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Politik

Sri Lanka

Radikaler buddhistischer Mönch muss in Haft

Einer der bekanntesten antimuslimischen Hetzer in Sri Lanka muss ins Gefängnis. Der buddhistische Mönch hatte die Frau eines vermissten Journalisten vor Gericht beschimpft und bedroht.

AP

Galagoda Atte Gnanasara

Donnerstag, 14.06.2018   12:48 Uhr

Ein Gericht in Sri Lanka hat den radikalen buddhistischen Mönch Galagoda Atte Gnanasara zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann, der als Vorsteher der antimuslimischen Gruppe Bodu Bala Sena gilt, sich der Beleidigung und Bedrohung schuldig gemacht hat.

Zu den verbalen Aussetzern war es während einer Gerichtsanhörung gekommen, in der es um das Verschwinden des Journalisten Prageeth Eknaligoda ging. Der soll vor knapp acht Jahren auf Anweisung der Regierung vom Militär verschleppt worden sein. Wo er sich befindet und ob er noch lebt, ist unklar. Mönch Gnanasara verteidigte bei der Gerichtsanhörung 2016 das Vorgehen der Soldaten.

Dabei beließ er es aber nicht: Dem Schuldspruch zufolge beleidigte er die Frau des entführten Journalisten und bedrohte sie. Dafür muss er ihr nun ein Schmerzensgeld zahlen. Direkt nach der Verkündung des Urteils gegen ihn wurde Gnanasara ins Gefängnis gebracht.

Schon seit Jahren hetzen ultranationalistische Mönche und radikale Organisationen wie Bodu Bala Sena, in der Gnanasara eine wichtige Rolle zugeschrieben wird, die größtenteils buddhistische Bevölkerung gegen die muslimische Minderheit auf - vor allem über soziale Netzwerke.

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Buddhisten gegen Muslime: Hass in Orange

Vor wenigen Monaten erst eskalierte die Situation in Sri Lanka im Hochland von Kandy. Dort brannten Buddhisten Geschäfte und Gebäude von Muslimen nieder - als Racheaktion für einen tödlichen Angriff auf einen Buddhisten. Aus Angst, die Situation könnte eskalieren, verhängte die Regierung in Colombo eine Ausgangssperre. Auch der Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook und WhatsApp wurde zwischenzeitlich gekappt.

Antimuslimische Hetze ist nicht nur in Sri Lanka innerhalb der buddhistischen Mehrheit weit verbreitet. Auch in anderen Teilen Asiens, etwa in Thailand, senden radikale Buddhisten ihre islamophobe Propaganda überall dort aus, wo eine muslimische Minderheit angeblich unterdrückt werden muss, um das eigene buddhistische Volk zu schützen (mehr dazu lesen Sie hier).

Wohin das führen kann, zeigt das Beispiel Myanmar. Dort flohen etwa 900.000 Mitglieder der muslimischen Minderheit der Rohingya über die Grenze nach Bangladesch. Das Militär war zuvor brutal gegen sie vorgegangen. Es gibt Berichte von Vergewaltigungen, Morden und Brandanschlägen. Die Uno spricht von einer "ethnischen Säuberung wie aus dem Lehrbuch".

vks/AP

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