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Politik

Türkei

Polizei nimmt Ehemann von Mesale Tolu fest

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu ist gerade erst aus der Untersuchungshaft in der Türkei freigekommen. Nun haben Polizisten ihren Mann festgenommen. Noch ist unklar, was die Behörden ihm vorwerfen.

DPA

Protestschild für Mesale Tolu (Archiv)

Von , Istanbul
Donnerstag, 18.01.2018   18:58 Uhr

Für Mesale Tolu muss es ein grausames Déja-vu gewesen sein: Am frühen Donnerstagmorgen stürmten Polizisten ihre Wohnung im Istanbuler Stadtteil Kartal, wo die deutsche Journalistin gemeinsam mit ihrem Mann Suat Corlu und ihrem drei Jahre alten Sohn Serkan lebt.

Erst kurz vor Weihnachten war Tolu nach siebeneinhalb Monaten in Untersuchungshaft in Istanbul freigekommen. Nun nahm die Polizei ihren Ehemann fest. Das bestätigt die Anwältin der Familie, Gülhan Kaya, dem SPIEGEL. Noch ist unklar, was die Justiz Corlu vorwirft. Die Behörden halten die Akten bislang unter Verschluss. Mit Corlu wurden offenbar sechs weitere Personen festgesetzt.

Wie Tolu befand sich auch Corlu bereits im vergangenen Jahr für mehrere Monate in Untersuchungshaft. Er hatte sich für die prokurdische Partei HDP engagiert. Die Justiz bezichtigte ihn, Terror zu unterstützen.

Die Familie war erst seit Kurzem wieder vereint. Tolu hatte sich vergangene Woche im Interview mit dem SPIEGEL erleichtert über ihre Freilassung geäußert und sagte, sie wolle sich nun vor allem um ihren Sohn kümmern. "Serkan hat eine schwere Zeit durchgemacht. Er braucht viel Aufmerksamkeit."

Die türkische Justiz wirft Tolu, die in Ulm geboren ist und vor ihrer Verhaftung zwischen Deutschland und der Türkei pendelte, Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Der Prozess gegen sie wird im April fortgesetzt. Tolu darf die Türkei bis dahin nicht verlassen und muss sich jeden Montag bei der Polizei melden.

AFP

Mesale Tolu nach ihrer Freilassung

Im SPIEGEL-Interview machte Tolu den türkischen Behörden schwere Vorwürfe. Die Untersuchungshaft werde missbraucht, um Regierungskritiker zu bestrafen. "Die Regierung versucht, mithilfe der Justiz Journalismus zu kriminalisieren." Die Journalistin forderte die Bundesregierung auf, den Druck gegenüber Ankara aufrechtzuerhalten. Deniz Yücel und etwa 150 weitere Journalisten säßen noch immer in der Türkei im Gefängnis. "Wir dürfen jetzt nicht wegsehen."

Mitarbeit: Eren Caylan

insgesamt 8 Beiträge
purple 18.01.2018
1. Tja zu hoch gepokert
Die Familie Tolu hat einfach das Zeitfenster zur Flucht verpasst. Die Türkei ist eine Diktatur und Herr Erdogan nimmt Geiseln wann wo und wie es ihm passt. Wer als Deutscher in die Türkei fährt, sollte sich darüber im klaren [...]
Die Familie Tolu hat einfach das Zeitfenster zur Flucht verpasst. Die Türkei ist eine Diktatur und Herr Erdogan nimmt Geiseln wann wo und wie es ihm passt. Wer als Deutscher in die Türkei fährt, sollte sich darüber im klaren sein, daß er eine potentielle Geisel ist,
jan.22301 18.01.2018
2. Das Kidnapping geht weiter
Der Kuschelkurs, den Herr Gabriel beim Tee in Goslar geübt hat mit der türkischen Außenminister, war ein großer Fehler. Seit Chamberlain, also rund 80 Jahren, wissen wir doch, daß Appeasement die falsche Strategie ist im [...]
Der Kuschelkurs, den Herr Gabriel beim Tee in Goslar geübt hat mit der türkischen Außenminister, war ein großer Fehler. Seit Chamberlain, also rund 80 Jahren, wissen wir doch, daß Appeasement die falsche Strategie ist im Umgang mit Diktatoren und ihren Helfershelfern. Also: Klare Kante gegen . . . nein, nicht gegen die Türken, gegen die Türkei und das dortige Regime.
swerd 18.01.2018
3. Erdogan
ist einfach auf Dauer nicht zu trauen. Seine Annaeherungsversuche sollten, auch in Hinblick auf die Agession in Syrien mit weiteren Gegenmassnahmen wirtschaftlicher Art beantwortet werden, um handfeste Ergebnisse zu erzielen.
ist einfach auf Dauer nicht zu trauen. Seine Annaeherungsversuche sollten, auch in Hinblick auf die Agession in Syrien mit weiteren Gegenmassnahmen wirtschaftlicher Art beantwortet werden, um handfeste Ergebnisse zu erzielen.
dbrown 18.01.2018
4. Vorwerfen?
Wahrscheinlich hat er gar nichts gemacht, reicht ja, wenn seine Frau im Gefängnis war, dann muß er selbstredend ein Gülen-Anhänger sein. So denkt Erdogan halt. Solange er den Diktator spielen kann bleibt alles wie gehabt. [...]
Wahrscheinlich hat er gar nichts gemacht, reicht ja, wenn seine Frau im Gefängnis war, dann muß er selbstredend ein Gülen-Anhänger sein. So denkt Erdogan halt. Solange er den Diktator spielen kann bleibt alles wie gehabt. Geldhahn zudrehen, dann ändert sich etwas.
x-ray 48 18.01.2018
5. Wie in # 1 erwähnt
Was hat der Mann die ganze Zeit getan ? Einige Dinge kann man schon ausloten und vorbereiten Es gibt viele Wege.
Was hat der Mann die ganze Zeit getan ? Einige Dinge kann man schon ausloten und vorbereiten Es gibt viele Wege.

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