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Politik

Ohne afghanische Regierung

Taliban planen die Nachkriegsordnung

Die radikalislamischen Taliban fühlen sich mächtig - und arbeiten bereits an einer Nachkriegsordnung für Afghanistan. Nach Treffen mit US-Diplomaten reiste nun eine Delegation nach Usbekistan.

REUTERS

Taliban in Afghanistan

Sonntag, 12.08.2018   09:28 Uhr

Die Taliban verfolgen in Afghanistan eine Doppelstrategie: Ende vergangener Woche griffen mehrere Hundert radikalislamische Kämpfer die Provinzhauptstadt Gasni im Osten des Landes an.

Mindestens 14 Polizisten und Soldaten sowie zwei Zivilisten wurden bei den Gefechten getötet, etwa 30 weitere Sicherheitskräfte und Zivilisten wurden verletzt. Nach Uno-Angabensind seit Jahresanfang mehr als 160.000 Menschen vor Kämpfen mit den Taliban geflohen. Gleichzeitig verhandelt die Gruppe aber auch mit US-Diplomaten über einen Frieden am Hindukusch.

Nun wurde zudem bekannt, dass eine Delegation unter der Führung von Sher Mohammed Abbas Stanikzai, Chef des Polit-Büros der Islamisten, in der vergangenen Woche hochrangige Vertreter des usbekischen Außenministeriums getroffen habe.

Regierung in Kabul bleibt außen vor

Während des mehrtägigen Gipfels soll Stanikzai auch Abdulaziz Kamilov getroffen haben - und damit den usbekischen Außenminister selbst. Das Treffen kam zustande, nachdem Usbekistans Präsident Shavkat Mirziyoyev bereits im März dieses Jahres angeboten hatte, bei Friedensverhandlungen in Afghanistan zu helfen.

Die international anerkannte afghanische Regierung äußerte sich nicht zu dem Treffen. In den Statements der Taliban und der usbekischen Regierung wurde sie wiederum nicht einmal erwähnt.

Bei den Gesprächen soll es unter anderem über den Rückzug der internationalen Truppen aus Afghanistan gegangen sein, aber auch um die Sicherheit von Zugtrassen und Stromleitungen nach Usbekistan. Ein ranghoher Taliban erklärte, die Gruppe habe mittlerweile in der dortigen Hauptstadt Taschkent ein Verbindungsbüro mit dem Ziel aufgebaut, die bilateralen Beziehungen auf- und auszubauen.

dop/AP/Reuters/dpa

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