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Politik

Protest gegen Neonazi-Marsch in Washington

"Hass ist hier nicht willkommen"

Es sollte eine Demonstration der Stärke sein. Doch nur knapp 20 Rechtsextreme kamen nach Washington - wo sie von Tausenden Protestierenden niedergebrüllt wurden. Doch sie haben einen mächtigen Freund: Donald Trump.

DPA
Aus Washington berichtet
Montag, 13.08.2018   06:29 Uhr

Der Marsch wird zum Märschlein. Höchstens zwei Dutzend Männer sind gekommen, grimmig schlurfen sie über die Pennsylvania Avenue. Eskortiert von Polizisten und Tausenden brüllenden Gegendemonstranten haben sich einige schützend in große Sternenbanner gewickelt. Andere tragen rote Kappen mit der Aufschrift "Make America Great Again" - Donald Trumps Wahlkampfslogan.

Das soll sie also sein, die Koalition aus Rechtsextremen, Neonazis, Antisemiten und Ku-Klux-Klan-Erben, vor der alle Angst haben. Ein kläglicher Haufen, der zum Jahrestag der Ausschreitungen von Charlottesville noch mal Stärke zeigen will - diesmal dreist direkt am Weißen Haus, dem Amtssitz "ihres" Präsidenten.

Seit Wochen wappnet sich Washington für den Aufmarsch der Ultrarechten. Denn die Ereignisse von Charlottesville schockieren bis heute: Mehr als 700 Alt-Right-Jünger marschierten damals offen durch die Universitätsstadt in Virginia. Einer steuerte seinen Wagen in eine Menschengruppe und tötete eine 32-Jährige.

Solche Szenen wiederholen sich am Sonntag nicht. Die mehr als 3000 Protestierende sind den Neonazis derart überlegen, dass sie sie nicht nur niederbrüllen, sondern in jeder Hinsicht überwältigen. Für einen Tag zumindest.

Was nicht heißt, dass Amerikas Rechte klein beigibt. Ihr mächtigster Fürsprecher bleibt Trump, der ihre Parolen in konkrete Politik verwandelt.

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Charlottesville: Demontrationen zum Jahrestag

Doch diesmal wagen sich nur etwa 20 von ihnen in die US-Haupstadt, ein Bruchteil der 400, die sich angekündigt hatten. "Wir kämpfen für die Bürgerrechte der Weißen", sagt ihr Anführer Jason Kessler, 34, ein stolz selbst ernannter Rassist, als sie sich im Vorort Vienna in die U-Bahn hocken. Wie diese "weißen Bürgerrechte" bedroht sind? Das will Kessler nicht sagen.

Als sie in der Downtown aus der Metro kommen, erwartet sie Gegröle: "Verpisst euch, Nazis!" Dutzende Polizisten bilden einen Wall zwischen wütenden Bürgern und unerwünschten Fremden. Die bieten einen tristen Anblick mit ihren Schlabber-Shorts und Schildern ("Stoppt den weißen Genozid", "White Lives Matter"). Schwitzend schleppen sie sich zum Weißen Haus, wo man ihnen ein "Meinungsfreiheits"-Karree reserviert hat, in sicherer Entfernung der Antifaschisten am anderen Ende des Lafayette Parks. "Schande! Schande! Schande!", hört man die skandieren.

Hitler im Weißen Haus

Die Gegendemonstranten sind eine bunte Koalition aus Einzelgruppen: Black Lives Matter, LGBT-Organisationen, Demokraten, Sozialisten, Feministen, Studenten, Antifa. Ihnen schließen sich andere an, die sich den Aufmarsch von Rechten ebenfalls nicht bieten lassen wollen. "Ich stand schon 1968 an genau dieser Stelle und habe gegen Nazis protestiert", sagt Rex Booth, 70, aus Fredericksburg bei Washington. Damals hießen die noch offiziell American Nazi Party und huldigten Hitler. "Auf einmal kommen sie wieder, und Hitler wohnt jetzt da", fügt Booth hinzu - und zeigt aufs Weiße Haus.

"Rassismus ist unamerikanisch", steht auf einem Schild. Es gehört einem weißen Ehepaar, beide Soldaten, weshalb sie ihre Namen nicht nennen, da das Militär politische Proteste nicht gutheißt. "Ich kämpfe für die Meinungsfreiheit aller", sagt der Mann. "Aber nicht, damit sie Nazi-Mist propagieren."

Video: Ein Jahr nach Charlottesville - diesmal ohne Hakenkreuze?

Foto: AP

Charlottesville wurde überrascht. Washington (47,1 Prozent Schwarze, 36,8 Prozent Weiße) ist gerüstet für den solchen Spuk seit 1926, als der KKK in weißen Kapuzen über die Pennsylvania Avenue stolzierte, 50.000 Mann stark.

Die Polizei versucht die paar Rechtsextremen getrennt zu halten von denen, die sich gegen sie wehren. Das klappt nicht immer, doch die einzigen Rangeleien gibt es zwischen Cops und Antifa-Gruppen. Ein Plan, die Rechten zur Sicherheit in "privaten" U-Bahn-Wagen an- und abzutransportieren, wurde wieder abgeblasen, als sich die meist schwarzen Angestellten dem verweigerten.

Manche Restaurants im Viertel schließen vorzeitig. Der Trendladen "Lincoln" zwei Blocks vom Lafayette Park entfernt hat eine Warnung ins Fenster gehängt: "Wir sind ein Ort der Toleranz", steht da. "Hass ist hier nicht willkommen."

Wie Trump Rassisten beflügelt

Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die rechte Szene unter Trump weiter Aufwind spürt. Watchdog-Gruppen vermelden einen steilen Anstieg rechtsextremer und antisemitischer Gewalttaten. Rassisten kandidieren offen für den Kongress. Zugleich wertet die Trump-Regierung den radikalen Rand zur amtlichen Linie auf - vor allem mit ihrer Einwanderungspolitik gegen Nichtweiße.

Trump selbst keilt immer öfter gegen Minderheiten: schwarze Sportler, Politiker, Journalisten. Und auch diesmal distanziert er sich nicht von den Rechten - sondern überlässt das Tochter Ivanka. Er verurteile "alle Formen" von Gewalt, twittert er. Wie nach Charlottesville, als er die "sehr feinen Leute auf beiden Seiten" lobte.

Einer der Organisatoren von Charlottesville war Jason Kessler. Dass seine Demo jetzt so mickrig ausfällt, liegt auch daran, dass sich die Planer zuvor heillos zerstritten haben. Zumal viele der Charlottesville-Beteiligten bis heute juristisch belangt werden, ihre Internet-Domains verloren haben oder ihre Jobs.

"Viele haben dieses Jahr viel Angst", jammert Kessler. Der Rest geht im Geschrei der Gegendemonstranten unter. Dann entlädt sich ein schweres Gewitter über dem Park. Die Gruppe Rechter krabbelt in zwei weiße Kleinbusse und entfleucht.

insgesamt 77 Beiträge
Listkaefer 13.08.2018
1. Wie Trump in diesem Artikel ...
... mit den Radikalen verbunden wird, das ist etwas abenteuerlich! Er mag sich in Charlotteville mit den Chaoten solidsarisiert haben, aber aus dieser Demo vor seinem Amtssitz hielt er sich heraus. Seine Nähe zu dem rechten Pack [...]
... mit den Radikalen verbunden wird, das ist etwas abenteuerlich! Er mag sich in Charlotteville mit den Chaoten solidsarisiert haben, aber aus dieser Demo vor seinem Amtssitz hielt er sich heraus. Seine Nähe zu dem rechten Pack kann man vermuten - aber für einen massiven Vorwurf gegen Trump reicht das in diesem Fall nicht.
ichsagwas 13.08.2018
2. verzerrtes Bild der Wirklichkeit
Lächerliche 20 Männchen haben in Washington demonstriert. Das wäre normalerweise keine Meldung wert, denn das ist wirklich nicht mehr, als der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umgefallen ist. Um Stimmung zu machen in [...]
Lächerliche 20 Männchen haben in Washington demonstriert. Das wäre normalerweise keine Meldung wert, denn das ist wirklich nicht mehr, als der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umgefallen ist. Um Stimmung zu machen in eine bestimmte politische Richtung, wird so ein Ereignis von den Medien trotzdem ausgeschlachtet. Die Journalisten dürfen sich dann aber nicht wundern, wenn ihnen Fake News vorgeworfen werden, in vielen Fällen zugegebenermaßen zwar undifferenziert und hasserfüllt, aber halt doch nicht ganz ohne Grundlage. Die Auswahl der nachrichtenwürdigen Ereignisse und ihre Platzierung, völlig unabhängig vom Inhalt, kann ganz schnell ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit erzeugen. Die sogenannten Qualitätsmedien bewegen sich dann auf demselben Niveau von BILD, Sun, Fox News und Co.
grey_mouser 13.08.2018
3. @1 & @3 Nette Umschreibung,...
...die "Chaoten" sind "jews will not replace us"-rufend durch die Straßen gezogen und einer von ihnen hat eine Gegendemonstrantin mit seinem Auto getötet. Und von diesen Leuten hat sich Trump nicht [...]
...die "Chaoten" sind "jews will not replace us"-rufend durch die Straßen gezogen und einer von ihnen hat eine Gegendemonstrantin mit seinem Auto getötet. Und von diesen Leuten hat sich Trump nicht überzeugend distanziert, seine Distanzierung (bei seinem zweiten Interview zur Unite the Right-Demo), ist nicht ernstzunehmen, da er das gleich schon am nächsten Tag wieder relativiert hat mit seiner Aussage, dass es Hass und Gewalt, aber auch sehr gute Leute, auf vielen Seiten gäbe. Nochmal zum mitschreiben: Nazis laufen Parolen skandierend durch die Straßen und bringen einen Menschen um, aber der Präsident des Landes distanziert sich nicht überzeugend von den Nazis, sondern attackiert auch noch die Gegendemonstranten. Dass es jetzt nur etwa 20 Nazis wurden, hat auch damit zu tun, dass sich nach Charlottesville die Antifa bei jeder Gelegenheit gegen die Nazis gestellt hat, dass Nazis geoutet wurden, ihren Jobs verloren haben. Trotzdem ist es wichtig, dass auch darüber berichtet wird, denn die Nazis müssen mitbekommen, dass sie nicht einfach schalten und walten können, wie sie wollen und sie müssen ihre Niederlagen spüren.
michael.mittermueller 13.08.2018
4.
Niederschreien ist keine Politik. Und es hat weder mit Meinungsfreiheit noch mit Argumentation etwas zu tun. Niederschreien ist eine Form verbaler Bücherverbrennung, das hierzulande noch ergänzt wird durch Ausgrenzungen die [...]
Niederschreien ist keine Politik. Und es hat weder mit Meinungsfreiheit noch mit Argumentation etwas zu tun. Niederschreien ist eine Form verbaler Bücherverbrennung, das hierzulande noch ergänzt wird durch Ausgrenzungen die denen der Zeit des Nationalsozialismus durchaus vergleichbar sind. Dass sich ein normaler Mensch auf diesen Unsinn einlässt und gleichzeitig annimmt etwas positives zu tun ist für mich atemberaubend. Wir hören uns hier die Propaganda totalitärer Bewegungen an. Totalitarismus heißt eben Ausschliesslichkeit. Und Totalitarismus heißt Gewalt. Die Gewalt, die hier auf die Straße getragen wird ist faschistisch. Und mir ist die Argumentation suspekt alles was zur Abwehr von Rechts oder Populistisch verwertbar sei wäre auch legitim. Es war Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontain die postulierten, dass der Begriff Links fremdbesetzt sei und inzwischen nichts mehr mit der ursprünglichen Bedeutung zu tun habe. Ihre Linke Sammlungsbewegung versucht die Rückkehr zu diesem ursprünglichen Linksbegriff, der nicht die z.T. gewaltsame Vertretung von Minderheiten, sondern die soziale Vertretung und Gleichstellung von Bedürftigen Gruppen innerhalb der Gesellschaft zum Ziel hat. Wer Links mit Gewalt gegen Andersdenkende gleichsetzt der missbraucht dieses Wort, zumal wenn er mit keiner Wimper auf die Forderung nach sozialer Ausgeglichenheit in unserer Gesellschaft eingeht. Die Wähler von Trump sind eben diese Gruppe der sozial abgehängten in der USA. Eine Gruppe die immer größer wird. Und es sind eben nicht die großen Parteien oder gar deren Kandidaten die sich auch nur im geringsten um diese Gruppe verdient machen. Wer also hier im Hintergrund eine Anti Trump Kampagne steuert um letztlich den sozialen Ausgleich zu verhindern handelt weder links noch hat er irgend welche Absichten sozialen Ausgleich, ob nun national oder international herbeizuführen. Die Gegendemonstrationen spalten die Gesellschaft und nicht die Demonstrationen. Die Gegendemnostrationen spalten aber insbesondere die Linke. Und das ist vermutlich der Hauptzweck. Es geht darum die Diskussion und vor allem die Umsetzung einer sozialen und wirklich dem Begriff Links entsprechenden Politik bereits im Keim zu ersticken. Ich verstehe nicht weshalb sich SZ, Zeit und Spiegel und viele andere Medien an dieser Form der Menschenjagd beteiligen. Ich verstehe nicht weshalb man mit aller Gewalt einen Zustand herbeiführen will, in dem die Gesellschaft durch demonstrierende und randanllierende Gewalttäter jeder Form zerstört wird. Solche die sich Gegendemonstranten nennen und alles zerschlagen was ihnen in den Weg kommt.
TM74 13.08.2018
5.
Stimmt schon, aber es war ja auch eine größere Demo angenommen worden. Und da in den vergangenen Tagen schon darüber berichtet wurde, dass die Demo passieren würde, ist es nur konsequent, jetzt auch darüber zu berichten [...]
Zitat von ichsagwasLächerliche 20 Männchen haben in Washington demonstriert. Das wäre normalerweise keine Meldung wert, denn das ist wirklich nicht mehr, als der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umgefallen ist. Um Stimmung zu machen in eine bestimmte politische Richtung, wird so ein Ereignis von den Medien trotzdem ausgeschlachtet. Die Journalisten dürfen sich dann aber nicht wundern, wenn ihnen Fake News vorgeworfen werden, in vielen Fällen zugegebenermaßen zwar undifferenziert und hasserfüllt, aber halt doch nicht ganz ohne Grundlage. Die Auswahl der nachrichtenwürdigen Ereignisse und ihre Platzierung, völlig unabhängig vom Inhalt, kann ganz schnell ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit erzeugen. Die sogenannten Qualitätsmedien bewegen sich dann auf demselben Niveau von BILD, Sun, Fox News und Co.
Stimmt schon, aber es war ja auch eine größere Demo angenommen worden. Und da in den vergangenen Tagen schon darüber berichtet wurde, dass die Demo passieren würde, ist es nur konsequent, jetzt auch darüber zu berichten dass sie überraschend klein ausgefallen ist. Ob das vorhersehbar war weiß ich nicht, und will ich mir kein Urteil erlauben (das wäre mein einziger möglicher Ansatzpunkt für Kritik, aber ich bin zu faul das jetzt zu recherchieren)

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