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Politik

US-Präsident Trump zum Fall Khashoggi

"Bad stuff"

Die USA zögern, wegen des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi Druck auf Saudi-Arabien zu machen. Jetzt deutet Präsident Donald Trump an, dass der Mann tot sein könnte - und droht Riad mit Konsequenzen.

DPA

Donald Trump

Freitag, 19.10.2018   10:09 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat erstmals eingeräumt, dass der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi, der vor zwei Wochen im Konsulat seines Landes im türkischen Istanbul verschwand und dessen Schicksal ungeklärt ist, wohl tot ist.

"Es sieht ganz danach aus", sagte Trump vor Journalisten in Washington. "Es ist sehr traurig."

Sollte Saudi-Arabien für den Tod des Journalisten verantwortlich sein, müssten daraus "sehr schwerwiegende" Konsequenzen folgen, so Trump. Er bezeichnete die Vorgänge als "bad stuff" (schlimme Sache), aber man werde sehen, was passiere. Man müsse das Ergebnis der laufenden Untersuchungen in dem Fall abwarten. Er rechne bald mit Antworten.

Jamal Khashoggi, der unter anderem als Kolumnist für die "Washington Post" schrieb und die Machthaber in seinem Heimatland Saudi-Arabien immer wieder kritisiert hatte, wollte am 2. Oktober im Konsulat in Istanbul Papiere abholen und ist seitdem verschwunden. Die türkischen Behörden gehen davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando ermordet wurde.

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Das saudische Königshaus weist jede Verantwortung zurück. Trump hatte die Führung in Riad zuvor in Schutz genommen und überließ es bislang der saudi-arabischen Führung, den Fall selbst zu untersuchen - obwohl der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman unter dem international weitverbreiteten Verdacht steht, die Ermordung des regierungskritischen Journalisten angeordnet zu haben.

Pompeo will Riad "noch ein paar Tage geben"

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Donnerstag nach seiner Rückkehr von Besuchen in Riad und Ankara, die saudi-arabische Führung habe ihm "eine vollständige, gründliche Ermittlung" zugesagt. Er habe deshalb Trump gesagt, dass "wir ihnen noch ein paar Tage geben sollten, um das abzuschließen".

Der Fall Khashoggi ist für Trump überaus heikel, da er für sein Vorgehen gegen Iran und für eine Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern auf enge Zusammenarbeit mit Riad setzt. Auch ist Saudi-Arabien ein massiver Abnehmer von US-Rüstungsgütern.

Auf die Reporterfrage nach möglichen Sanktionen gegen Riad wegen des Falls Khashoggi sagte der US-Präsident am Donnerstag, die Reaktion müsse "sehr strikt" sein. Allerdings hatte sich Trump in den Vortagen gegen einen Stopp der US-Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien ausgesprochen. Diese brächten viel Geld ein und sicherten Jobs in den USA, sagte er.

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Foto: FOX NEWS CHANNEL'S FOX & FRIEND

Für Saudi-Arabien deuten sich wegen Khashoggis Verschwindens bereits ernsthafte Folgen an. Immer mehr Größen aus Wirtschaft und Politik sagen zum Beispiel ihre Teilnahme an einer Investorenkonferenz kommende Woche in Riad ab. Die US-Großbank Goldman Sachs teilte mit, keinen Vertreter dorthin schicken zu wollen. Der Medienkonzern Fox Business Network zog sich als Sponsor der Veranstaltung zurück und auch US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte sein Kommen ab.

Suche nach Khashoggi?

Türkische Ermittler gehen davon aus, dass Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat getötet und seine Leiche zerstückelt wurde. Nun haben sie offenbar an zwei Stellen nach der Leiche des Journalisten gesucht. Die bisherigen Ermittlungen ließen vermuten, dass die sterblichen Überreste womöglich im Belgrader Wald am Rande von Istanbul sowie in einem ländlichen Gebiet in der Nähe der Stadt Yalova südlich der Bosporus-Metropole am Marmarameer seien, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Insider.

Einer von ihnen ergänzte demnach, bei der Durchsuchung des saudi-arabischen Konsulats und der Residenz des Konsuls seien zahlreiche Proben genommen worden. Sie würden nun auf DNA-Spuren des Journalisten hin untersucht.

cop/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 37 Beiträge
Proggy 19.10.2018
1. und Siemens?
Bleibt die Frage, ob Siemens-Chef Joe Kaeser als deutscher Vertreter, immer noch zum Gipfel in Riad fahren wird. Simens wird sicher nicht das Riad U-Bahn-Projekt verlieren wollen.
Bleibt die Frage, ob Siemens-Chef Joe Kaeser als deutscher Vertreter, immer noch zum Gipfel in Riad fahren wird. Simens wird sicher nicht das Riad U-Bahn-Projekt verlieren wollen.
Draw2001 19.10.2018
2. Nun wenn es eben für die Mächtigsten keine Strafen gibt....
Das mit dem Geld ist so eine Sache: Es beginnt im Kleinen. Man bekommt es als Kind wenn man das tut, was die Erwachsenen wollen. Und später wird mit Geld die eine oder andere Strafe bezahlt. Bis wieder der Moment kommt, bei dem [...]
Das mit dem Geld ist so eine Sache: Es beginnt im Kleinen. Man bekommt es als Kind wenn man das tut, was die Erwachsenen wollen. Und später wird mit Geld die eine oder andere Strafe bezahlt. Bis wieder der Moment kommt, bei dem man eben kein Geld erhält, wenn man nicht das tut, was der der mächtige König will. Das Geld wird somit zur Waffe des Bösen. Das hört sich sicherlich recht mystisch an. Aber hier geht es nicht um eine Fabel oder ein Märchen - hier geht es darum, dass in dem arabischen Konsulat Menschen aufs schwerste gegen Gesetze verstoßen haben, und dies jederzeit wiederholen können und, dass sich ein großer Teil unserer Mitmenschen dafür bezahlen lässt, dass er dabei wegschaut. Dieses Verhalten ist genauso schlimm wie das Verbrechen selbst - denn genau diese Reaktion macht ein solches Verbrechen erst leicht möglich.
adal_ 19.10.2018
3. Ist Mohammed bin Salman zurechnungsfähig?
Der saudische König könnte den eingetretenen strategischen und wirtschaftlichen Schaden begrenzen, indem er den offensichtlich durchgeknallten Kronprinzen in die Wüste schickt.
Der saudische König könnte den eingetretenen strategischen und wirtschaftlichen Schaden begrenzen, indem er den offensichtlich durchgeknallten Kronprinzen in die Wüste schickt.
hansriedl 19.10.2018
4. Dass der Mann tot sein könnte ?
Wo war Donald in den letzten Tagen?. Inzwischen sind die Leichenteile schon im Verwesungsstadium. Für Donald ist der 100 Milliarden Deal das wichtigste, deshalb wird es für seine Freunde bei einer Rüge bleiben. Das viele [...]
Wo war Donald in den letzten Tagen?. Inzwischen sind die Leichenteile schon im Verwesungsstadium. Für Donald ist der 100 Milliarden Deal das wichtigste, deshalb wird es für seine Freunde bei einer Rüge bleiben. Das viele Investoren u. Politiker die Reise zur Konferenz nach Saudi Arabien absagten ist wohl das einzige was den Kopfabschneidern in Riad Sorgen macht.
peterpretscher 19.10.2018
5. Trump sagt ‚Bad. stuff‘ im Fall KHASHOGGI
Aber was wird er tun? Wahrscheinlich nicht viel!
Aber was wird er tun? Wahrscheinlich nicht viel!
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