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Politik

Türkische Offensive

Erdogan droht mit Angriff auf Kurden im Nordirak

Im Kampf gegen die Kurdenmiliz YPG hat die Türkei Fortschritte gemeldet - und droht mit einer Ausweitung der Offensive auf den Irak. Die humanitäre Lage in der belagerten Stadt Afrin spitzt sich zu.

REUTERS

Flüchtlinge verlassen Afrin

Mittwoch, 14.03.2018   17:07 Uhr

Die Türkei steht laut Präsident Recep Tayyip Erdogan vor der vollständigen Einkesselung der nordsyrischen Stadt Afrin - und will ihren Kampf gegen Kurden nun auf den Irak ausweiten. "Wir werden den Terroristen dort in Kürze sehr kräftig auf die Füße treten", kündigte Erdogan mit Blick auf die Kurdengebiete im Norden Iraks an.

In der von türkischen Truppen weitgehend eingeschlossenen Stadt Afrin verschlechtert sich derweil die Versorgungslage für die Zivilbevölkerung täglich. Den Vereinten Nationen zufolge unterbricht die Türkei bereits seit einer Woche die Wasserversorgung für die Stadt. Tausende Menschen sind auf der Flucht. Ein Einwohner Afrins berichtete der Nachrichtenagentur AP, er habe acht Stunden für etwas Brot anstehen müssen.

Zwei Monate nach Beginn der Militäroffensive zur Errichtung einer Pufferzone gegen die Kurden in dem Nachbarland äußerte sich Erdogan dagegen optimistisch: "Ich hoffe, dass Afrin, so Gott will, bis zum Abend vollkommen fallen wird", sagte er. Aus dem Präsidialamt wurde später korrigiert, der Präsident hoffe, dass die Einkesselung der Stadt bis zum Abend vollkommen abgeschlossen sein werde. Auch im Irak werde laut Erdogan schon jetzt bei jeder Gelegenheit gegen "Terrornester" vorgegangen.

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Türkische Militäroffensive: Schlacht um Afrin

Das Vorgehen gegen die Kurden im Irak wurde erwartet. Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte vergangene Woche eine gemeinsame Militäroperation von Türkei und irakischer Zentralregierung erwogen - um nach den irakischen Wahlen im Mai gegen militante Kurden vorzugehen.

YPG: Wasserversorgung in Afrin unterbrochen

Erdogan befürchtet das Entstehen eines geschlossenen Kurdengebiets in den beiden Nachbarstaaten entlang der südöstlichen Grenze. Denn das könnte kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen auch in der Türkei Auftrieb geben. Auch auf türkischer Seite wird der Südosten des Landes von der kurdischen Bevölkerungsgruppe dominiert.

Die Kurden nahe Afrin drohten unterdessen mit massiver Gegenwehr. "Wir werden den Widerstand fortsetzen, was immer es kosten wird", sagte der Sprecher der Kurdenmiliz YPG in der Stadt, Brosik Hassakah. Die Offensive auf die Region ziehe sich bereits seit fast zwei Monaten hin, noch immer schlügen kurdische Einheiten die Angriffe "der türkischen Armee und der Söldner" zurück, erklärte er weiter.

DER SPIEGEL

Die YPG-Kämpfer bestätigten die desolate Lage für die Zivilbevölkerung in der Stadt und den Verlust eines Staudamms an die türkischen Truppen. Seitdem gebe es kein Wasser.

Die Türkei erachtet die YPG als Terrororganisation und verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, gegen die sie ebenfalls mit Härte vorgeht. Die Nato indes sieht in den YPG einen Partner im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

US-Soldaten des Nato-Partners beraten die YPG-Kämpfer und bilden sie aus - zum Ärger der Türkei. Erdogan drohte deshalb US-Militärs bereits mit einer "osmanischen Ohrfeige", sollten sie die Offensive gegen die Kurden behindern. Die PKK unterhält auch in den Bergregionen im Nordirak eigene Militärstützpunkte nahe der türkischen Grenze.

Auch in der Region Ost-Ghuta nahe Damaskus hielten die Kämpfe an. Bei Bombardierungen durch russische Kampfflugzeuge seien zwölf Mitglieder der mit Katar verbündeten Rebellengruppe Failaq al-Rahman getötet worden, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.* Die von Russland unterstützten Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad stehen demnach offenbar kurz vor der Eroberung der letzten größeren Rebellenhochburg nahe der Hauptstadt Damaskus. Bei der Offensive der syrischen Regierungstruppen auf Ost-Ghuta wurden laut Uno in weniger als einem Monat mehr als 1100 Zivilisten getötet.


* Die Organisation mit Sitz in London bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen, in der Vergangenheit haben sich die Angaben aber als verlässlich erwiesen.

apr/Reuters/dpa/AP

insgesamt 33 Beiträge
John.Miller 14.03.2018
1. richtig so
Erdogan macht es richtig, es sollte auf diesem Planeten keinen sicheren Ort für Terroristen geben. Egal ob IS/PKK/PYD/al qaida oder sonst was
Erdogan macht es richtig, es sollte auf diesem Planeten keinen sicheren Ort für Terroristen geben. Egal ob IS/PKK/PYD/al qaida oder sonst was
womo88 14.03.2018
2. Für jeden getöteten Kurden wird ein neuer Kämpfer nachrücken
Für jeden getöteten Kurden wird ein neuer Kämpfer nachrücken. Man kann dies nur politisch lösen, nicht mit Abschlachten, wie der kleine Sultan das tut, oder er muss die gesamte Ethnie Kurden abschlachten.
Für jeden getöteten Kurden wird ein neuer Kämpfer nachrücken. Man kann dies nur politisch lösen, nicht mit Abschlachten, wie der kleine Sultan das tut, oder er muss die gesamte Ethnie Kurden abschlachten.
lupenreinerdemokrat 14.03.2018
3.
Wann kommt das Leid der Frauen und Kinder in Afrin endlich auch vor die UN? Zumindest um der Glaubwürdigkeit der UN Willen! Dass UN-Resolutionen oftmals keinerlei Wirkung haben, weiß man ja aus der Geschichte der letzten 60 [...]
Wann kommt das Leid der Frauen und Kinder in Afrin endlich auch vor die UN? Zumindest um der Glaubwürdigkeit der UN Willen! Dass UN-Resolutionen oftmals keinerlei Wirkung haben, weiß man ja aus der Geschichte der letzten 60 Jahre.
unzensierbar 14.03.2018
4. Irak
Hoffentlich wird sich der Irak das nicht gefallen lassen. Bei Syrien ist verständlich, dass kein Krieg erklärt wird, wenn das Militär zum großen Teil nur noch aus Söldner und Warlords besteht. Aber hoffentlich können der [...]
Hoffentlich wird sich der Irak das nicht gefallen lassen. Bei Syrien ist verständlich, dass kein Krieg erklärt wird, wenn das Militär zum großen Teil nur noch aus Söldner und Warlords besteht. Aber hoffentlich können der Irak und Syrien zusammen der Türkei offiziell den Krieg erklären und sich Unterstützung von anderen Staaten zu sichern. Das einzige Problem und die Wildcard wäre die NATO. Würde diese sich auf die Seite der Kurden, Syrer und Iraker stellen, könnten wir Erdogan stürzen und die NATO könnte einfach eine neue Marionette in der Türkei aufstellen.
guenther2009 14.03.2018
5. Sind alle westl. Politiker, incl. Trump
so geistig behindert, dass sie den Pascha vom Bosporus, tun und machen lassen was er will. Er bzeichnet jeden der ihm nicht genehm ist als terroristen, dbei ist er selbst der Größte. Da hat Herr Maas gleich was zu tun. Wenn sie [...]
so geistig behindert, dass sie den Pascha vom Bosporus, tun und machen lassen was er will. Er bzeichnet jeden der ihm nicht genehm ist als terroristen, dbei ist er selbst der Größte. Da hat Herr Maas gleich was zu tun. Wenn sie der Psch so weiter machen lassen, wird er uns bald noch viel mehr diktieren. Soll er doch zu Putin gehen, da kann man ihn auch glich aus der Nato hinauswerfen. Wehret den Anfängen.
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