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Politik

Streit zwischen Marokko und Saudi-Arabien

Mohammed gegen Mohammed

Marokko und Saudi-Arabien waren über Jahrzehnte enge Verbündete - doch nun haben sich die Beziehungen deutlich verschlechtert. König Mohammed VI. will dem Kurs des saudischen Kronprinzen nicht folgen.

ETIENNE LAURENT/EPA-EFE/REX

Mohammed VI., König von Marokko

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Samstag, 16.03.2019   18:31 Uhr

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Wenn sich zwei Regierungen immer wieder gegenseitig versichern müssen, wie gut sie sich verstehen, liegt oft etwas im Argen. So ist es seit ein paar Monaten zwischen Marokko und Saudi-Arabien. "Unsere diplomatischen Beziehungen zu den Golfstaaten sind stark, besonders zu Saudi-Arabien", erklärte Marokkos Außenminister Nasser Bourita im Februar. Saudi-Arabien sei zufrieden mit den langjährigen Beziehungen zu Marokko entgegnete am Dienstag Abdullah bin Mohammed Al Al-Sheikh, Vorsitzender des Schura-Rates, der den saudischen König Salman berät.

Doch die freundlichen Worte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Verhältnis zwischen den beiden Monarchien in den vergangenen zwei Jahren deutlich abgekühlt hat. Wie so vieles, hat auch das mit dem Aufstieg von Mohammed bin Salman zum Kronprinzen von Saudi-Arabien zu tun.

Als der Thronfolger - MBS genannt - im Mai 2017 eine Blockade gegen sein Nachbarland Katar verhängte, setzte er darauf, dass sein marokkanischer Namensvetter, König Mohammed VI., sich dem Boykott anschließen werde. Schließlich waren die beiden sunnitischen Monarchien in den großen politischen Fragen - Kampf gegen Sozialismus und Panarabismus, enge Bindung an die USA, Widerstand gegen Irans Einfluss in der arabischen Welt - seit Jahrzehnten stets auf einer Linie.

König Salman verzichtet auf Sommerurlaub in Marokko

Umso überraschender war es, dass König Mohammed vor zwei Jahren verkündete, Marokko wolle im Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Katar neutral bleiben. Mehr noch: Im November 2017 besuchte der Monarch sogar Scheich Tamim, den Emir von Katar. Außerdem ordnete er Lebensmittellieferungen in den abgeriegelten Zwergstaat an. Während Medien in Katar den Gast aus Marokko als "ersten Blockadebrecher" feierten, regte sich in Riad Unmut.

Im Juni 2018 bot sich die Chance zur Revanche: Saudi-Arabien hintertrieb Marokkos Bewerbung um die Austragung der Fußball-WM 2026. Das Herrscherhaus in Riad verkündete nicht nur öffentlich, die gemeinsame Bewerbung von Kanada, den USA und Mexiko zu unterstützen. Man sorgte auch dafür, dass die Mehrheit der arabischen Staaten gegen Marokkos Kandidatur stimmte.

Dann verzichtete König Salman im vergangenen Jahr auch noch auf seinen traditionellen Sommerurlaub in Marokko. Üblicherweise verbringt der Monarch mehrere Wochen auf seinem 74 Hektar großen Palastgelände in der Nähe von Tanger, begleitet von einer Entourage mit tausend Bediensteten. Rund hundert Millionen Euro soll König Salman pro Jahr in Marokko ausgeben - und damit allein für rund 1,5 Prozent der jährlichen Tourismuseinnahmen im Land sorgen. Doch 2018 verbrachte der betagte König seinen Sommerurlaub lieber im eigenen Land - im neu errichteten Megaprojekt Neom am Roten Meer.

Sticheleien über die Medien

Als dann im Oktober MBS wegen des Mordes an Jamal Khashoggi international in Bedrängnis geriet, vermied es Marokkos Königshaus im Gegensatz zu den meisten anderen arabischen Staaten, dem Kronprinzen seine Unterstützung zu versichern. Im November tourte MBS durch die arabische Welt, um Solidaritätsbekundungen einzusammeln. Er machte Station in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Bahrain, Ägypten und Mauretanien - König Mohammed VI. wollte ihn nicht empfangen. Der Monarch habe einen dichten Zeitplan, schob Außenminister Bourita später als Erklärung hinterher.

Seit Jahresanfang haben sich die Spannungen zwischen Rabat und Riad noch einmal verschärft. Im Januar verkündete Außenminister Bourita, dass Marokko seine militärische Beteiligung am von Saudi-Arabien geführten Krieg im Jemen praktisch beendet habe. Das machte er ausgerechnet in einem Interview mit Al Jazeera bekannt. Der Nachrichtenkanal sitzt in Doha und wird von Saudi-Arabien als Feindsender betrachtet. MBS hat die Schließung des Senders zu einer Bedingung für die Beendigung der Blockade gegen Katar gemacht.

Wieder dauerte es nicht lange, bis sich das Königshaus Saud revanchierte - ebenfalls über die Medien. Der von Saudi-Arabien finanzierte Fernsehsender al-Arabiya strahlte eine Dokumentation aus, der Marokkos Souveränität über die Westsahara anzweifelte. Der Film bezeichnete das Wüstenterritorium als "besetztes Gebiet" und ließ die westsaharische Befreiungsorganisation Polisario zu Wort kommen.

Rabat beorderte Botschafter zurück

Für Rabat ein Unding: Marokko betrachtet die Westsahara seit 1975 als marokkanisches Staatsgebiet - ein Anspruch, der bislang auch von Saudi-Arabien anerkannt wurde.

Eine Woche darauf beorderte Rabat seinen Botschafter aus Riad zurück. Offiziell zu Konsultationen über die diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Saudi-Arabien.

Inzwischen ist der Diplomat nach Riad zurückgekehrt. Bis aber die Beziehungen zwischen den beiden Königshäusern wieder so gut sind, wie sie es einst waren, dürfte noch viel Zeit vergehen. Das Verhältnis zu Marokko ist damit zu einem Beispiel dafür geworden, wie Kronprinz MBS mit seiner impulsiven Politik auch wohlmeinende Verbündete immer wieder vor den Kopf stößt.


Zusammengefasst: Die Beziehungen zwischen den Königshäusern in Marokko und Saudi-Arabien sind so schlecht wie nie. König Mohammed VI. beteiligt sich nicht an Saudi-Arabiens Blockade gegen Katar und hat seine militärische Beteiligung am Jemenkrieg weitgehend beendet. Zwischenzeitlich beorderte Rabat sogar seinen Botschafter aus Riad zurück. Der Konflikt wird unter anderem über die Medien und in der Sportpolitik ausgetragen.

insgesamt 11 Beiträge
martinmde 16.03.2019
1. ich freu mich schon
auf den Tag wo in Saudi Arabien der letzte Tropfen Öl gefördert wird.
auf den Tag wo in Saudi Arabien der letzte Tropfen Öl gefördert wird.
dogstar01 16.03.2019
2. Nichts Neues
...der Artikel enthält nichts Neues. Die meisten Hintergrund-Fakten könnten einem Artikel von TNT-World vom 28.November 2018 entnommen sein, und den Rückruf des Botschafters vermeldete Reuters brav am 8.Februar 2019. Die [...]
...der Artikel enthält nichts Neues. Die meisten Hintergrund-Fakten könnten einem Artikel von TNT-World vom 28.November 2018 entnommen sein, und den Rückruf des Botschafters vermeldete Reuters brav am 8.Februar 2019. Die einzige Mitteilung mit Neuigkeitswert ist, dass der marokkanische Botschafter mittlerweile wieder auf seinem Posten ist. Gut zu hören.
m.klagge 16.03.2019
3. Es ist für jeden auch nur halbwegs anständigen
Menschen eigentlich völlig unmöglich mit einem Mörder wie MbS auch nur entfernt zu tun zu haben. Man erinnere sich an den Mord an dem Journalisten Adnan Kashoggi. Seltsam, dass das Herrn Sydow so schnell entfallen ist. Immerhin [...]
Menschen eigentlich völlig unmöglich mit einem Mörder wie MbS auch nur entfernt zu tun zu haben. Man erinnere sich an den Mord an dem Journalisten Adnan Kashoggi. Seltsam, dass das Herrn Sydow so schnell entfallen ist. Immerhin handelt es sich um einen Berufs Kollegen.
gersois 16.03.2019
4.
Steckte nicht Saudi Arabien hinter dem Terroranschlag von Casablanca? Finanzierte Saudi Arabien nicht auch radikale Gruppen und Moscheen in Marokko? Es ist eher verwunderlich, dass beide Länder so lange "enge [...]
Steckte nicht Saudi Arabien hinter dem Terroranschlag von Casablanca? Finanzierte Saudi Arabien nicht auch radikale Gruppen und Moscheen in Marokko? Es ist eher verwunderlich, dass beide Länder so lange "enge Verbündete" waren.
Death666Angel 16.03.2019
5. Ich bin trotzdem dankbar
Da meine Quellen nur Tagesschau, Spiegel und ARD/ZDF/WDR-TV-Nachrichten sind, habe ich so eine schöne Zusammenfassung zu diesem Thema (oder überhaupt etwas zu dem Verhältnis von Marokko und SA) noch nicht gesehen. Ich bin [...]
Zitat von dogstar01...der Artikel enthält nichts Neues. Die meisten Hintergrund-Fakten könnten einem Artikel von TNT-World vom 28.November 2018 entnommen sein, und den Rückruf des Botschafters vermeldete Reuters brav am 8.Februar 2019. Die einzige Mitteilung mit Neuigkeitswert ist, dass der marokkanische Botschafter mittlerweile wieder auf seinem Posten ist. Gut zu hören.
Da meine Quellen nur Tagesschau, Spiegel und ARD/ZDF/WDR-TV-Nachrichten sind, habe ich so eine schöne Zusammenfassung zu diesem Thema (oder überhaupt etwas zu dem Verhältnis von Marokko und SA) noch nicht gesehen. Ich bin Spiegel.de dankbar. Ich persönlich "jage" Nachrichten auch nicht, sie sind mir oft genug zu depressiv. :D
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