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Politik

Der muslimische Niqab

Die Welt durch den Schleier

In vielen Ländern sehen Frauen die Welt nur durch ein engmaschiges Netz - sie tragen einen Niqab, den Gesichtsschleier der Muslima. Der Fotograf Hassan Ammar hat ihren Blick auf die Welt nachempfunden.

AP
Samstag, 23.05.2015   10:22 Uhr

Für viele muslimische Frauen ist es ein tägliches Ritual - für die westliche Welt ein ungewohnter Anblick: Bevor sie das Haus verlassen, verhüllen strenggläubige Muslima ihr Gesicht mit einem Schleier, dem Niqab.

Die meisten Frauen entscheiden sich freiwillig, den Gesichtsschleier zu tragen. Es ist ihre Form des Bekenntnisses zum Islam - auch wenn der Koran nicht eindeutig vorschreibt, einen Niqab zu tragen. Eine Reihe von Überlieferungen und Traditionen besagt jedoch, dass es sich für eine muslimische Frau nicht ziemt, bloße Haut zu zeigen. Deshalb bedecken viele auch den Rest ihres Körpers mit einem Tschador oder anderen schwarzen Gewändern.

Der Fotograf Hassan Ammar reist für die Nachrichtenagentur AP durch den Nahen Osten. "Ich sehe dort viele Frauen, die einen Niqab tragen", sagt er. "Ebenso viele zeigen sich im Bikini am Strand." Es sei eine persönliche Entscheidung, die jede Frau für sich treffe.

Ammar wollte wissen, wie die Welt durch die Augen einer verschleierten Muslima aussieht: Er hielt einen Niqab vor seine Kamera, während er durch die Straßen von Kairo und Beirut ging. Entstanden sind düstere Bilder: Leuchtende Farben ergrauen, ein sonniger Himmel wirkt dunkel, Gesichter verschwimmen.

Seit der "Islamische Staat" (IS) in Syrien und dem Irak immer größere Gebiete erobert, haben Frauen dort keine Wahl mehr, was sie tragen: Die Terrorgruppe zwingt sie, sich zu verschleiern. "Wenn sie sich weigern, drohen ihnen harte Strafen", erklärt Ammar. "Manchmal sogar der Tod."

Frauen, die einen Niqab tragen, sehen die Welt anders als zuvor. Das Tuch verdeckt meist sogar die Augen und schränkt dadurch das Sichtfeld ein. Verschleierte Frauen können ihre Umgebung also nur noch durch ein engmaschiges Netz sehen. Wenn sie etwas essen oder trinken wollen, müssen sie das Tuch ein Stück anheben - aber nur so weit, dass ihr Gesicht verdeckt bleibt.

kry

insgesamt 36 Beiträge
m.brunner 23.05.2015
1. Freiheit
Gehört das nicht zur grundgewtzl Garantieren Religionsfreiheit? Nicht jeder Mensch muß die gleiche Zukunftsvision wie wir haben. Toleranz und Gleicheit sollten vordergründig sein. Wer sich an die Gesetze des Staates hält, [...]
Gehört das nicht zur grundgewtzl Garantieren Religionsfreiheit? Nicht jeder Mensch muß die gleiche Zukunftsvision wie wir haben. Toleranz und Gleicheit sollten vordergründig sein. Wer sich an die Gesetze des Staates hält, kann machen was er will. Warum muss soetwas hier immer thematisiert werden? Das leistet nur den Islamhassern Vorschub. Darauf kommt es an.
adal_ 23.05.2015
2.
Frauen unter Androhung schwerer Strafen unter den Niquab zu zwingen gehört hierzulande keineswegs zu den grundgesetzlich garantierten Freiheiten.
Zitat von m.brunnerGehört das nicht zur grundgewtzl Garantieren Religionsfreiheit? Nicht jeder Mensch muß die gleiche Zukunftsvision wie wir haben. Toleranz und Gleicheit sollten vordergründig sein. Wer sich an die Gesetze des Staates hält, kann machen was er will. Warum muss soetwas hier immer thematisiert werden? Das leistet nur den Islamhassern Vorschub. Darauf kommt es an.
Frauen unter Androhung schwerer Strafen unter den Niquab zu zwingen gehört hierzulande keineswegs zu den grundgesetzlich garantierten Freiheiten.
kai kojote 23.05.2015
3.
Auch nicht viel anders als die Welt durch eine Sonnenbrille. Und die wird im Westen von vielen getragen. Ob's in islamischen Ländern darüber kritisch angehauchte Fotoserien gibt?
Auch nicht viel anders als die Welt durch eine Sonnenbrille. Und die wird im Westen von vielen getragen. Ob's in islamischen Ländern darüber kritisch angehauchte Fotoserien gibt?
oldskool 23.05.2015
4. ...
sind die Araber außer Landes, ist i.d.R. das erste was sie tun, sich in "normale" Klamotten zu schwingen. Sowohl die Herren aus Saudi Arabien, als auch die Damen. Dann wird auch erstmal ne Schachtel Kippen gekauft und [...]
sind die Araber außer Landes, ist i.d.R. das erste was sie tun, sich in "normale" Klamotten zu schwingen. Sowohl die Herren aus Saudi Arabien, als auch die Damen. Dann wird auch erstmal ne Schachtel Kippen gekauft und das Nachtleben erkundet... Hab ich selbst vielfach erlebt. Die Leute tragen das, weil sie´s müssen, nicht zwangsläufig weil sie´s wollen. Hardliner mal ausgenommen...
cobaea 23.05.2015
5.
Auch wenn etwas gesetzlich völlig in Ordnung ist, kann es doch thematisiert werden. Wir lesen jeden Tag Nachrichten und Reportagen, in denen es nicht um Gesetzesverstösse geht. Wieso sollte das einen Bericht darüber [...]
Zitat von m.brunnerGehört das nicht zur grundgewtzl Garantieren Religionsfreiheit? Nicht jeder Mensch muß die gleiche Zukunftsvision wie wir haben. Toleranz und Gleicheit sollten vordergründig sein. Wer sich an die Gesetze des Staates hält, kann machen was er will. Warum muss soetwas hier immer thematisiert werden? Das leistet nur den Islamhassern Vorschub. Darauf kommt es an.
Auch wenn etwas gesetzlich völlig in Ordnung ist, kann es doch thematisiert werden. Wir lesen jeden Tag Nachrichten und Reportagen, in denen es nicht um Gesetzesverstösse geht. Wieso sollte das einen Bericht darüber ausschliessen, wie die Welt aussieht, wenn man sie durch einen Niqab betrachtet? Islamhasser werden davon weder angeheizt noch anderen Sinnes: Sie hassen sowieso bereits und sind Argumenten kaum oder gar nicht zugänglich. Wenn der Niqab freiwillig getragen wird, ist wenig dagegen einzuwenden. Allerdings darf man auch fragen, wie freiwillig solch eine Entscheidung getroffen wird, wenn eine Weigerung eine soziale Ausgrenzung nach sich zieht oder Stigmatisierung - wie in grossen Teilen Afghanistans - oder - wie in Saudi-Arabien - Bestrafung. Eine andere Frage ist doch: Wie sehen sich eigentlich die Männer in Ländern, in denen solche Verhüllung üblich ist? Denn die Frauen sollen sich ja verhüllen, um die Männer nicht sexuell zu erregen. Ich würde mich als Mann dafür bedanken, dass man mir nicht zutraut, mich so weit im Griff zu haben, dass ich beim Anblick einer unverschleierten Frau nicht zu sabbern anfange. Für Mitteleuropa: Ich würde gerne das Gesicht der Person sehen, mit der ich spreche und nicht nur einen dunklen Vorhang. Zudem dürfte die Ausübung vieler Berufe in solch einem "Kaffeewärmer" nicht möglich sein. Deshalb geht eben mit der Vollverschleierung meistens auch soziale Einschränkung einher.
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