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Politik

Proteste in Paris eskalieren

Polizei setzt Tränengas gegen "Gelbwesten" ein

Proteste der "Gelbwesten" sind in Frankreich offenbar erneut eskaliert. Die Pariser Polizei setzte Tränengas ein - und nahm etliche Demonstranten fest, die Waffen dabei hatten.

Foto: DPA
Samstag, 08.12.2018   13:25 Uhr

Bei den Protesten der "Gelbwesten" in Paris ist es zu ersten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Polizisten setzten laut Medienberichten Tränengas ein.

Zu dem Zusammenstoß kam es demnach bei einer Kundgebung in einer Seitenstraße des Prachtboulevards Champs-Élysées. Mehrere Demonstranten sollen Böller auf die Polizei geworfen haben.

Es seien 481 Personen festgenommen worden, 211 seien in Polizeigewahrsam, sagte Frankreichs Premierminister Édouard Philippe in einer ersten Bilanz. Man habe teilweise gefährliche Gegenstände wie Hammer oder Baseballschläger bei ihnen gefunden, sagte eine Polizeisprecherin.

Die "Gelbwesten" verursachten zudem massive Verkehrsbehinderungen in der französischen Hauptstadt. Hunderte Demonstranten blockierten zeitweise die wichtige Ringautobahn Périphérique. Die Polizei löste die Blockade auf, ohne dass es zu Zusammenstößen kam.

Reportage

Frankreichs Regierung hatte im Vorfeld erneut Gewalt und Ausschreitungen befürchtet. Im ganzen Land sollen Premierminister Édouard Philippe zufolge 89.000 Polizisten und andere Ordnungskräfte eingesetzt werden.

Die Protestbewegung hat für Samstag im ganzen Land zu Demonstrationen aufgerufen. Schwerpunkt wird Paris sein. Allein in der Hauptstadt stehen 8000 Sicherheitskräfte bereit. Viele Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm und Geschäfte bleiben geschlossen, zahlreiche Läden haben ihre Schaufenster mit Brettern geschützt.

In den Aufrufen zu den Demonstrationen für dieses Wochenende ist vom "vierten Akt" die Rede - es ist das vierte Wochenende in Folge, an dem die "Gelbwesten", benannt nach den Warnwesten im Auto, protestieren. Ursprünglich hatten sie gegen geplante Steuererhöhungen auf Sprit und Diesel demonstriert. Dieses Vorhaben nahm die Regierung von Präsident Emmanuel Macron jedoch zwischenzeitlich zurück.

Dieses Zugeständnis hat die Proteste jedoch nicht beendet, im Gegenteil. Diese richten sich inzwischen allgemein gegen Macron und dessen Reformpolitik. Beobachter sehen den 40-Jährigen mit der schwersten Krise seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2017 konfrontiert.

jpz/AFP/Reuters

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