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Politik

Infografik der Woche

So funktioniert das EU-Türkei-Abkommen

Erste Zahlen scheinen eine Entspannung in der Flüchtlingskrise auf den griechischen Inseln zu zeigen. Doch auf Dauer kann der Deal zwischen EU und Türkei so nicht funktionieren.

Samstag, 16.04.2016   18:42 Uhr
Statista, SPIEGEL ONLINE

Seit rund dreieinhalb Wochen ist das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei in Kraft. Tatsächlich scheint ein Teil des Plans schon aufzugehen. Das zeigt die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE.

Ungefähr 6500 Flüchtlinge sind laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR seit dem 20. März auf die griechischen Inseln gekommen. Das klingt zunächst viel. Doch im Vergleich zu den Vormonaten stehen die Zahlen für einen deutlichen Rückgang.

Seit das Abkommen in Kraft getreten ist, lag die durchschnittliche Zahl ankommender Flüchtlinge pro Tag je nach Woche zwischen 374 und 110. Zuletzt waren es in einer Woche weniger als 770 - laut UNHCR das niedrigste Flüchtlingsaufkommen seit Beginn seiner Zählungen. Das ist bemerkenswert, denn selbst im Dezember kamen zeitweise 3500 Personen pro Tag. Außerdem hat auf den griechischen Inseln der Frühling begonnen, die Wetterbedingungen für Fluchtversuche per Schlauchboot werden also noch besser.

Wie genau soll der Deal funktionieren?

Doch hier beginnen die Probleme des Deals: Bisher läuft der Prozess sehr schleppend an. Nur an zwei Tagen wurden Flüchtlinge zurück in die Türkei gebracht - es waren laut dem griechischen Stab für die Flüchtlingskrise insgesamt 326 Menschen, die meisten von ihnen Pakistaner. Werden weiterhin so wenige Flüchtlinge in die Türkei zurückgebracht wie bisher, werden trotz des starken Rückgangs der Flüchtlingszahlen jede Woche mehr neue Menschen ankommen als zurückgebracht werden.

Und auch der nächste Teil des Abkommens läuft nicht rund: Im Gegenzug für zurückgeschickte syrische Flüchtlinge hat sich die EU verpflichtet, Syrer aus der Türkei direkt aufzunehmen. Wie diese Rechnung mittelfristig aufgehen soll, ist unklar. Bisher wurden erst 79 syrische Flüchtlinge in die EU gebracht: 37 von ihnen nach Deutschland, 31 in die Niederlande, elf nach Finnland.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob das Abkommen die erhoffte Wirkung tatsächlich erzielen wird. Derzeit warten mehr als 6000 Flüchtlinge, die seit dem 20. März gekommen sind, auf den griechischen Inseln. Die meisten von ihnen haben einen Asylantrag gestellt. Solange dieser Antrag nicht geprüft ist, dürfen sie nicht in die Türkei zurückgebracht werden. Griechische Behörden beklagen, sie seien von der Zahl der Anträge überfordert. Und auf dem griechischen Festland harren noch über 53.000 weitere Flüchtlinge aus.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

Kommentar

hch, agr

insgesamt 22 Beiträge
warkeinnickmehrfrei 16.04.2016
1.
Wenn ich mich nicht sehr täusche, stehen dem ganzen Rückführungsplan doch ohnehin 2 wesentliche Faktoren entgegen... Nach griechischem Recht ist die Türkei kein sicheres Drittland und Asylverfahren müssen zwingend auf [...]
Wenn ich mich nicht sehr täusche, stehen dem ganzen Rückführungsplan doch ohnehin 2 wesentliche Faktoren entgegen... Nach griechischem Recht ist die Türkei kein sicheres Drittland und Asylverfahren müssen zwingend auf Griechisch durchgeführt werden. Das wird also nix und sobald die Flüchtlinge das spitzkriegen werden die Zahlen wieder steigen wenn das Wetter besser wird. Ohnehin diente das ganze Abkommen ohnehin nur der Rettung der innenplotischen Rettung der Merkel und sollte ihr mal wieder etwas Zeit kaufen.
philosophus 16.04.2016
2. Bemerkenswert ?!...
Sie schreiben: "Zuletzt waren es in einer Woche weniger als 770 - laut UNHCR das niedrigste Flüchtlingsaufkommen seit Beginn seiner Zählungen. Das ist bemerkenswert, denn selbst im Dezember kamen zeitweise 3500 Personen pro [...]
Sie schreiben: "Zuletzt waren es in einer Woche weniger als 770 - laut UNHCR das niedrigste Flüchtlingsaufkommen seit Beginn seiner Zählungen. Das ist bemerkenswert, denn selbst im Dezember kamen zeitweise 3500 Personen pro Tag." Ich meine: Die Türkei wird den "Zulaufhahn" solange drosseln bis die versprochenen Milliarden ankommen. Danach wird das "Spiel" wieder von vorne anfagen. Bis die nächsten ...Millarden kommen. Die Türkei sitzt nämlich am längeren Hebel und bestimmt so die Regeln, wie es Ihr gerade passt. So "bemerkenswert", scheint mir das also, doch nicht zu sein. Bei soviel Geld, eher vorauszusehen !...
recepcik 16.04.2016
3. Wenn man es genau nimmt
Ist die Türkei auch kein sicheres Herkunftsland. Ein Land mit über 5000 Toten in einem Jahr, ein Land das unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung Panzer gegen seine größte Minderheit einsetzt, ein Land dass in der [...]
Ist die Türkei auch kein sicheres Herkunftsland. Ein Land mit über 5000 Toten in einem Jahr, ein Land das unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung Panzer gegen seine größte Minderheit einsetzt, ein Land dass in der Pressefreiheit auf Platz 149 liegt, ein Land ohne Gewaltenteilung, ein Land mit Staatsterror, ein Land mit Polizeiwillkür, ein Land mit Korruption auf höchster Staatsebene usw ist kein sicheres Herkunftsland. Die EU hat die Türkei zum sicheren Herkunftsland erklärt damit sie die Flüchtlinge leichter zurückgeführt werden und auch Kurden keine Asylanträge stellen können nach dem der türkische Staat ihre Städte niedergebombt hat.
Gunter 16.04.2016
4.
Wenn bisher hauptsächlich Pakistani in die Türkei zurückgebracht wurden, ist es doch kein Wunder, dass nur wenige Syrer nach Deutschland bzw. nach Europa gebracht wurden. Erst wenn Griechenland Syrer in die Türkei [...]
Wenn bisher hauptsächlich Pakistani in die Türkei zurückgebracht wurden, ist es doch kein Wunder, dass nur wenige Syrer nach Deutschland bzw. nach Europa gebracht wurden. Erst wenn Griechenland Syrer in die Türkei zurückbringt, kommen hier auch Syrer an. Und mehr als 72000 Syrer sollen es am Ende auch nicht sein, dann kann Griechenland weiter zurückschicken ohne das welche nachkommen. Oder versteh ich da was falsch an dem Abkommen?
lupo44 16.04.2016
5. dieser Deal ist einfach widerlich.....
erstens geht es hier um Menschen und nicht um irgend eine Ware, zweitens ist der Partner (Türkei) einfach mit dieser genauen Aufgabe überfordert-das gilt auch für Deutschland, und drittens ist es einfach empörend .dass 500 [...]
erstens geht es hier um Menschen und nicht um irgend eine Ware, zweitens ist der Partner (Türkei) einfach mit dieser genauen Aufgabe überfordert-das gilt auch für Deutschland, und drittens ist es einfach empörend .dass 500 Millionen Menschen in Europa sich nicht beteiligen wollen an der Aufnahme von Asylanten-Menschen die in Not sind, und viertens sehe ich als Deutscher nicht ein ,dass mein Land die gesamte Last in wirtschaftlicher,finanzieller und logistischer tragen soll und muß. Sosieht es ja zur Zeit aus. Unsere Politiker sind ja Parteiübergreifend sehr großzügig mit den Aufnahmeproblem.Besonders Frau Merkel hat hier ein starkes Geltungsbewußtsein an den Tag gelegt und verteilt mit großen Gesten das Tafelsilber von Deutschland.Das wird auf Dauer nicht gut gehen und wird andere Kräfte auf den Plan rufen. Es sollte alles dafür getan werden in Deutschland dieses Flüchtlingsproblem ohne die Türkei zu lösen. Wenn wir wollen "schaffen wir das schon"

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