Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Konferenz islamischer Staaten

Erdogan fordert Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Palästinas

Nach der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA hat der türkische Präsident Erdogan dazu aufgerufen, die Stadt im Gegenzug als Palästinenserhauptstadt anzusehen.

AP

Recep Tayyip Erdogan (Mitte)

Mittwoch, 13.12.2017   13:59 Uhr

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einem Sondergipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) Jerusalem als Hauptstadt der Palästinenser bezeichnet und Israel erneut als "Terror- und Besatzungsstaat" verurteilt.

Anlass für das Treffen ist die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA in der vergangenen Woche. Dieser Schritt sei "eine Belohnung für Israel für seine terroristischen Taten", so Erdogan. Bereits am Montag hatte Erdogan vor Parteifunktionären der AKP dem israelischen Staat Terrorismus vorgeworfen.

Im Gegenzug zu der US-Entscheidung solle nun auch die ganze Welt "das besetzte Jerusalem als die Hauptstadt Palästinas" akzeptieren, so Erdogan. Jerusalem sei "die rote Linie der Muslime". An die USA gewandt sagte Erdogan, das Land solle seinen rechtswidrigen und provokanten Beschluss rückgängig machen.

Sowohl Palästinenser als auch Israelis sehen Jerusalem als ihre Hauptstadt. Sie ist auch Sitz der israelischen Regierung, die palästinensische Autonomiebehörde sitzt in Ramallah im israelisch besetzten Westjordanland.

Erklärvideo: Warum ist Jerusalem so wichtig für die Weltreligionen?

Foto: REUTERS/Next

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas betonte, ohne Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines palästinensischen Staates werde es keinen Frieden und keine Stabilität in Nahost geben. Die US-Entscheidung verstoße gegen internationales Recht.

Die offizielle Anerkennung durch US-Präsident Donald Trump wurde von Palästinensern und Muslimen weltweit mit großer Empörung aufgenommen. Es kam weltweit zu propalästinensischen Protesten, bei denen auch in Berlin antiisraelische Parolen skandiert und Israel-Fahnen angezündet wurden.

Erdogan kritisiert scharf, hält die Beziehungen aber aufrecht

Der Gipfel in Istanbul ist als Krisentreffen von Erdogan einberufen worden, der zu den schärfsten Kritikern der Jerusalem-Entscheidung von Trump gehört. Vor dem Treffen hatte Erdogan angekündigt, man werde "die gesamte islamische Welt in Bewegung setzen".

Für die Türkei ist der Konflikt mit Israel heikel. Erst seit rund einem Jahr hat die Türkei wieder normale diplomatische Beziehungen mit Israel. Erdogan hatte allerdings wegen der Jerusalem-Frage mit deren Abbruch gedroht, die Drohung allerdings bislang nicht wahr gemacht.

Nach türkischen Angaben nehmen mindestens 20 Staats- oder Regierungschefs an dem eintägigen Treffen teil. Darunter sind die Präsidenten Irans, Indonesiens, Afghanistans und Somalias, die Emire Katars und Kuwaits sowie Jordaniens König Abdullah II. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas gehört ebenfalls dazu, auch Vertreter der rivalisierenden radikalislamischen Hamas wurden erwartet.

Weniger prominent vertreten sind OIC-Länder, die zusammen mit Saudi-Arabien vor einem halben Jahr eine Blockade gegen Katar begonnen haben. Saudi-Arabien schickte den Religionsminister nach Istanbul, Ägypten den Außenminister, die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Vize-Außenminister. Die OIC ist ein Zusammenschluss von 57 Staaten und versteht sich als "kollektive Stimme der muslimischen Welt."

Demo in Berlin: "Mein Herz, mein Boden, mein Blut ist Palästina"

Foto: SPIEGEL ONLINE

cht/Reuters/AFP/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP