Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Diplomatischer Ärger

Türkei und USA legen Visastreit bei

Fast drei Monate lang war die Visavergabe zwischen den USA und der Türkei eingefroren. Nun legen die Länder ihren diplomatischen Zwist bei - allerdings nicht ohne neue Missverständnisse.

Donnerstag, 28.12.2017   16:49 Uhr

Die Visavergabe zwischen den USA und der Türkei soll sich wieder normalisieren. Die US-Botschaft in Ankara teilte via Twitter mit, dass die Vertretungen in der Türkei wieder Visa an türkische Staatsbürger vergeben werden. Kurz danach kündigte die türkische Botschaft in Washington den gleichen Schritt an.

Damit endet ein fast drei Monate andauernder diplomatischer Zwist zwischen den beiden Ländern. Auslöser des Ärgers war die Festnahme zweier Mitarbeiter von US-Konsulaten in der Türkei. Die USA hatten diesen Schritt scharf kritisiert und als Konsequenz die Vergabe von Visa in ihren Vertretungen in der Türkei eingestellt. Im Gegenzug setzte auch die Türkei die Visavergabe an US-Staatsbürger aus.

Bereits im November hatte sich der Konflikt etwas entspannt, beide Seiten begannen damals, Visa in begrenztem Umfang zu vergeben. Nun ist die Türkei den USA offenbar entgegengekommen: Nach Angaben der US-Botschaft sicherte die Regierung zu, dass es keine Ermittlungen gegen weitere lokale Mitarbeiter von US-Vertretungen im Land gebe. Außerdem wolle die Türkei die US-Behörden in Zukunft über eventuell bevorstehende ähnliche Festnahmen informieren.

In diesem Punkt allerdings sind sich die Länder offenbar nicht einig: In der Mitteilung widersprach die Türkei der Darstellung, den USA solche Zugeständnisse gemacht zu haben.

Umstrittene Festnahme

Die Türkei hatte einem Mitarbeiter des US-Konsulats in Istanbul vorgeworfen, Kontakt zur Gülen-Gemeinde unterhalten zu haben. Die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen wird von der Regierung in Ankara als Terrororganisation eingestuft, Präsident Recep Tayyip Erdogan macht sie für den gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich.

DPA

Erdogan und Trump (Archivbild)

Tausende türkische und US-Staatsbürger dürften von dem monatelangen Visastreit betroffen gewesen sein. 2016 reisten laut Angaben des türkischen Statistikamts mehr als 300.000 Türken in die USA. Durch den Bann durften zwischenzeitlich weder Geschäftsleute, noch Studenten oder Touristen die USA betreten. Umgekehrt ist Amerikanern die Einreise in die Türkei verboten. "Menschen werden zu Opfern eines Streits, für den sie absolut nichts können", hatte Faruk Logoglu, der frühere türkische Botschafter in Washington, dem SPIEGEL gesagt.

brk/dpa

insgesamt 6 Beiträge
Mike1108 28.12.2017
1. NATO Partner
Die beiden Staaten sind im selben Verteidigungsbuendnis!? Da greift man sich an den Kopf.
Die beiden Staaten sind im selben Verteidigungsbuendnis!? Da greift man sich an den Kopf.
jabato 28.12.2017
2. eine Sprache die Erdogan versteht
Da sieht man, dass Erdogan eine bestimmte Sprache versteht. SPÜRBARE Sanktionen - genauso hat auch Putin zum Einlenken gebracht, nachdem der Sultan eine russische Maschine abschießen ließ. Nur leider wird Frau Merkel das in [...]
Da sieht man, dass Erdogan eine bestimmte Sprache versteht. SPÜRBARE Sanktionen - genauso hat auch Putin zum Einlenken gebracht, nachdem der Sultan eine russische Maschine abschießen ließ. Nur leider wird Frau Merkel das in diesem Jahrzehnt nicht mehr verstehen, dass mit Besorgnis und Wattebauschenwerfen der Sultan nicht zu beeindrucken ist.
mk1964 28.12.2017
3.
Sagen Sie das lieber den europäischen Regierungen, die die von D geforderten schärferen Sanktionen verhindert haben.
Zitat von jabatoDa sieht man, dass Erdogan eine bestimmte Sprache versteht. SPÜRBARE Sanktionen - genauso hat auch Putin zum Einlenken gebracht, nachdem der Sultan eine russische Maschine abschießen ließ. Nur leider wird Frau Merkel das in diesem Jahrzehnt nicht mehr verstehen, dass mit Besorgnis und Wattebauschenwerfen der Sultan nicht zu beeindrucken ist.
Sagen Sie das lieber den europäischen Regierungen, die die von D geforderten schärferen Sanktionen verhindert haben.
j.oder 28.12.2017
4. # 1. NATO Partner ?
"Europa muss sein Schicksal in die eigene Hand nehmen". Merkel: http://www.zeit.de/video/2017-05/5451383425001/angela-merkel-europa-muss-sein-schicksal-in-die-eigene-hand-nehmen - die (für mich diese) EU ist im [...]
"Europa muss sein Schicksal in die eigene Hand nehmen". Merkel: http://www.zeit.de/video/2017-05/5451383425001/angela-merkel-europa-muss-sein-schicksal-in-die-eigene-hand-nehmen - die (für mich diese) EU ist im Prinzip gescheitert, wegen angeblicher NATO-Partner, die man heuer nicht mehr braucht. Nicht einmal arbeitsintensiv und noch weniger arbeitsintensiver.Den Spruch von wem auch immer, bleibt mir im Hirn: fast alles stirbt aus ... nur ... . die nicht. Man bezog sich auf Mosquitos.
hugahuga 28.12.2017
5.
"Pack schlägt sich - Pack verträgt sich" sagt der Volksmund. Wie die Kinder - tit for tat - aber und jetzt kommt's: Der Hegemon will Incirlik behalten und lässt sich deshalb so einiges bieten. Und der andere Part [...]
"Pack schlägt sich - Pack verträgt sich" sagt der Volksmund. Wie die Kinder - tit for tat - aber und jetzt kommt's: Der Hegemon will Incirlik behalten und lässt sich deshalb so einiges bieten. Und der andere Part - der verrückte Sultan - mag, trotz der S400 aus Russland - nicht ganz auf US Waffen verzichten. Man streitet sich, man verträgt sich, man mißtraut sich gegeenseitig aber man macht Geschäfte miteinander. Alles wie im richtigen Leben.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP