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Politik

Bei Wahlkampfveranstaltung

US-Präsident macht sich über Kavanaugh-Anklägerin lustig

Christine Blasey Ford wirft Trumps Supreme-Court-Kandidat versuchte Vergewaltigung vor, das FBI ermittelt. Der US-Präsident äffte die Professorin nun bei einem Wahlkampfauftritt nach - ein radikaler Strategiewechsel.

Foto: AP
Mittwoch, 03.10.2018   12:26 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat sich öffentlich über die Frau lustig gemacht, die seinem umstrittenen Richterkandidaten Brett Kavanaugh versuchte Vergewaltigung vorwirft. Bei einem Wahlkampfauftritt in Southaven im Bundesstaat Mississippi machte Trump am Dienstag Witze darüber, dass die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford sich nicht an alle Details der fraglichen Nacht erinnern kann.

"Ich habe ein Bier getrunken, richtig?", sagte Trump und machte dabei offenbar Blasey Ford während ihrer Anhörung vor dem Senat nach. "Wie sind Sie nach Hause gekommen? Ich erinnere mich nicht. Wie sind Sie dorthin gekommen? Ich erinnere mich nicht. Wo war der Ort? Ich erinnere mich nicht. Wie viele Jahre ist es her? Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ich weiß nicht, ich weiß nicht."

Trump fuhr vor seinen jubelnden Anhängern mit diesem nachgestellten Frage-und-Antwort-Spiel fort und sagte dann: "Aber ich habe ein Bier getrunken. Das ist das einzige, woran ich mich erinnere. Und das Leben eines Mannes ist ruiniert. Das Leben eines Mannes ist zerstört."

Die Frontalattacke des US-Präsidenten auf Blasey Ford ist ein radikaler Strategiewechsel - bislang hatte Trump sich sehr zurückgehalten und sie nach ihrer Anhörung im Senat sogar als "sehr glaubwürdige Zeugin" bezeichnet.

Blasey Ford wirft Kavanaugh vor, im Sommer 1982 am Rande einer Party versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Trumps Kandidat für den Supreme Court weist die Vorwürfe entschieden zurück. Zwei weitere Frauen werfen Kavanaugh ebenfalls sexuelle Übergriffe vor.

Video von Blasey Fords Aussage: "Er drückte mir mit der Hand auf den Mund"

Foto: AFP

Ermittler der US-Bundespolizei FBI untersuchen derzeit die Vorwürfe. Der Bericht soll nach dem Willen von Trump bis spätestens Freitag vorliegen. Trump hofft nach eigenen Worten, dass der Senat Kavanaugh noch in dieser Woche bestätigt. Die Entscheidung werde aber vom Ausgang der FBI-Ermittlungen abhängen.

Trump: "Frauen geht es sehr gut"

Nach heftiger Kritik am Umfang der Untersuchungen beteuerte Trump am Montag, die Ermittler hätten völlig freie Hand. "Ich denke, das FBI sollte tun, was es tun muss, um an die Antworten zu kommen", sagte Trump. Allerdings sollten die Befragungen in einem "angemessenen Rahmen" bleiben. "Wir wollen keine Hexenjagd machen." Das Weiße Haus folge den Wünschen des US-Senats. "Die eine Sache, die ich will, ist Schnelligkeit."

Am Dienstag sagte Trump laut Medienberichten im Weißen Haus, es sei eine beängstigende Zeit für junge Männer in Amerika, "wenn du für etwas schuldig bist, was du vielleicht nicht getan hast". "Man kann angeklagt werden, bevor man seine Unschuld bewiesen hat." Auf die Frage nach einer Botschaft an junge Frauen, sagte der Präsident: "Frauen geht es sehr gut."

aar/AFP/dpa

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