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Politik

Lange Haftstrafe

Gericht in Myanmar lehnt Berufung von Reportern ab

Weil sie "Staatsgeheimnisse" verraten haben sollen, wurden zwei Reuters-Journalisten in Myanmar zu sieben Jahren Haft verurteilt. Ihre Berufung ist nun abgelehnt worden. Die Nachrichtenagentur reagiert mit scharfer Kritik.

REUTERS

Protest für Wa Lone und Kyaw Soe Oo

Freitag, 11.01.2019   10:16 Uhr

Ein Gericht in Myanmar hat die Berufung von zwei Reuters-Journalisten gegen ihre Haftstrafe zurückgewiesen. Der 32 Jahre alte Wa Lone und der 28 Jahre alte Kyaw Soe Oo waren Anfang September zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Diese Entscheidung sei "nicht falsch" und "vernünftig", befand ein Richter. Die Reporter können nun noch vor das Oberste Gericht ziehen.

Reuters kritisierte die Entscheidung scharf: "Das heutige Urteil ist eine weitere Ungerechtigkeit von vielen, die Wa Lone und Kyaw Soe zugefügt worden sind. Sie bleiben aus einem einzigen Grund hinter Gittern: Diejenigen, die an der Macht sind, versuchen, die Wahrheit zu unterdrücken", erklärte Reuters-Chefredakteur Stephen J. Adler in einer Mitteilung.

"Zu berichten ist kein Verbrechen. Und bis Myanmar dieses schreckliche Unrecht richtigstellt, sind die Medien in Myanmar nicht frei, und Myanmars Einsatz für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bleibt zweifelhaft", hieß es weiter.

Polizist spricht von Falle der Sicherheitsbehörden

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verfügten die beiden Reuters-Mitarbeiter über geheime Informationen über Sicherheitseinsätze in der Region Rakhine, wo die Armee brutal gegen die Rohingya-Minderheit vorgegangen war. Basierend auf einem Gesetz aus der Kolonialzeit wurden die Reporter für schuldig befunden, "Staatsgeheimnisse" verraten zu haben.

Nach Angaben eines Polizisten, der in einer Voranhörung aussagte, waren die beiden in eine Falle der Sicherheitsbehörden getappt. Der Polizeizeuge belastete einen Vorgesetzten. Dieser habe die Übergabe geheimer Dokumente an die Journalisten angeordnet, um sie anschließend festnehmen zu lassen. Nach Überzeugung der Nachrichtenagentur sollten die Reuters-Mitarbeiter damit zum Schweigen gebracht werden, nachdem sie ein Massaker an zehn Rohingya untersucht hatten. Beide wurden zusammen mit anderen Journalisten vom "Time Magazin" zu Personen des Jahres gekürt.

Die muslimische Minderheit der Rohingya wird im ehemaligen Birma seit Jahrzehnten unterdrückt und verfolgt. Die Lage eskalierte im August 2017, nachdem Rohingya-Rebellen bei Angriffen mehrere Grenzwächter töteten. Das Militär in dem mehrheitlich buddhistischen Land reagierte mit Gegengewalt - fast 700.000 Menschen flohen ins Nachbarland Bangladesch. Uno-Ermittler sprechen von Völkermord.

aev/AFP

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