der sich mehrfach beim Argumentieren mit selbst ausgedachten Zahlen hat erwischen lassen. Und das ist grade nur das mir präsenteste Beispiel.

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