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Politik

Trotz Drohung aus Pjöngjang

USA bestehen auf Denuklearisierung Nordkoreas

Steht das historische Treffen zwischen Kim Jong Un und Donald Trump auf der Kippe? Entsprechende Drohungen aus Pjöngjang würden ihn nicht von seinen Forderungen abbringen, verkündete der US-Präsident nun.

AP

Donald Trump

Mittwoch, 16.05.2018   19:39 Uhr

Das Weiße Haus wusste offenbar von nichts, als die ersten Meldungen aufkamen: Nordkorea ließ ein hochrangiges Treffen mit Südkorea platzen. Auch das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Machthaber Kim Jong Un könnte abgesagt werden, drohte Pjöngjang. Auf die Frage, ob er im Vorfeld über eine mögliche Absage informiert worden sei, hat Trump nun klargestellt: "Wir haben nichts gesehen, wir haben nichts gehört".

Bislang ist geplant, dass sich Kim und Trump am 12. Juni im Stadtstaat Singapur treffen (mehr Details dazu erfahren Sie hier). Auch angesichts der Drohungen will Trump an seiner Forderung nach einer Denuklearisierung Nordkoreas festhalten. Auf eine entsprechende Frage am Rande des Besuches des usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijajew in Washington antwortete Trump: "Ja!".

Sicherheitsberater John Bolton bekräftigte die harte Linie gegenüber Machthaber Kim. "Wir werden alles tun, damit das Treffen erfolgreich verläuft. Aber wir werden nicht vom Ziel des Treffens abrücken, und das ist eine komplette, verifizierbare und unumkehrbare Denuklearisierung Nordkoreas", sagte er. Sarah Sanders, Sprecherin des Weißen Hauses, sagte, die Vorbereitungen für das Gipfeltreffen gingen auf US-Seite weiter.

Hintergrund des Ärgers in Nordkorea sind US-Militärmanöver mit Südkorea. Nordkorea sieht darin eine Provokation. Die USA argumentieren, die Militärübungen seien rein defensiver Natur, Kim aber habe sich in der Vergangenheit damit einverstanden erklärt.

Video zu "Max Thunder": USA und Südkorea proben Szenarien gegen Nordkorea

Foto: AP

Die zweiwöchige Militärübung "Max Thunder" simuliere einen Angriff auf den Norden und sei eine "bewusste militärische Provokation", kritisierte die von Kim als Sprachrohr genutzte Nachrichtenagentur KCNA. Nordkoreas Vize-Außenminister Kim Kye Gwan warf der Regierung in Washington zudem vor, sein Land in eine Ecke treiben zu wollen, um es zum einseitigen Verzicht auf Atomwaffen zu zwingen.

Kim hatte sich bei seinem Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In Ende April selbst zu einer "kompletten Denuklearisierung" bereiterklärt. Unklar blieb, was das im Detail bedeutet und wie und bis wann dies erfolgen soll.

China rief die USA und Nordkorea zu Kompromissen auf. Das Treffen der politischen Führer beider Länder sei eine "wichtige Chance" für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel, erklärte das Außenministerium in Peking.

Auch Russland hofft weiter auf ein erfolgreiches Gipfeltreffen Nordkorea-USA. "Wir beobachten, dass die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abnehmen", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Sie lobte die Entscheidung Nordkoreas, das Atomtestgelände Punggye Ri zu schließen.

vks/dpa/AP

insgesamt 47 Beiträge
newera2100 16.05.2018
1. Atomwaffen
Wer anderen die Entwicklung von Atomwaffen verbieten will, sollte sich erst einmal dazu verpflichten sein eigenes Arsenal zu recyclen; alles andere ist eine unglaubliche Anmassung. Und das gilt sowohl bzgl. Nordkorea als auch dem [...]
Wer anderen die Entwicklung von Atomwaffen verbieten will, sollte sich erst einmal dazu verpflichten sein eigenes Arsenal zu recyclen; alles andere ist eine unglaubliche Anmassung. Und das gilt sowohl bzgl. Nordkorea als auch dem Iran. Pakistan, Indien, Israel haben auch Atomwaffen.. eine Handvoll Nukes zu haben ist also schon lange nicht mehr das Privileg eines elitären Clubs - und wer könnte heute noch behaupten die Führungen des Iran oder selbst Kim wären "unberechenbarer" als jene der USA selbst!?
Gmorker 16.05.2018
2. Unumkehrbar?
"komplette, verifizierbare und unumkehrbare Denuklearisierung " - Wie kann man denn eine unumkehrbare Denuklearisierung erreichen, wenn letztlich alleine das Wissen und die generelle Verfügbarkeit von spaltbarem [...]
"komplette, verifizierbare und unumkehrbare Denuklearisierung " - Wie kann man denn eine unumkehrbare Denuklearisierung erreichen, wenn letztlich alleine das Wissen und die generelle Verfügbarkeit von spaltbarem Material ausreicht, um eine Nuklearisierung durchzuführen. Solange es spaltbares Material und das Wissen irgendwo auf der Welt gilt, ist die Denuklearisierung auch theoretisch umkehrbar, notfalls indem man bei Null wieder anfängt. ... Natürlich sind das jetzt politische Spielchen, die Nordkorea da treibt, aber ein Militärmanöver abzuhalten, das einen Angriff auf den Norden simuliert, während der Norden endlich die Kriegsrhetorik runterschraubt, zeugt meines Erachtens auch nicht grade von Weitsicht. Der Satz von Trump "Wir haben nichts gesehen, wir haben nichts gehört" scheint allerdings Kernsatz seiner gesammten Administration und Präsidentschaft zu sein ;)
dirk1962 16.05.2018
3. Ein Trauerspiel
Nun gibt es eine echte Chance auf Gespräche mit Nordkorea und Trump riskiert deren Absage, um bei seiner Forderung zu bleiben. Kim wird schnell jedes Interesse verlieren, wenn er wie ein Bittsteller behandelt wird.
Nun gibt es eine echte Chance auf Gespräche mit Nordkorea und Trump riskiert deren Absage, um bei seiner Forderung zu bleiben. Kim wird schnell jedes Interesse verlieren, wenn er wie ein Bittsteller behandelt wird.
neutralfanw 16.05.2018
4.
Glaubt Trump, dass er weiterhin seine Spielchen spielen kann? Warum jetzt dieses Manöver vor Kim‘s Nase? Auch Trump muss Kompromisse eingehen, sonst wird das nichts mit dem Kim-Gespräch. Den gemeinsamen Auftritt und die Fotos [...]
Glaubt Trump, dass er weiterhin seine Spielchen spielen kann? Warum jetzt dieses Manöver vor Kim‘s Nase? Auch Trump muss Kompromisse eingehen, sonst wird das nichts mit dem Kim-Gespräch. Den gemeinsamen Auftritt und die Fotos dazu sind doch das eigentliche Ziel von Trump.
hugahuga 16.05.2018
5.
Wenn man sich das Video und die Begründung für die Manöver - ausgerechnet jetzt, wo es Licht am Horizont zu geben scheint, ansieht, dann fällt einem zur US amerikanischen Politik nur der Vergleich mit der "Axt im [...]
Wenn man sich das Video und die Begründung für die Manöver - ausgerechnet jetzt, wo es Licht am Horizont zu geben scheint, ansieht, dann fällt einem zur US amerikanischen Politik nur der Vergleich mit der "Axt im Walde" ein. Es kann eigentlich nicht mehr lange dauern, bis die Vorherrschaft des Hegemons gebrochen wird - denn dass 330 Mill US Amerikaner den Rest der Welt nach ihrer Pfeife tanzen lassen wollen, kann nur in einem Desaster enden.

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