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Politik

Pompeo in Pjöngjang

Nordkorea lässt drei US-Bürger frei

Das nächste Zeichen der Entspannung: Mike Pompeo befindet sich auf dem Rückflug aus Nordkorea - laut Donald Trump zusammen mit drei Amerikanern, die in Haft waren und nun frei sind.

DPA

US-Außenminister Mike Pompeo

Mittwoch, 09.05.2018   17:29 Uhr

Vor dem geplanten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un sind drei in dem ostasiatischen Land inhaftierte US-Bürger freigelassen worden. Trump teilte am Mittwoch via Twitter mit, die drei Männer befänden sich zusammen mit US-Außenminister Mike Pompeo auf dem Rückflug aus Nordkorea. Pompeo war zur Vorbereitung des Gipfels bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen in das Land gereist.

In der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) soll der Außenminister zusammen mit seinen Landsmännern Kim Dong Chul, Kim Hak Song und Tony Kim nahe Washington landen. Trump wolle sie persönlich auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews begrüßen.

Bei den Freigelassenen handelt es sich um zwei Dozenten der aus dem Ausland finanzierten Universität für Wissenschaft und Technologie in Pjöngjang sowie einen Missionar. Laut Trump scheinen sie bei guter Gesundheit zu sein. Evangelikale Christen hatten die Universität in Pjöngjang im Jahr 2010 eröffnet. US-Regierungsvertreter hatten Nordkorea gedrängt, vor dem Gipfel die US-Bürger als Zeichen guten Willens freizulassen.

Ort und Zeit für Treffen zwischen Trump und Kim stehen fest

Der in Südkorea geborene US-Bürger Kim Dong Chul wurde in Nordkorea vor zwei Jahren wegen angeblicher Umsturzversuche zu zehn Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt. Kim Hak Song wurde in Nordkorea vor einem Jahr wegen des Vorwurfs feindseliger Handlungen festgenommen. Nach Berichten amerikanischer Medien ist Kim ebenfalls koreanischer Abstammung und wurde in China geboren. Tony Kim wurde ebenfalls vor gut einem Jahr in Nordkorea festgenommen. Auch ihm wurde feindseliges Verhalten vorgeworfen. Trump und Kim Jong Un wollen Ende Mai oder Anfang Juni zusammenkommen. Der US-Präsident schrieb in seinem Tweet weiter, Ort und Zeit für das Treffen stünden fest.

Die nordkoreanischen Behörden hatten in den vergangenen Jahren neben einzelnen US-Bürgern auch immer wieder Südkoreaner und andere Ausländer festgenommen, in der Regel wegen des Vorwurfs "feindseliger Handlungen". Nach Meinung von Beobachtern spielten die betroffenen Amerikaner auch als potenzielle Verhandlungskarte eine Rolle.

Für besonders großes Aufsehen hatte der Fall Otto Warmbier gesorgt. Ende 2015 war der damals 21 Jahre alte US-Student nach einer Gruppenreise in dem Land bei der Ausreise festgenommen und wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Er wurde wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig entlassen. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 2017 starb er - er hatte damals bereits 15 Monate lang im Koma gelegen.

Warmbiers Familie hatte die nordkoreanische Regierung zuletzt wegen "brutaler Folter und Mordes" verklagt. Die Einreichung der Klage beim Bundesgericht in der Hauptstadt Washington erfolgte nur einen Tag vor dem historischen Gipfeltreffen von Nord- und Südkorea im Grenzort Panmunjom.

aev/AFP/dpa

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Nord- und Südkorea

Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS

Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP

Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke

Militär in Nord- und Südkorea

Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76

(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

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