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Politik

Suizid von bekanntem US-Anwalt

"Die Trump-Regierung hielt er nicht aus"

David S. Buckel engagierte sich für sexuelle Minderheiten und den Naturschutz - am Wochenende nahm er sich das Leben. Angehörige bringen seinen Suizid nun mit der Umweltpolitik der Trump-Regierung in Verbindung.

AP

US-Anwalt David S. Buckel (Archivbild)

Montag, 16.04.2018   18:31 Uhr

David S. Buckel wollte die Welt besser machen. Sein ganzes Leben kämpfte der New Yorker Anwalt und politische Aktivist für die Rechte von sexuellen Minderheiten und für einen besseren Umgang mit der Umwelt. Nun widmete er auch das Ende seines Lebens seinen politischen Überzeugungen. Am Samstagmorgen hat er sich, 60 Jahre alt, in einem Park im New Yorker Stadtteil Brooklyn selbst angezündet.

Wie die "New York Times" berichtet, hat sich Buckel am frühen Morgen vor seinem Tod gegen 6 Uhr Ortszeit mit einer E-Mail an verschiedene Medienhäuser gewandt: "Umweltverschmutzung zerstört unseren Planeten. Die Erde wird bald unbewohnbar sein", schrieb er.

"Die Menschen atmen Luft, längst vergiftet durch die fossilen Energieträger - viele frühe Tode sind das Resultat. Dass ich mich mit einem fossilen Brennstoff angezündet habe, symbolisiert, wie sehr wir uns als Menschheit selbst zerstören."

Buckel hinterließ einen handgeschriebenen Zettel

Passanten fanden die Leiche Buckels am Morgen im Prospect Park, einer eher familiären Gegend im südlichen Brooklyn, in der der Anwalt auch lebte. Neben seiner Leiche platzierte der Verstorbene auf einem kleinen Zettel eine handgeschriebene Nachricht: "Ich heiße David Buckel und habe mich gerade aus Protest selbst getötet. Ich entschuldige mich für das Chaos." Laut offiziellen Angaben der Polizei verstarb Buckel um 6.30 Uhr durch Suizid.

Landesweit wurde Buckel vor allem bekannt, weil er sich vehement für die gleichgeschlechtliche Ehe einsetzte und prominente Fälle vor Gericht verhandelte. Er war Direktor von Lambda Legal, einer der ältesten Organisationen in den USA, die sich für die Rechte von LGBTI-Personen einsetzt. Prominentester Prozess: die Anklage gegen die Polizei im Fall des umgebrachten Transgender Brandon Teena. Die Geschichte des Mordes wurde 1999 durch den Film "Boys Don't Cry" international bekannt, Hilary Swank erhielt für ihre Rolle des Brandon den Oscar als "Beste Hauptdarstellerin".

In den 2000er-Jahren vertrat Buckel gleichgeschlechtliche Paare in mehreren Bundesstaaten, die sich ihre Rechte als Ehepaare vor den Gerichten erstritten.

Vom LGBTI-Aktivisten zum Kompostisten

Nachdem sich Buckel 2008 von Lambda Legal verabschiedete, beschäftigte er sich vor allem mit Umweltfragen. So war er führend an einem Kompostprojekt in New York beteiligt.

Der "New York Times" sagten Familienmitglieder, die Klimapolitik von US-Präsident Donald Trump habe ihn zum Verzweifeln gebracht. "Die Trump-Regierung und die Kehrtwende des Umweltministers Scott Pruitt hielt er nicht aus", sagt sein Lebensgefährte Terry Kaelber. Unter dem amtierenden Präsidenten wurden zahlreiche Umweltschutzauflagen und -vorgaben aus der Obama-Ära kassiert oder eingeschränkt. Für die größten Schlagzeilen sorgte der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen im August 2017. Das Abkommen gilt als Meilenstein zur Bekämpfung des Klimawandels - und verliert mit den USA eines seiner wichtigsten Mitglieder.

Domingo Morales, der die Kompostierkurse von Buckel besucht hat, sagte, ihr Lehrer habe seit Februar zunehmend aus Artikeln referiert, etwa das 96 Prozent der Menschheit verpestete Luft einatmeten.

Camilla Taylor, aktuelle Direktorin von Lambda Legal, trauert um den einstigen Weggefährten: "Das ist ein enormer Verlust - nicht nur für uns in der Lambda-Familie, sondern für alle, die sich für Gerechtigkeit einsetzen." Die Nachricht über seinen Tod sei herzzerreißend, er sei ein brillanter Jurist gewesen.

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tin

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