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Politik

Alternde Gesellschaft

Japan will mehr Arbeitsmigranten ins Land lassen

Japan vergreist, in etlichen Branchen fehlen inzwischen Fachkräfte. Die rechtskonservative Regierung will deshalb mehr Arbeitsmigration zulassen - gegen den Widerstand der Opposition.

REUTERS

Arbeiter in Kawasaki

Samstag, 08.12.2018   12:42 Uhr

Die japanische Gesellschaft altert rasant - und ist deshalb immer mehr auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. Die Regierung von Premier Shinzo Abe will deshalb das Einwanderungsgesetz reformieren. Am Freitag soll eine Revision des Gesetzes zur Immigrationskontrolle abschließend durch das Oberhaus in Kraft gesetzt werden.

Davon sollen 14 Branchen profitieren, die unter akutem Arbeitskräftemangel leiden, darunter der Bau- und Agrarsektor, die Gastronomie sowie die Altenpflege. Die rechtskonservative Regierungskoalition will im ersten Jahr 47.500 Gastarbeiter mit beschränkter Aufenthaltsdauer ins Land holen. Über fünf Jahre hinweg sollen es bis zu 345.000 werden.

Die Zahl ausländischer Arbeitskräfte in Japan hat sich bereits von 680.000 im Jahr 2012 auf 1,28 Millionen verdoppelt. Die meisten kommen aus China, gefolgt von Vietnamesen und Philippinern.

Viele kommen über ein Praktikumsprogramm ins Land, das Japan seit 1993 Schwellenländern anbietet. Die Idee dabei ist es, junge Leute aus diesen Ländern während fünf Jahren am Arbeitsplatz weiterzubilden. In der Realität werden sie jedoch oft als billige Arbeitskräfte in Fabriken oder auch auf dem Bau ausgebeutet.

Die Opposition will, dass zuerst diese Probleme strukturell angegangen und die Arbeits- und Lebensbedingungen ausländischer Arbeiter genauer geregelt werden. Andere Gegner des Gesetzes wollen, dass Japan auch in Zukunft keine nennenswerte Immigration zulässt.

vks/dpa

insgesamt 13 Beiträge
so-long 07.12.2018
1. Blaupause für D?
Japaner arbeiten sehr viele Wochenstunden, das gehört zum guten Ton. Bin gespannt, wieviel Europäer und US-Amerikaner anheuern werden.
Japaner arbeiten sehr viele Wochenstunden, das gehört zum guten Ton. Bin gespannt, wieviel Europäer und US-Amerikaner anheuern werden.
niacoupr 07.12.2018
2. Das wahrscheinlich sicherste „grosse“ Land der Welt
...verfolgt die vielleicht restriktivste Einwanderungspolitik aller Industrieländer. Es war und ist in keinen Augen immer noch eine Antithese zur Behauptung, freie Migration (wie in der EU) sei im Sinne wirtschaftlicher [...]
...verfolgt die vielleicht restriktivste Einwanderungspolitik aller Industrieländer. Es war und ist in keinen Augen immer noch eine Antithese zur Behauptung, freie Migration (wie in der EU) sei im Sinne wirtschaftlicher Prosperität eine Voraussetzung oder Notwendigkeit.
Krokodilstreichler 07.12.2018
3.
Alos will die Regierung ausländische Arbeitskräfte in die Bereiche bringen, wo schlecht bezahlt und die Arbeitsbedinungen katastrophal sind. Man kann nur hoffen, dass die Japaner bei der nächsten Wahl entsprechend reagieren.
Alos will die Regierung ausländische Arbeitskräfte in die Bereiche bringen, wo schlecht bezahlt und die Arbeitsbedinungen katastrophal sind. Man kann nur hoffen, dass die Japaner bei der nächsten Wahl entsprechend reagieren.
hoernomat 07.12.2018
4. Nun kommt selbst das technologieaffine Japan in der Realität an.
Auch die Japaner verstehen also nun, dass man trotz Robo-Hunden, Asimo und Industrierobotern nicht alles automatisieren kann. Wenn man also Arbeitskräfte braucht und selbst nicht hinreichend zur Welt bringt, ist Immigration [...]
Auch die Japaner verstehen also nun, dass man trotz Robo-Hunden, Asimo und Industrierobotern nicht alles automatisieren kann. Wenn man also Arbeitskräfte braucht und selbst nicht hinreichend zur Welt bringt, ist Immigration nunmal die einzige Lösung. Wohlstand, oder Homogenität? Beides zusammen ist in den modernen Industrienationen nicht zu machen. Anstatt dagegen zu hetzen, oder es Immigranten möglichst unangenehm zu machen.... in der Hoffnung, dass diese bloß wieder gehen.... ist es doch kein Druidenwissen, dass wir dieser Entwicklung Rechnung tragen und die Immigration konstruktiv gestalten müssen. Das kostet Geld für Sprachkurse, Ausbildung etc. - aber wieviele Studien braucht es noch, die belegen, dass diese Migration wirtschaftlich vorteilhaft ist und somit den Wohlstand vermehrt. Dass wir diesen Wohlstand nicht gerecht verteilen, ist nun wahrlich nicht die Schuld der Migranten.
biesi61 07.12.2018
5. Auch Japan wird langsam normal!
Von den Migrationsströmen der Gegenwart kann sich kein großes Land komplett abkoppeln und bei Strafe eines starken wirtschaftlichen Niedergangs sollte das auch niemand versuche!
Von den Migrationsströmen der Gegenwart kann sich kein großes Land komplett abkoppeln und bei Strafe eines starken wirtschaftlichen Niedergangs sollte das auch niemand versuche!
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