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"Aquarius" erneut mit Flüchtlingen an Bord auf Irrfahrt im Mittelmeer

Die "Aquarius" hat Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet - findet aber wieder keinen Hafen. Die Geretteten berichten zudem, dass ihnen zuvor fünf Schiffe auf hoher See nicht geholfen hätten.

REUTERS

Seenotgerettete auf der "Aquarius"

Sonntag, 12.08.2018   13:46 Uhr

Das Drama um die "Aquarius" droht sich zu wiederholen: Im Juni fuhr das Rettungsschiff von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée tagelang auf dem Mittelmeer umher - mit Hunderten Flüchtlingen an Bord. Kein europäisches Land wollte die Retter und die Geretteten an Land lassen, ehe die neue spanische Regierung das Boot in Valencia einlaufen ließ.

Gegenwärtig ist die "Aquarius" wieder auf hoher See - nach zwei Rettungseinsätzen. Bei einer ersten Aktion am Freitagmorgen rettete das Schiff nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen 25 Menschen von einem Holzboot etwa 26 Seemeilen nördlich der libyschen Hafenstadt Suara. Bei einem zweiten Rettungseinsatz seien später etwa 24 Seemeilen nördlich von Abu Kammasch 116 Menschen an Bord genommen worden, darunter 67 Minderjährige. Bei den Flüchtlingen habe es sich hauptsächlich um Somalier und Eritreer gehandelt.

"Sicher nicht in einem italienischen Hafen"

Die Betreiber der "Aquarius" fordern nun die europäischen Regierungen auf, dem Schiff nach geltendem internationalen Seerecht einen sicheren Hafen zu gewähren, um die Geretteten an Land bringen zu können. Italiens Innenminister Matteo Salvini lehnt das kategorisch ab. Das Schiff "wird sicher nicht in einem italienischen Hafen anlanden", sagte der Chef der rechten Lega am Samstag in einem Radiointerview.

Da auch kein anderes europäisches Land bislang einen Hafen angeboten hat, fährt die "Aquarius" "nun Richtung Norden, um dort bei Seenotleitstellen einen sicheren Hafen anzufragen", wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Zudem schreiben die Betreiber des Schiffes weiter, es sei beunruhigend, "dass Gerettete an Bord der Besatzung berichteten, dass sie vor der Rettung durch die Aquarius fünf verschiedene Schiffe antrafen, diese aber keine Hilfe leisteten." Dieses Verhalten stellt einen klaren Bruch mit einem maritimen Grundprinzip dar, wonach hilfesuchende Menschen in Seenot zu retten sind.

dop/AP/AFP/dpa

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