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Politik

Libyen

Mehr als 50 Tote bei Unglücken im Mittelmeer

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen warnt vor einem "Herbst der Schiffbrüche": Vor der libyschen Küste sind in wenigen Tagen offenbar mehr als 50 Migranten gestorben. Hunderte konnten jedoch gerettet werden.

DPA

Flüchtlingsboot im Mittelmeer (Archiv)

Samstag, 25.11.2017   20:17 Uhr

Im Mittelmeer sind offenbar innerhalb der vergangenen Tage insgesamt mehr als 50 Migranten ertrunken. 31 Leichen seien am Samstag vor der Küste Libyens geborgen worden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die libysche Marine.

Libyen ist Transitland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Sie nehmen den strapaziösen und riskanten Weg durch die libysche Wüste auf sich, um von Schleusern über die Mittelmeerroute nach Italien gebracht zu werden.

Ein Sprecher der libyschen Marine sagte den Angaben zufolge, dass am Samstag östlich der libyschen Hauptstadt Tripolis mehrere im Wasser treibende Leichen entdeckt wurden. 60 Menschen konnten demnach gerettet werden. Einen anderen Schiffbruch überlebten 140 Migranten. Die Geretteten wurden nach Libyen zurückgebracht. Auch die Leichen wurden dorthin überführt. Von der libyschen Küstenwache selbst war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Zudem berichtet die Nachrichtenagentur dpa, dass Migranten, die am Samstag in Augusta auf Sizilien an Land gegangen seien, von einem weiteren Vorfall berichtet hätten: Etwa 20 Migranten seien ertrunken, als sie in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag von einem überfüllten Schlauchboot ins Wasser gefallen seien. Das teilte ein Sprecher des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit.

Dramatische Zustände in Haftzentren

Seit Mittwoch waren der italienischen Küstenwache und Hilfsorganisationen zufolge mehr als 1100 Menschen gerettet worden. "Die Menschen, die mit der jüngsten Welle angekommen sind, befinden sich in einem sehr schlechtem Zustand", sagte der UNHCR-Sprecher. Viele Migranten, die sich monatelang in libyschen Haftzentren befunden hätten, seien dehydriert und wiesen Spuren von Folter und Gewalt auf.

Die Vereinten Nationen hatten erst kürzlich ein dramatisches Bild von den Zuständen in den Haftzentren in dem Bürgerkriegsland gezeichnet. In der Folge hatten sie die EU-Hilfen für die libysche Küstenwache zum Abfangen von Flüchtlingen und Migranten im Mittelmeer scharf kritisiert. Nach libyschen Angaben befinden sich in den Lagern derzeit 19.900 Menschen. Im September waren es erst 7000.

Hilfsorganisationen beklagen unterdessen eine zunehmende Behinderung bei der Suche nach schiffbrüchigen Flüchtlingen auf hoher See. Am Samstag wurde das Rettungsschiff "Aquarius" aber zu einem Holzboot in Seenot geschickt und habe mehr als 400 Menschen gerettet, teilte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mit. Die NGO hatte vor einem "Herbst der Schiffbrüche" gewarnt.

kry/dpa/AFP

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