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Politik

Polen

Die Brieffreundin aus der US-Botschaft

Mit seinem Drohbrief an deutsche Unternehmen sorgte Richard Grenell für Schlagzeilen. Ganz ähnlich geht die US-Botschafterin in Warschau vor.

imago/ Eastnews

Georgette Mosbacher

Von
Montag, 28.01.2019   15:26 Uhr

Polen gehört in Europa zu den schärfsten Kritikern des Gaspipeline-Projekts Nord Stream 2. Außenminister Jacek Czaputowicz warnte vor wenigen Wochen in einem Interview mit dem "Handelsblatt" vor den Folgen für Osteuropa. "Wenn der russische Gas-Transit durch die Ukraine wegfällt, verliert das Land nicht nur erhebliche Einnahmen, sondern vor allem die Garantie eines Schutzes vor weiteren russischen Aggressionen", sagte er.

Entsprechend sorgte auch der Brandbrief von Richard Grenell in Warschau vor wenigen Wochen für Aufregung. Der US-Botschafter in Berlin hatte Unternehmen, die an Nord Stream 2 beteiligt sind, mit Sanktionen gedroht.

Hinzu kommt: Seit September 2018 residiert mit Georgette Mosbacher auch in Polen eine von Donald Trump berufene Botschafterin, die mit aller Macht die Interessen der USA vertritt. Sie scheut auch nicht davor zurück, sich in die polnische Politik einzumischen. Gern auch in Briefform.

Falscher Titel, falscher Name

"Sehr geehrter Herr Minister Morawiecki, ich schreibe Ihnen, um meine tiefste Besorgnis über die jüngsten Vorwürfe von Regierungsmitgliedern gegen die Journalisten von TVN und Discovery zum Ausdruck zu bringen", hieß es etwa zu Beginn eines Briefes vom 19. November vergangenen Jahres.

Mosbacher hatte dieses Schreiben nicht nur an Ministerpräsident Morawiecki geschickt, sondern auch an Innenminister Joachim Brudzinski und Staatspräsident Andrzej Duda. Der Brief sorgte in polnischen Regierungskreisen aus zwei Gründen für Unmut:

Im Januar vergangenen Jahres strahlte der Sender eine Reportage über Neonazis in Polen aus. Einer der interviewten Rechtsradikalen soll eigenen Angaben zufolge umgerechnet rund 5000 Euro für eine gestellte Adolf-Hitler-Geburtstagsparty erhalten haben. Er wurde nach der Ausstrahlung von der Polizei verhaftet, seine Aussage führte zudem zu Ermittlungen gegen die verantwortlichen TVN-Journalisten.

"Ich hoffe, dass Mitglieder Ihrer Regierung keine unabhängigen Journalisten angreifen oder gar strafrechtlich verfolgen, die öffentliche Interessen artikulieren und unsere Gesellschaften stärken", beendete Mosbacher ihren Brief an die führenden Politiker ihres Gastlandes.

Drohbriefe an zwei Ministerien

Es war nicht der einzige Brief aus der US-Botschaft, der seit dem Amtsantritt Mosbachers in den Briefkästen polnischer Ministerien landete. Wie Anfang des Jahres bekannt wurde, hat sie auch beim Gesundheits- und beim Infrastrukturministerium interveniert:

In ihrem Brief an Infrastrukturminister Andrzej Adamczyk scheute die US-Botschafterin nicht davor zurück, mit dem Ende geplanter US-Investitionen zu drohen.

"Es ist eine Form des Widerstands"

"Eigentlich ist das nichts Ungewöhnliches. Bereits in der Vergangenheit haben Botschafter, auch die aus Deutschland, versucht, in die polnische Politik einzugreifen", sagt Witold Jurasz. "Neu ist jedoch die Form. Die Frau Botschafterin interpretiert die US-Diplomatie der Trump-Administration sehr genau", so der ehemalige Diplomat und heutige Außenpolitikexperte. Mosbacher hat mit ihrer Strategie Erfolg:

Dies bedeutet nach Einschätzung von Jurasz jedoch nicht, dass die polnische Regierung alles mit sich machen lässt. "Dass die Briefe überhaupt an die Öffentlichkeit durchsickerten, zeigt den Unmut der polnischen Regierung. Es ist auch eine Form des Widerstands."

insgesamt 72 Beiträge
haarer.15 28.01.2019
1. Direkte Intervention
Wenn die Polen solche Gängelei - was noch gnädig ausgedrückt ist - zulassen, dann ist das ihr Problem. Denn gibt man den Amis einmal klein bei, so fahren sie gnadenlos mit einem Schlitten.
Wenn die Polen solche Gängelei - was noch gnädig ausgedrückt ist - zulassen, dann ist das ihr Problem. Denn gibt man den Amis einmal klein bei, so fahren sie gnadenlos mit einem Schlitten.
dasfred 28.01.2019
2. So macht man sich keine Freunde
Für die Polen ist es keine schöne Erkenntnis, dass die netten Amerikaner, die sie liebend gern mit Fracking Gas beliefern wollen, plötzlich ihr wahres Gesicht zeigen. Für Polen interessiert sich Trump und Co. nur, wenn sie als [...]
Für die Polen ist es keine schöne Erkenntnis, dass die netten Amerikaner, die sie liebend gern mit Fracking Gas beliefern wollen, plötzlich ihr wahres Gesicht zeigen. Für Polen interessiert sich Trump und Co. nur, wenn sie als Absatzmarkt funktionieren. Ein Grenell in Berlin lässt sich noch halbwegs ignorieren, wenn er sich als Statthalter aufspielt. Im kleinen Polen trifft es die Führung härter, wenn sich der Freund nur ein schnöder Handelsvertreter entpuppt.
Grummelchen321 28.01.2019
3. Erstmal
ein Überblick wer diese Frau mit dem gruseligen Botox und Chirugengesicht überhaupt ist: https://en.wikipedia.org/wiki/Georgette_Mosbacher
ein Überblick wer diese Frau mit dem gruseligen Botox und Chirugengesicht überhaupt ist: https://en.wikipedia.org/wiki/Georgette_Mosbacher
klaro4 28.01.2019
4. Zombies
Egal ob Männlein oder Weiblein, die Trump´schen Schergen sehen aus wie Zombies, Trump selbst ja auch. Oder sie benehmen sich jedenfalls so. Sind die alle Filmem entsprungen wie "Die Nacht der reitenden Leichen" oder [...]
Egal ob Männlein oder Weiblein, die Trump´schen Schergen sehen aus wie Zombies, Trump selbst ja auch. Oder sie benehmen sich jedenfalls so. Sind die alle Filmem entsprungen wie "Die Nacht der reitenden Leichen" oder "Resident Evil"? Letzeres wäre ganz lustig, dann wäre der zutreffenderer Filmtitel aber "President Evil". SIE SIND MITTEN UNTER UNS!
magam-13 28.01.2019
5. Wahnsinn!
Aus welcher Gruselkiste holt Trump diese Leute nur? FoxNews?
Aus welcher Gruselkiste holt Trump diese Leute nur? FoxNews?

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