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Politik

Verhandlungen mit Nordkorea

China pocht auf Mitsprache

Bald will sich US-Präsident Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim treffen. China fürchtet, bei den Friedensverhandlungen an den Rand gedrängt zu werden - und betont die eigene "positive Rolle".

AFP

Chinas Außenminister Wang Yi, nordkoreanischer Amtskollege Ri Yong Ho in Pjöngjang

Von
Donnerstag, 03.05.2018   15:16 Uhr

Drei wichtige Unterschriften besiegelten vor fast 65 Jahren das Waffenstillstandsabkommen auf der koreanischen Halbinsel. Die USA als Vertreter der Vereinten Nationen, Nordkorea und China unterschrieben das Papier - der damalige südkoreanische Präsident Syngman Rhee verweigerte die Signatur, akzeptierte die Vereinbarungen aber. Nun wird wieder um Frieden zwischen Nord- und Südkorea gerungen, doch eine Partei hat Sorge, dabei nicht mehr in der ersten Reihe zu sitzen: China, Nordkoreas wichtigster Verbündeter.

Die südkoreanische Führung ist offenbar nicht besonders erpicht darauf, Vertreter aus Peking an den Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung und einem etwaigen Friedensvertrag teilnehmen zu lassen. In der gemeinsamen Erklärung nach dem Treffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In heißt es, diese könnten zu viert - zwischen Süd- und Nordkorea, USA und China - stattfinden, oder auch zu dritt. In diesem Fall wäre Peking tatsächlich außen vor.

Um dem vorzubeugen, schickte die chinesische Regierung nur Tage nach dem historischen Gipfel zwischen Kim und Moon ebenfalls einen hochrangigen Vertreter nach Pjöngjang. Außenminister Wang Yi ließ am Mittwoch wissen, dass China einen engeren Kontakt zu Nordkorea suche und weiter eine "positive Rolle" bei der Suche nach einer Lösung des Konfliktes spielen wolle. Peking habe volles Verständnis für die Sicherheitsbedenken Nordkoreas - das sich ohne Atomwaffen bislang schutzlos gegenüber den USA sah - und sichere seine volle Unterstützung zu.

Bonnie Glaser vom Centre for Strategic and International Studies in Washington sagte der "South China Morning Post", für Peking sei es inakzeptabel, aus dem Friedensprozess ausgeschlossen zu werden. "Die Chinesen wollen sicherstellen, dass sie mit am Tisch sitzen und den Prozess beeinflussen können", so Glaser. Deshalb sei nun auch Wang nach Pjöngjang geschickt worden. "Er will dort herausfinden, wie die Vorbereitungen zu dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump laufen."

Drei Optionen: Panmunjom, Singapur, Mongolei

Die Details dazu sind noch nicht endgültig geklärt. Zwischen Ende Mai und Anfang Juni soll es so weit sein, doch der genaue Ort für die historischen Gespräche steht bislang nicht fest. Trump selbst hatte Panmunjom in der entmilitarisierten Zone vorgeschlagen, wo ein Treffen auf beiden Seiten der streng gesicherten Grenze stattfinden könnte.

Dort hatten sich auch schon Moon und Kim getroffen. Dem US-Sender CNN zufolge soll Trump von den historischen Bildern der beiden an der Grenze so beeindruckt gewesen sein, dass er den Ort nun selbst favorisiere. Reportern sagte er am Montag: "Ich mag es einfach. Wenn alles so läuft wie geplant, könnte es gleich eine große Feier dort geben, nicht in einem anderen Land."

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Treffen von Kim und Moon: Ein Schritt nach vorn

Seine Berater allerdings favorisieren eine Lösung jenseits der entmilitarisierten Zone. Im Gespräch sind vor allem Singapur und Ulan Bator, Hauptstadt der Mongolei. Beide haben diplomatische Verbindungen sowohl zu Washington als auch zu Pjöngjang. Ulan Bator hätte zudem den Vorteil, dass es relativ dicht an Nordkorea liegt. Das würde Kim eine Anreise mit seiner gepanzerten Privatbahn möglich machen - so wie er es auch schon für seinen Besuch in Peking im März vorgezogen hatte.

Truppenstationierung unabhängig vom Friedensvertrag

Ein weiteres Thema, über das derzeit angesichts des Friedensprozesses diskutiert wird, ist die Zukunft des US-Militärs in Südkorea. Derzeit sind etwa 28.500 Soldaten dort stationiert, regelmäßig finden gemeinsame Übungen statt. Nach Informationen aus Südkorea ist der Norden von seiner Position, den US-Truppenabzug als Vorbedingung für Friedensgespräche zu stellen, abgerückt.

Die Stationierung sei ein Thema zwischen Südkorea und den USA, sagte der Sprecher des südkoreanischen Präsidialamtes, Kim Eui Kyeom. "Sie hat nichts zu tun mit der Unterzeichnung von Friedensverträgen." Der Sprecher reagierte damit auf einen Gastbeitrag des Präsidentenberaters Moon Chung In, wonach es schwierig werden dürfte, die Präsenz von US-Soldaten in Südkorea zu rechtfertigen, wenn Nord- und Südkorea einmal einen Friedensvertrag unterzeichnet hätten.

Soweit ist es ohnehin noch lange nicht. Als nächster Programmpunkt steht ein Dreiertreffen zwischen dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe, Chinas Premier Li Keqiang und dem südkoreanischen Präsidenten Moon an. Moon will dabei von seinem Treffen mit Kim berichten.

Endlich Verständlich - Alle Fakten zu Nordkorea

insgesamt 17 Beiträge
joG 03.05.2018
1. Über zwei Jahrzehnte hat China....
....sich Mühe gegeben und alle Versuche Korea zum Einlenken zu bringen damit verhindert. Nun hat jemand glaubhaft gemacht, dass China Kim nicht retten würde und Chinas Gerede von politischen Lösungen ohne Lösung nicht mehr die [...]
....sich Mühe gegeben und alle Versuche Korea zum Einlenken zu bringen damit verhindert. Nun hat jemand glaubhaft gemacht, dass China Kim nicht retten würde und Chinas Gerede von politischen Lösungen ohne Lösung nicht mehr die Konfrontation hinauszögern werden.
studibaas 03.05.2018
2. Die für mich logische Konsequenz:
Friedensgespräche zu zweit statt zu dritt. Damit wären die beiden großen Kriegstreiber in diesen Stellvertreterkrieg außen vor.
Friedensgespräche zu zweit statt zu dritt. Damit wären die beiden großen Kriegstreiber in diesen Stellvertreterkrieg außen vor.
SPONU 03.05.2018
3. Hat China nicht gerade...
....Marschflugkörper auf den Spratly Islands stationiert? Damit auch jedem Akteur klar wird, was die Stunde geschlagen hat. Mag sein dass es noch Millionen armer Bauern in China gibt aber der Staat selbst fühlt sich (zurecht) [...]
....Marschflugkörper auf den Spratly Islands stationiert? Damit auch jedem Akteur klar wird, was die Stunde geschlagen hat. Mag sein dass es noch Millionen armer Bauern in China gibt aber der Staat selbst fühlt sich (zurecht) inzwischen als Supermacht. Und dort wo China Vorteile für sich sieht wird China hingehen. Soll sich keine westliche Macht mehr einbilden, bei geostrategischen Themen irgendwas ohne China durchsetzen zu können. Leider amtet derzeit ein Laiendarsteller im Weissen Haus der sich einen Furz um sein Land schert oder den Weltfrieden schert. Das ganze Getöse um MAGA ist Futter für die Doofen, die nicht merken sollen dass sie vollends abgezockt werden. Und diesem intellektuellen Ultraleichtgewicht stehen nun chinesische Player gegenüber die multidimensionales Schach als mentale Lockerungsübung spielen. Die Strategie nicht für die nächsten fünf sondern fünfzig Jahre entwerfen. Gute Nacht.
birdie 03.05.2018
4. Das hat sich das t-Rumpelstielzchen wohl etwas anders ...
vorgestellt. Denn es engt seinen Handlungsspielraum merklich ein, wenn eine weitere Grossmacht - gegen die er doch so gerne einen Handelskrieg führen möchte - als gleichberechtigter Partner mit am Tisch sitzt. Hätte DT vorher [...]
vorgestellt. Denn es engt seinen Handlungsspielraum merklich ein, wenn eine weitere Grossmacht - gegen die er doch so gerne einen Handelskrieg führen möchte - als gleichberechtigter Partner mit am Tisch sitzt. Hätte DT vorher in diplomatischen Kategorien nachgedacht - was er nicht kann - hätte er von sich aus als Erster die Chinesen zu einer Teilnahme an den Verhandlungen höflich gebeten. Unsere Bundskanzlerin hätte das so gemacht, weil sie immer strategisch langfristig denkt.
postatspiegel 03.05.2018
5. Stell dir vor,
du willst Frieden und keiner lässt dich. Jetzt wird's wirklich skuril. Es geht immer nur um eines: Macht. Das kann so ermüdend sein. Kann man diese Pfeifen denn nicht irgendwie einbremsen? Ein einziges Kasperltheater, diese [...]
du willst Frieden und keiner lässt dich. Jetzt wird's wirklich skuril. Es geht immer nur um eines: Macht. Das kann so ermüdend sein. Kann man diese Pfeifen denn nicht irgendwie einbremsen? Ein einziges Kasperltheater, diese Altmännervereine.

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