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Politik

Details des Atom-Deals

Iran muss 95 Prozent seines angereicherten Urans beseitigen

Der Atom-Deal mit Iran steht. Die Regierung verpflichtet sich, Zentrifugen und angereichertes Uran zu beseitigen. US-Präsident Obama spricht von einem Sieg der Diplomatie. Die einzelnen Punkte in einer Übersicht.

AP

Verhandlungsführer in Wien: Zufriedenheit auf allen Seiten

Dienstag, 14.07.2015   16:29 Uhr

Die Verhandlungsführer der Atomgespräche in Wien haben erste Details des Deals mit Iran bekannt gemacht. Das Abkommen umfasse 100 Seiten und fünf sogenannte technische Anhänge, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. "Diese Leistung ist das Ergebnis einer historischen Anstrengung", sagte sie. Sämtliche Details sollen im Laufe des Dienstags veröffentlicht werden, die groben Linien sind nun jedoch öffentlich. Die Laufzeit des Vertrags beträgt zehn Jahre.

Das ist über das Abkommen bekannt:

Obama begrüßte die Vereinbarung in einem Statement. Sie sei zwar nicht auf Vertrauen gebaut, sondern auf Kontrolle und strikte Vereinbarungen - sie zeige aber, wie mit Diplomatie Konflikte gelöst werden könnten. Alle Differenzen der USA mit der Führung in Teheran könne der Deal nicht beseitigen - er ermögliche aber, in eine "neue Richtung" zu gehen. Er werde gegen jede legislative Blockade des Deals in den USA sein Veto einlegen.

Am Vormittag war in den Atomverhandlungen der Durchbruch gelungen. Der Vertrag zwischen den fünf Uno-Vetomächten sowie Deutschland auf der einen und Iran auf der anderen Seite soll sicherstellen, dass die Islamische Republik keine Nuklearwaffen baut, die Atomkraft aber weiterhin zivil nutzen kann. Damit könnte der rund 13 Jahre alte Konflikt zwischen dem Westen und Teheran eine historische Wendung erfahren.

Der Atomstreit im Überblick:

mxw/sev/dpa/AFP

insgesamt 31 Beiträge
chefchen1 14.07.2015
1. Zeiträume
Jetzt sind noch die Zeiträume interessant. Wann muss der Iran was abgebaut haben und wann werden welche Sanktionen zurückgefahren.
Jetzt sind noch die Zeiträume interessant. Wann muss der Iran was abgebaut haben und wann werden welche Sanktionen zurückgefahren.
821943 14.07.2015
2. Steinmeier hat den Friedensnobelpreis verdient!
Außenminister Steinmeier ist das Glanzstueck europäischer Politik. Alle an den schwierigen Verhandlungen Beteiligten loben ihn in höchsten Tönen. Hoffentlich darf und will dieser Mann noch lange Verantwortung für Deutschland [...]
Außenminister Steinmeier ist das Glanzstueck europäischer Politik. Alle an den schwierigen Verhandlungen Beteiligten loben ihn in höchsten Tönen. Hoffentlich darf und will dieser Mann noch lange Verantwortung für Deutschland und die Welt tragen!
Beat Adler 14.07.2015
3. Mogherini hat die Veroeffentlichung aller Details versprochen.
Mogherini hat die Veroeffentlichung aller Details des Abkommens mit dem Iran versprochen. Das wird interessant zu lesen.
Zitat von chefchen1Jetzt sind noch die Zeiträume interessant. Wann muss der Iran was abgebaut haben und wann werden welche Sanktionen zurückgefahren.
Mogherini hat die Veroeffentlichung aller Details des Abkommens mit dem Iran versprochen. Das wird interessant zu lesen.
W. Robert 14.07.2015
4. Probleme ohne Lösung
Die Sunniten und Schiiten sollen sich wohl konventionell bekämpfen, statt mit Atomwaffen. Dagegen ist eigentlich nur einzuwenden, dass sie sich besser gar nicht bekriegen sollten, sondern endlich zu rationalen Problemlösungen [...]
Die Sunniten und Schiiten sollen sich wohl konventionell bekämpfen, statt mit Atomwaffen. Dagegen ist eigentlich nur einzuwenden, dass sie sich besser gar nicht bekriegen sollten, sondern endlich zu rationalen Problemlösungen für ihren Glaubenskonflikt kommen. Wenn jetzt der Iran aufrüstet, werden die Sunniten entsprechend aufrüsten, und irgendwann knallt es dann wieder. Das Problem der Atomwaffen in Pakistan bleibt weiterhin akut, das Szenario eines von Fundamentalisten heraufbeschworenen Atomkriegs bleibt also akut, auch ohne die Iraner.
Neophyte 14.07.2015
5. Steinmeier redet viel aber handelt nicht!
Steinmeier hat in der Ukraine Krise völlig versagt und auch beim Iran-Deal kann man davon ausgehen, dass der Iran die Stärkung der Wirtschaft nach dem Wegfallen der Sanktionen dazu nutzen wird den Terror in der Region weiter [...]
Zitat von 821943Außenminister Steinmeier ist das Glanzstueck europäischer Politik. Alle an den schwierigen Verhandlungen Beteiligten loben ihn in höchsten Tönen. Hoffentlich darf und will dieser Mann noch lange Verantwortung für Deutschland und die Welt tragen!
Steinmeier hat in der Ukraine Krise völlig versagt und auch beim Iran-Deal kann man davon ausgehen, dass der Iran die Stärkung der Wirtschaft nach dem Wegfallen der Sanktionen dazu nutzen wird den Terror in der Region weiter zu fördern und in geheimen weiter an der Bombe zu forschen!

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Uran und Atomwaffen

Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

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