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Politik

Einigung im Namensstreit

Mazedonien soll künftig "Republik Nord-Mazedonien" heißen

"Wir haben einen Deal": Griechenlands Regierungschef Tsipras hat eine Lösung für den Namensstreit um die griechische Provinz und das Nachbarland Mazedonien verkündet.

REUTERS

Alexis Tsipras

Dienstag, 12.06.2018   18:32 Uhr

Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras hat eine Einigung im Namensstreit um die griechische Provinz Mazedonien und des bislang gleichnamigen Nachbarlandes bekannt gegeben.

"Unsere Nachbarn werden den Namen Republik Nord Mazedonien (slawisch: Severna Makedonija) haben", sagte Tsipras am Dienstag in einer Ansprache im griechischen Staatsfernsehen. "Wir haben einen guten Deal, der alle Vorbedingungen der griechischen Seite erfüllt", so Tsipras. Mazedonien werde die Namensänderung in der Verfassung verankern. Auch Mazedoniens Premier Zoran Zaev erklärte, man habe sich geeinigt. Nach einem Telefonat mit Tsipras sagte er in Skopje: "Es gibt keinen Weg zurück mehr."

Die griechische Regierung hob mehrere Punkte als Erfolg der Einigung hervor: Griechenland gewinne mit dem Deal "die Deutungshoheit über die eigene Geschichte zurück" und löse eines "der schwierigsten diplomatischen Probleme der vergangenen 25 Jahre".

Die Übereinkunft fördere zudem die "Stabilität und Sicherheit auf dem Balkan", und verringere den Einfluss "Dritter", vor allem Russlands und der Türkei. Außerdem stärke der nun vereinbarte Fahrplan "die fortschrittlichen Kräfte" in Mazedonien, sagte ein Regierungsmitglied dem SPIEGEL.

Als Gegenleistung für die Namensänderung will sich Athen nun nicht mehr gegen den Beitritt dieser Republik in die Nato sperren und auch die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen nicht mehr blockieren.

Der Namensstreit schwelt, seit Mazedonien 1991 als ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens unabhängig wurde. Griechenland lehnt den Landesnamen Mazedonien ab, weil seine im Norden liegende Provinz ebenfalls so heißt.

Athen befürchtet bislang spätere Gebietsansprüche des nördlichen Nachbarn und blockierte daher bislang Mazedoniens internationale Bündnisambitionen. Als Uno-Mitglied firmiert das Land bislang unter dem Namen Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM).

cht/gec/Reuters/AP/dpa

insgesamt 42 Beiträge
rosinci 12.06.2018
1. Das kennen wir ja schon
Noch vor paar Wochen gabs auf der Standard die gleiche Verkündung, und jetzt wieder. Letztens hiess es, Mazedonien würde den Namen Ilindenska Makedonien annehmen, was den bezug zum ilinden aufstand von 1903 als eigentlichen [...]
Noch vor paar Wochen gabs auf der Standard die gleiche Verkündung, und jetzt wieder. Letztens hiess es, Mazedonien würde den Namen Ilindenska Makedonien annehmen, was den bezug zum ilinden aufstand von 1903 als eigentlichen namen hergeben. Republik nordmazedonien , wäre geographisch sogar korrekt. Na egal Hauptsache es kommt ruhe auf dem Pulverfasses.
noalk 12.06.2018
2. Schon wieder ein Deal
Kaum jemand mag Donald Trump so richtig - vorsichtig formuliert. Aber alle übernehmen sein Vokabular. So war es schon immer: Sprache wird geprägt und verändert von Intellekt und Dummheit - von letzterer meistens mehr als von [...]
Kaum jemand mag Donald Trump so richtig - vorsichtig formuliert. Aber alle übernehmen sein Vokabular. So war es schon immer: Sprache wird geprägt und verändert von Intellekt und Dummheit - von letzterer meistens mehr als von ersterem.
aurichter 12.06.2018
3. Die Griechen
haben ja ansonsten keine anderen und wichtigeren Probleme, da muss man sich halt an diesem mehr als albernen Namensstreit hochziehen! Armes Griechenland kann man da nur sagen! Da fällt mir der Vogelschiss Vergleich ein von einem [...]
haben ja ansonsten keine anderen und wichtigeren Probleme, da muss man sich halt an diesem mehr als albernen Namensstreit hochziehen! Armes Griechenland kann man da nur sagen! Da fällt mir der Vogelschiss Vergleich ein von einem deutschen Gauleiter, nur dass hier ein Nachbar aktuell "bedroht" wird. Anstatt friedlich nebeneinander zu leben wir ein lächerlicher Streit vom Zaun gebrochen. Was für eine Welt.
Benjowi 12.06.2018
4.
Wenn sich diese Lösung bestätigt, kann man den Beteiligten nur ein Lob aussprechen. Genauso lösen vernunftbegabte Menschen irrationale Probleme und so sollte Politik gehen. Was da vorher gelaufen ist, war in Mitteleuropa [...]
Zitat von rosinciNoch vor paar Wochen gabs auf der Standard die gleiche Verkündung, und jetzt wieder. Letztens hiess es, Mazedonien würde den Namen Ilindenska Makedonien annehmen, was den bezug zum ilinden aufstand von 1903 als eigentlichen namen hergeben. Republik nordmazedonien , wäre geographisch sogar korrekt. Na egal Hauptsache es kommt ruhe auf dem Pulverfasses.
Wenn sich diese Lösung bestätigt, kann man den Beteiligten nur ein Lob aussprechen. Genauso lösen vernunftbegabte Menschen irrationale Probleme und so sollte Politik gehen. Was da vorher gelaufen ist, war in Mitteleuropa ohnehin niemandem vermittelbar. Ähnlich verhält es sich im Übrigen mit dem Streit zwischen Kroatien und Slowenien wegen ein paar Kilometer Meeresarm: Sinnlos und kontraproduktiv besonders zwischen EU-Mitgliedern!
hellas2004 12.06.2018
5. @ausrichter
Da sollte sich Deutschland doch bitte zurückhalten, was Namensstreitereien betrifft. Wer hat denn darauf gedrängt, dass die 4+2-Verträge nicht Friedensvertag genannt werden, um bloß keine Reparationszahlungen an alle [...]
Da sollte sich Deutschland doch bitte zurückhalten, was Namensstreitereien betrifft. Wer hat denn darauf gedrängt, dass die 4+2-Verträge nicht Friedensvertag genannt werden, um bloß keine Reparationszahlungen an alle (europäischen) Nachbarn zahlen zu müssen....Sie können doch gar nicht wissen, welche weitreichenden geografischen Anspruchsrechte erheben werden könnte, wenn sich die Republik aus Skopje 'Mazedonien' nennen dürfte. In den Schulbüchern dieser Republik wurden auch Karten des 'Großmazedonischen Reiches' abgebildet, das den kompletten Norden Griechenlands umfasst.

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