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Politik

Feuerangriffe im Gaza-Konflikt

Das Jahr des Drachens

Die Hamas setzt im Konflikt mit Israel auf Raketen, Brandballons und präparierte Drachen, die weit ins Hinterland fliegen. Die Armee reagiert mit aller Härte, eine dauerhafte Entspannung ist nicht in Sicht.

AFP
Von
Donnerstag, 09.08.2018   19:37 Uhr

Eigentlich verhandeln Israel und die Hamas nach übereinstimmenden Medienberichten gegenwärtig unter ägyptischer Vermittlung über eine langfristige Waffenruhe. Doch seit Mittwochabend eskaliert die Lage wieder.

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Terrororganisation hat rund 180 Geschosse abgefeuert. Nach Angaben des israelischen Fernsehsenders Channel 2 schoss die Hamas damit dieses Jahr bereits mehr als 800 Raketen auf Israel. 2016 waren es insgesamt 15 gewesen, 2017 etwas mehr als 30. Israels Armee reagierte auf den Beschuss in der Nacht mit mehr als 140 Angriffen auf Ziele in der Mittelmeerenklave.

In den letzten 24 Stunden gab es dadurch Verletze auf beiden Seiten, im Gazastreifen auch Tote. Israels Armee hat seine Truppen im Süden verstärkt, auch eine Evakuierung der dortigen Dörfer wird offenbar in Erwägung gezogen.

Zwar hat die Hamas die jüngste Angriffswelle am Donnerstagvormittag einseitig für beendet erklärt, am Nachmittag flog jedoch eine Rakete bis in das fast 50 Kilometer entfernte Beer Sheva - und damit so weit, wie seit 2014 nicht mehr. Vorbei ist der Konflikt also noch lange nicht. Seit Ende März ist die Lage im Gazastreifen ohnehin extrem angespannt:

Israel reagiert auf diese Feuerdrachen und den Raketenbeschuss mit Bombardements, die zum Teil so heftig waren wie während des Gaza-Kriegs im Sommer 2014.

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Gazastreifen: Terror im Sommer

Neu ist das nicht. Der Konflikt im Süden zwischen Israel und der Hamas schwelt seit 2007, als die Islamisten die Macht im Gazastreifen übernommen haben. Zwar haben beide Seiten gegenwärtig kein Interesse an einer vollständigen Eskalation der Lage, aber der Status quo ist für beide ebenso nicht hinnehmbar.

Hamas so schwach wie nie

In diesem "Jahr des Drachens" ist die Lage für viele der rund zwei Million Palästinenser im Gazastreifen katastrophal. Die Hamas steht unter dem Druck der Bewohner, die in Freiheit leben wollen. Gleichzeitig ist die Organisation so schwach wie nie:

Um von ihrer eigenen Misere abzulenken und die Wut der jungen Palästinenser - von denen mehr als die Hälfte arbeitslos sind - zu kanalisieren, dürften die Islamisten in den kommenden Wochen und Monaten deshalb vermutlich weiter auf Angriffe setzen. Diese militante Politik der Nadelstiche wird Israels Armee jedoch nicht hinnehmen.

Zusammenarbeit mit Abbas wichtiger als Frieden mit Hamas

Die Regierung von Premier Benjamin Netanyahu steht unter dem Druck der Bürger im Süden, die Ruhe wollen. Israelische Bauern haben durch die Flächenbrände große wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und viele Bewohner der Grenzregion leben durch den Dauerbeschuss unter höchster Anspannung.

Eine langfristige Lösung wird zudem durch den innerpalästinensischen Konflikt erschwert. Der palästinensische Sicherheitsdienst von Mahmoud Abbas arbeitet im Westjordanland eng mit der israelischen Armee und dem Inlandsgeheimdienst Schin Beth zusammen. Jerusalem und Ramallah bekämpfen oft den gleichen Gegner: die militanten Hamas-Zellen zwischen den Palästinenser-Städten Hebron und Nablus.

In ihrem jüngsten Bericht weist die "International Crisis Group" deshalb zu Recht daraufhin hin, dass Israel dem Druck der Hamas nicht nachgeben werde, andernfalls würde diese für ihre konfrontative Taktik belohnt - die Palästinenserbehörde für ihre Zusammenarbeit hingegen nicht.

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