Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Cyberangriffe

EU und Nato proben den Fake-News-Ernstfall

Was tun, wenn mehrere EU-Staaten mit Cyberangriffen und Falschmeldungen attackiert werden? Der Westen will sich auf diese Gefahren einstellen - und übt in den kommenden Wochen unterschiedliche Szenarien.

imago/ Ikon Images

Collage

Von und
Dienstag, 05.09.2017   20:39 Uhr

Die Europäische Union und die Nato wollen mit mehreren Übungen ihre Reaktionsfähigkeit auf Angriffe proben, die Cyberattacken und Fake-News-Kampagnen beinhalten - und die politischen Entscheidungsträger für diese neuartigen Bedrohungen sensibilisieren. Das geht aus der Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Am Donnerstag soll demnach ein Planspiel in Estland stattfinden, an dem auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihre EU-Amtskollegen teilnehmen. Bei der Übung "EU CYBRID 2017" werden multiple Cyberattacken auf ein EU-Hauptquartier simuliert.

Darauf baut eine weitere Übung namens "EU PACE 17" auf, die in zwei Etappen im September und Oktober stattfinden soll und die mit einer Nato-Übung zeitlich überlappt. Der Fokus der EU-Übung liege "auf Krisenmanagement und Reaktionsfähigkeit in einer Umgebung hybrider Bedrohungen", heißt es in der Antwort des Verteidigungsministeriums. "Die Übungsszenarien umfassen auch Cyberangriffe und Fake News."

Die Übungen verdeutlichen, wie sich EU und Nato immer stärker auf sogenannte hybride Angriffe einzustellen versuchen. Darunter versteht man eine Art der Kriegführung, die auch Hackerangriffe, gezielte Desinformation, Hackerangriffe oder etwa den Einsatz von Kämpfern ohne Hoheitszeichen umfasst. Der Westen wirft Russland vor, solche Taktiken im Ukraine-Konflikt eingesetzt zu haben.

Cyber-Angriff auf mehrere EU-Staaten wird simuliert

Bei der anstehenden Übung EU PACE 17 lautet das Szenario laut Bundesverteidigungsministerium, dass mehrere EU-Mitglieder mittels Hackerattacken angegriffen werden. "Gleichzeitig kommt es zu erhöhtem und gesteuertem Falschmeldungsaufkommen."

Solche gesteuerten Desinformationskampagnen sehen westliche Behörden als große Gefahr auch in politischen Auseinandersetzungen oder Wahlkämpfen. Die Bundeswehr wurde bereits Ziel einer Fake-News-Kampagne, die sich gegen die Präsenz der Truppe im Baltikum richtete.

Zu den weiteren Bedrohungszenarien gehören eine globalisierungskritische Gruppe, die stark in sozialen Netzwerken vertreten ist und militante Aktionen plant - und finanziell von Ländern außerhalb der EU unterstützt wird. Zudem sollen der Kampf gegen Menschenschmuggler sowie terroristische religiöse Sekten geübt werden, die ein weltweites Kalifat errichten wollen. Auch Hackergruppierungen mit dem Namen APT sollen vorkommen - eine Anspielung auf die Angriffsmethoden APT28 und APT29, die laut westlichen Sicherheitsbehörden in Verbindung mit russischen Geheimdiensten stehen.

"Retourkutsche auf die Proteste beim G20-Gipfel"

Der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko kritisiert die Auswahl dieser Bedrohungsszenarien. "Mit den drei Übungen beanspruchen EU und Nato die Vorherrschaft im Cyberspace. Sie richten sich vor allem gegen Russland", so der Parlamentarier, der immer wieder dem Westen die Schuld an der Konfrontation mit Russland gibt. Bei dem Gefahrenszenario eines globalisierungskritischen Netzwerks, gehe es um eine "Dämonisierung einer ganzen Bewegung". Seiner Ansicht nach handle es sich "vermutlich um eine Retourkutsche auf die Proteste beim G20-Gipfel in Hamburg".

Die Auseinandersetzung mit hybriden Angriffen wird jedenfalls wichtiger. Zuletzt übte die Nato bei ihrer Cyber-Abwehr-Übung "Locked Shields 2017" die Reaktion auf einen digitalen Angriff auf einen Militärflughafen. Dabei kam es auch zu Szenarien wie der Verbreitung von Falschmeldungen, Datendiebstahl von Benutzernamen und Passwörtern, Übernahme der Steuerung von militärischen Drohnen bis hin zum Ausschalten der Energieversorgung eines Militärflughafens. "Die realitätsnahe Übungsannahme war, dass die Angreifer bereits Wochen zuvor die Systeme durch verschiedene Angriffe, wie z.B. Phishing-Mails, Innentäter oder Ausnutzung technischer Schwachstellen, mit Schadsoftware infiziert hatten", so das Verteidigungsministerium. Es sei auch um die Frage gegangen, welche Abwehrmaßnahmen rechtlich überhaupt zulässig seien.

In Helsinki wird zudem ein Zentrum gegen hybride Bedrohungen eröffnet, das laut Verteidigungsministerium "als multinationale Forschungseinrichtung zur strategischen Analyse hybrider Bedrohungen" arbeiten soll. Es wird von Finnland zusammen mit Frankreich, Deutschland, Lettland, Litauen, Polen, Schweden, Großbritannien, Estland, Spanien sowie den USA und Norwegen aufgebaut. Laut der finnischen Nato-Vertretung wird die Einrichtung am Mittwoch eröffnet.

insgesamt 18 Beiträge
hugahuga 05.09.2017
1.
Gut und wichtig, dass zu diesem Thema ein Forum aufgemacht wurde. Allerdings würde ich mir dieses vordringlich für das darüber stehende Thema gewünscht haben: "Epedemie im Jemen" - "Zahl der Cholera-Kranken [...]
Gut und wichtig, dass zu diesem Thema ein Forum aufgemacht wurde. Allerdings würde ich mir dieses vordringlich für das darüber stehende Thema gewünscht haben: "Epedemie im Jemen" - "Zahl der Cholera-Kranken steigt auf über 600.000. Ich vermisse überhaupt Berichte über das Elend der jemenitischen Bevölkerung. Weshalb wird da immer weggesehen?
hugahuga 05.09.2017
2.
Also den Südkoreanern wird eingeredet, dass sie direkt von Nordkorea bedroht werden. Deshalb verkauft ihnen das US Regime Waffen. Uns hier versucht man einzureden, dass wir von Russland bedroht werden - welche Waffen möchte man [...]
Also den Südkoreanern wird eingeredet, dass sie direkt von Nordkorea bedroht werden. Deshalb verkauft ihnen das US Regime Waffen. Uns hier versucht man einzureden, dass wir von Russland bedroht werden - welche Waffen möchte man uns denn nun gerne verkaufen? Dass man jetzt - so ganz nebenher - versucht, Leute die gegen die Globalisierung (bittee mit Amerikanisierung übersetzen) sind, als Kriminelle zu bezeichnen, zeigt, dass man befürchtet, dass das geplante Konzept nicht aufzugehen scheint.
guenni 05.09.2017
3. Fake-News-Hysterie
Ich frage mich, ob die Verantwortlichen nicht viel mehr Angst vor den Real-News haben. Fake-News werden doch heutzutage immer sehr schnell aufgedeckt und dazu genutzt um die Glaubwürdigkeit von Russland zu untergraben. Man mag [...]
Ich frage mich, ob die Verantwortlichen nicht viel mehr Angst vor den Real-News haben. Fake-News werden doch heutzutage immer sehr schnell aufgedeckt und dazu genutzt um die Glaubwürdigkeit von Russland zu untergraben. Man mag ja von Put halten was man will, aber dass er in Zukunft Fake-News mit russischem Absender in die Welt setzt halte ich für ausgesprochen unwahrscheinlich. Aber die Informationen aus geleakten Emails oder Telefonaten (Clinton Emails, Nulands Aussagen etc.) oder auch Informationen, die von hochrangigen Politikern und Militärs (Wesley Clark, Willy Wimmer, Robert Kennedy jr etc) in die Welt gesetzt werden sind eine viel größere Gefahr für die Ziele der westlichen Geopolitik. Ich könnte mir vorstellen, dass es kurz über lang den alternativen Nachrichtenseiten wie KenFM, RT, oder auch Nachdenkseiten an den Kragen geht.
pavel1100 05.09.2017
4. @hugahuga
Also den armen Südkoreanern wird eine Bedrohung nur eingeredet? Dann sind die ständigen Hasstiraden und Drohungen des Dicken also reine Erfindung? Der Brudermörder als Friedensfürst? Im Ernst?
Also den armen Südkoreanern wird eine Bedrohung nur eingeredet? Dann sind die ständigen Hasstiraden und Drohungen des Dicken also reine Erfindung? Der Brudermörder als Friedensfürst? Im Ernst?
zeichenkette 05.09.2017
5.
Wenn Leute wie Sie wenigstens so konsequent wären, so etwas nur mit einem Computer oder sonstigen Gerät aus rein deutscher Herstellung zu schreiben, dann wäre schon viel gewonnen.
Zitat von hugahugaAlso den Südkoreanern wird eingeredet, dass sie direkt von Nordkorea bedroht werden. Deshalb verkauft ihnen das US Regime Waffen. Uns hier versucht man einzureden, dass wir von Russland bedroht werden - welche Waffen möchte man uns denn nun gerne verkaufen? Dass man jetzt - so ganz nebenher - versucht, Leute die gegen die Globalisierung (bittee mit Amerikanisierung übersetzen) sind, als Kriminelle zu bezeichnen, zeigt, dass man befürchtet, dass das geplante Konzept nicht aufzugehen scheint.
Wenn Leute wie Sie wenigstens so konsequent wären, so etwas nur mit einem Computer oder sonstigen Gerät aus rein deutscher Herstellung zu schreiben, dann wäre schon viel gewonnen.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP