Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Verschwundener Journalist Khashoggi

Mit Trump und Erdogan für die Meinungsfreiheit

Die Indizien verdichten sich, dass das saudi-arabische Regime den Journalisten Jamal Khashoggi hat verschwinden lassen. Der Westen sollte der Türkei gegenüber Riad beistehen.

Getty Images

Saudi-Arabiens Konsulat in Istanbul

Ein Kommentar von
Freitag, 12.10.2018   17:01 Uhr

"Das Schicksal Khashoggis ist ein Test für die gesamte Welt im Hinblick auf Meinungs- und Pressefreiheit. Einen Bürger nur wegen seiner kritischen Haltung zu bestrafen, verstößt gegen sämtliche humanistische Werte."

Nicht US-Präsident Donald Trump schreibt das auf Twitter. Und auch nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sondern Ahmet Davutoglu, der frühere türkische Premier.

Nun ist mindestens verstörend, solche Worte von einem Politiker zu lesen, der bis 2016 einer Regierung angehörte, die mehr Journalisten ins Gefängnis gebracht hat als jede andere. Auf Twitter empören sich Nutzer zu Recht über die Doppelmoral der türkischen Führung, die im Fall Khashoggi plötzlich ihre Leidenschaft für Meinungsfreiheit entdeckt.

Und trotzdem hat Davutoglu recht: Sollte der Westen den mutmaßlichen Mord an Khashoggi durch das Regime in Riad unbeantwortet lassen, verspielt er einmal mehr seine Glaubwürdigkeit in der Region.

Die Informationspolitik der türkischen Regierung war bislang durchaus konfus: Einerseits beteuert Präsident Recep Tayyip Erdogan, man hoffe nach wie vor darauf, dass Khashoggi wohlbehalten wieder auftauche, anderseits stechen seine Behörden permanent Informationen an die Medien durch, die das Gegenteil nahelegen. Laut Medienberichten liegen Ankara Ton- und Videoaufnahmen vor, die den Mord an dem Journalisten beweisen. Umso wichtiger ist es, dass Europa und die USA gegenüber Riad mit aller Macht auf Aufklärung drängen.

Fotostrecke

Verschwundener Journalist Khashoggi: Verzweifelte Suche nach Jamal

Die Indizien, die darauf hindeuten, dass Saudi-Arabien Khashoggi hat verschwinden lassen, sind erdrückend: Sicherheitskameras der türkischen Polizei haben festgehalten, wie Khashoggi das saudi-arabische Konsulat in Istanbul am 2. Oktober um 13.14 Uhr betrat. Seine Lebensgefährtin hat stundenlang vergeblich vor dem Gebäude auf ihn gewartet.

Riad hat am selben Tag 15 Beamte, darunter Geheimagenten, ein Forensiker und ein Autopsie-Experte, nach Istanbul entsandt. Die Männer blieben nur für wenige Stunden in der Stadt. Der US-Geheimdienst hat ein Gespräch abgehört, in dem saudi-arabische Offizielle darüber beraten, Khashoggi zu kidnappen.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman behauptet lapidar, Khashoggi habe das Konsulat nach wenigen Stunden wieder verlassen. Wie schon bei seinem Krieg im Jemen oder der Unterdrückung von Kritikern im eigenen Land ist ihm offenbar egal, welchen Eindruck er damit in der Welt hinterlässt. Mohammed bin Salman ist überzeugt, dass die finanzielle Macht seines Königreichs ausreicht, um mit jedem noch so brutalen Verbrechen davonzukommen.

Präsident Erdogan hat sich, aus welchen Gründen auch immer, entschieden, sich im Fall Khashoggi dem Druck Saudi-Arabiens nicht zu beugen. Der Westen sollte ihm beistehen - notfalls mit Sanktionen gegen Riad.

insgesamt 76 Beiträge
Southwest69 12.10.2018
1. Thelma und Louise
US-Pastor Andrew Brunson kommt frei, hab ich grad gelesen. Haben die beiden Medienhasser Erdogan und Trump grad etwa ein politisches Techtelmechtel, in dem jeder seine niederen Gelüste befriedigen kann ? Fragen über [...]
US-Pastor Andrew Brunson kommt frei, hab ich grad gelesen. Haben die beiden Medienhasser Erdogan und Trump grad etwa ein politisches Techtelmechtel, in dem jeder seine niederen Gelüste befriedigen kann ? Fragen über Fragen.
cemalaslan01 12.10.2018
2. Kindische Rhetorik
Im gleichen Zeitraum steckt die Türkei 100 lokale Politiker in den Knast und sperrt sie weg für lange Zeit und Herr Popp nennt einen Diktator Herrn Präsident. Sollten die Saudis in ermordet haben, dann Frage ich mich woher [...]
Im gleichen Zeitraum steckt die Türkei 100 lokale Politiker in den Knast und sperrt sie weg für lange Zeit und Herr Popp nennt einen Diktator Herrn Präsident. Sollten die Saudis in ermordet haben, dann Frage ich mich woher diese Informationen kommen und wie es sein kann das er mit dem wissen der Türkei ermordet wurde. Hat er etwa für die Türkei gearbeitet und hatte eine Kamera in der Brille und die Saudis haben den Türken mit ihrer Unmenschlichen Tat gezeigt, dass mit Ihnen nicht zu spassen ist? Die Türkei hat auch politische Morde in Auftrag gegeben. Der letzte war vor einigen Jahren in Paris gegen eine kurdische Aktivisitin. Naja, die Türkei wird doch kein Kalifat auch, wenn wir den Despoten unterstützen dafür werden die Saudis schon sorgen.
mhuz 12.10.2018
3.
Nicht schon wieder wir - wenn Riad und Türkei ein Problem miteinander haben, sollen die ihr Problem miteinander lösen. Wie immer verstehen sich nachher die beiden und wir sind wieder schuld. Warum liegt das Wohlergehen eines [...]
Nicht schon wieder wir - wenn Riad und Türkei ein Problem miteinander haben, sollen die ihr Problem miteinander lösen. Wie immer verstehen sich nachher die beiden und wir sind wieder schuld. Warum liegt das Wohlergehen eines Journalisten der Türkei am Herzen, doch nur dann, wenn sie was davon haben.
dachristoph 12.10.2018
4. Angeblich
gibt es sogar Tonaufnahmen, die belegen, daß der Journalist verhört und gefoltert wurde, bevor er getötet und in Stücke geschnitten verpackt in Koffern abtransportiert wurde. Das fand alles im Konsulat statt. Interessant [...]
gibt es sogar Tonaufnahmen, die belegen, daß der Journalist verhört und gefoltert wurde, bevor er getötet und in Stücke geschnitten verpackt in Koffern abtransportiert wurde. Das fand alles im Konsulat statt. Interessant dabei ist, neben dem vermutlich tragischen Schicksal von Khashoggi, daß die Türken die Vertretungen anderer Länder abhören. Das wird ja bei Saudi-Arabien weder beginnen noch aufhören. Dreisterweise meint auch der US-Präsident hier den Mund aufmachen zu dürfen. Dessen Land die Ermordung vermeintlicher Gegner in fremden, souveränen Staaten sogar offen praktiziert. (Siehe Droheneinsätze) Das sich Schiiten und Sunniten nicht wirklich einig sind, ist allgemein bekannt. Der Versuch diese jetzt aufzuhetzen und nichts anderes ist diese Aktion, ist furchtbar und schäbig. Der Westen mag ein Interesse daran haben, dass sich muslimische Länder gegenseitig an die Kehle gehen, doch für den Weltfrieden ist es eine Katastrophe.
pascal3er 12.10.2018
5. Der Westen sollte der Türkei gegenüber Riad beistehen
Nö, eben nicht. Diktatoren links liegen lassen und isolieren, tun die ja selber, keine Geschäfte mehr mit Regierungen machen sondern nur noch mit dem normalen Volk an den Regierungen vorbei. Dann sind sie schnell pleite. Wenn [...]
Nö, eben nicht. Diktatoren links liegen lassen und isolieren, tun die ja selber, keine Geschäfte mehr mit Regierungen machen sondern nur noch mit dem normalen Volk an den Regierungen vorbei. Dann sind sie schnell pleite. Wenn man Erdogan Geld gibt um die Flüchtlinge fern zu halten ist das falsch, lieber Geld direkt an Flüchtlinge in der Türkei geben, damit sie dort bleiben können, so muss das laufen. Geld in den ricthigen Händen.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP