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Politik

Verschwundener Journalist Khashoggi

Trump droht Saudi-Arabien mit Konsequenzen

Im Fall um den verschwundenen Journalisten Khashoggi hat US-Präsident Trump "ernsthafte Konsequenzen" für Saudi-Arabien angedroht. Einen Stopp der Waffenlieferungen lehnte er allerdings ab.

AP
Samstag, 13.10.2018   16:33 Uhr

Wurde der Journalist Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat von Istanbul ermordet? Immer mehr Indizien scheinen dafür zu sprechen. Auch US-Präsident Donald Trump hält das offenbar für möglich. In einem Interview hat er Saudi-Arabien nun mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, sofern die Anschuldigungen sich bestätigen ließen.

In dem Fall stehe viel auf dem Spiel, sagte Trump dem Fernsehsender CBS. Dies gelte vielleicht besonders, weil Khashoggi Journalist sei. "Wir werden der Sache auf den Grund gehen und es wird eine harte Bestrafung geben", sagte Trump in der Aufzeichnung des Interviews, das am Sonntag ausgestrahlt werden sollte. Auf die Frage, ob der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Tötung des Journalisten angeordnet habe, antwortete Trump: "Bislang weiß das niemand, aber wir werden es sicher herausfinden. Wir wären sehr wütend und ungehalten, wenn das der Fall wäre."

Einen Stopp der US-Waffenlieferungen an Saudi-Arabien unter Verweis auf die Arbeitsplätze in der amerikanischen Rüstungsindustrie lehnte Trump unterdessen erneut ab. Der US-Präsident pflegt ein wesentlich engeres Verhältnis zum saudi-arabischen Königshaus als seine Vorgänger, während er seriöse Medien im eigenen Land immer wieder als "Fake News" geißelt.

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Der regierungskritische Journalist Khashoggi hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seither wird der Journalist vermisst. Türkische Regierungs- und Geheimdienstkreise streuen seit Tagen die These, dass der Journalist im Konsulat ermordet wurde.

Apple-Uhr soll Ermordung aufgezeichnet haben

Zuletzt veröffentlichte die türkische Zeitung "Sabah" einen Bericht, wonach Audiodateien von der Apple-Uhr des Journalisten existieren, die darauf hindeuteten, dass er gefoltert und ermordet wurde. "Der Zeitraum, in dem Khashoggi verhört, gefoltert und ermordet wurde, wurde von der Apple-Watch aufgenommen", berichtete die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Khashoggis Uhr habe die Daten auf sein iPhone überspielt, das seine Verlobte beim Warten vor dem Konsulat in Istanbul bei sich gehabt habe.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte Saudi-Arabien auf, die Ermittlungen in dem Fall zu unterstützen. Er forderte auch, dass türkischen Offiziellen der Zugang zum Konsulat in Istanbul gewährt werde.

Der 59-Jährige Khashoggi ist als Journalist weltweit geachtet und hat für verschiedene saudi-arabische und internationale Medien geschrieben, unter anderem für den SPIEGEL. Zu Beginn seiner Karriere sympathisierte er mit Islamisten, später wandte er sich liberalen Ideen zu und kritisierte die strikte Lesart des Islam durch die Salafisten, was ihn in Konflikt mit dem religiösen Establishment brachte.

Sein Verhältnis zum saudischen Königshaus ist kompliziert: Zwar diente er zwischenzeitlich dem Prinzen Turki al-Faisal als Berater. In seinen Artikeln prangerte er jedoch die Politik von Kronprinz Mohammed bin Salman an, darunter die Militärintervention im Jemen sowie die Blockade gegen das Golfemirat Katar.

Das saudische Königshaus weist die Spekulationen über eine Beteiligung an einer Mordverschwörung zurück. Allerdings wächst international die Kritik am Vorgehen des Landes. Zuletzt kündigten zahlreiche westliche Konzerne und Medienvertreter an, einen Wirtschaftsgipfel im Oktober, Prestige-Event von Kronprinz bin Salman,boykottieren zu wollen.

asc/Reuters/AP/dpa

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