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Politik

Juncker über Flüchtlinge

"In Libyen die Hölle gefunden"

Kurz vor Beginn des EU-Afrika-Gipfels fordert EU-Kommissionspräsident Juncker, Verbrechen gegen Flüchtlinge in Libyen zu stoppen. Beim Gedanken an die Lage der Menschen dort könne er "nicht ruhig schlafen".

REUTERS

Flüchtlinge in Libyens Hauptstadt Tripolis

Dienstag, 28.11.2017   03:57 Uhr

Jean-Claude Juncker hat die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten aufgefordert, Verbrechen gegen Flüchtlinge in Libyen zu unterbinden. "Ich kann nicht ruhig schlafen bei dem Gedanken, was jenen Menschen in Libyen passiert, die ein besseres Leben gesucht und in Libyen die Hölle gefunden haben", sagte der EU-Kommissionspräsident in einem Interview mit der Deutschen Welle.

Europa dürfe "nicht den Mund halten angesichts dieser unglaublichen Probleme, die aus einem anderen Jahrhundert stammen", sagte Juncker. Dort würden Migranten, die Europa nicht mehr über das Mittelmeer erreichen könnten, bestohlen, verletzt und getötet (mehr zur Lage von Flüchtlingen in Libyens Gefangenenlagern lesen Sie hier ).

Er sei "sehr schockiert" gewesen, als er Berichte gehört habe, wonach Flüchtlinge in Libyen wie Sklaven verkauft würden. "Bis vor zwei Monaten wusste ich nicht, dass das Problem dieses Ausmaß hat. Es ist ein dringliches Phänomen geworden", sagte Juncker.

Die Vereinten Nationen hatten kürzlich ein dramatisches Bild von den Zuständen in den Haftzentren in Libyen gezeichnet und die EU-Hilfen für die libysche Küstenwache zum Abfangen von Migranten kritisiert. Nach libyschen Angaben befinden sich in den Lagern 19.900 Menschen. Im September waren es 7000 gewesen. Auch die EU hatte die menschenverachtenden Zustände in den Internierungslagern kritisiert.

Am Dienstag will sich der Uno-Sicherheitsrat mit dem Konflikt in Libyen befassen. Nach einem Fernsehbericht über Menschenhandel mit afrikanischen Flüchtlingen in dem Land hatte Frankreich ein Treffen des Sicherheitsrats gefordert. Der TV-Sender CNN hatte Aufnahmen mit versteckter Kamera veröffentlicht, die zeigen sollen, wie Flüchtlinge aus Nigeria in Libyen für mehrere Hundert US-Dollar als Sklaven verkauft wurden.

Gabriel: Konflikte in Afrika betreffen auch Europa

Am Mittwoch beginnt zudem der EU-Afrika-Gipfel in Abidjan. Dabei hofft der französische Präsident Emmanuel Macron auf finanzielle Unterstützung der Teilnehmer für die Antiterrortruppe der Sahelstaaten. Zudem will er über den Kampf gegen Menschenschlepper sowie Sklavenhändler in Libyen diskutieren.

Auch Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Sigmar Gabriel werden zum Gipfel reisen. "Wenn Menschen aus Angst vor Konflikten auf unserem Nachbarkontinent fliehen, betrifft uns das hier in Europa unmittelbar", sagte Gabriel am Montagabend in Berlin. Um Krisen zu verhindern und Konflikte zu bewältigen sei eine politische Strategie notwendig, die "Sicherheit, gute Regierungsführung und Entwicklung" zusammenbringe.

aar/dpa

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