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Politik

Einmischung in US-Wahlkampf

Twitter findet weitere 1000 Fake-Accounts mit Russland-Verbindungen

In den Tweets wurde der Rücktritt des FBI-Chefs gefordert oder gegen die Polizei gewettert. Eine Untersuchung hat ergeben: Die Zahl der aus Russland gesteuerten Fake-Accounts in den USA ist größer als gedacht.

STEINBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Samstag, 20.01.2018   12:23 Uhr

Twitter hat einer neuen Untersuchung zufolge weitere Accounts identifiziert, die aus Russland gesteuert wurden und die Meinung bei der US-Präsidentschaftswahl beeinflussen sollten. Die Zahl der Profile mit Verbindung zur sogenannten "Internet Research Agency" aus St. Petersburg sei um 1062 auf 3814 gestiegen, teilte der Kurznachrichtendienst mit. Sie hätten insgesamt knapp 176.000 Tweets abgesetzt.

Die "Internet Research Agency" gilt seit Jahren als Basis für russische Kampagnen in sozialen Medien. Die russische Regierung hatte alle Vorwürfe der Einmischung stets zurückgewiesen.

Nun sollen fast 678.000 Personen in den USA, die während des Wahlkampfs einem der fingierten Accounts folgten oder deren Beiträge retweetet oder geliket hatten, per E-Mail unterrichtet werden. In von Twitter veröffentlichten Beispiel-Tweets wurde etwa der Rücktritt des damaligen FBI-Chefs James Comey gefordert oder gegen Polizeigewalt in den USA protestiert. Sie folgten damit dem bisher bekannten Muster, Spannungen zwischen politischen und ethnischen Gruppen in den USA zu schüren.

Außerdem habe Twitter weitere 13.500 automatisierte Accounts entdeckt, die verwendet worden seien, um die Beiträge breiter zu streuen. Insgesamt kommt Twitter nun auf über 50.000 solcher Bot-Profile.

Experten warnen seit Längerem davor, dass Russland versuchen könnte, bestehende soziale und politische Spannungen in westlichen Ländern gezielt zu verstärken und Unruhe zu säen. Moskau intensiviert etwa seit Längerem Kontakte zu Gruppierungen an den Rändern des politischen Spektrums, also beispielsweise sowohl Rechtspopulisten als auch weit links stehende Gruppierungen.

Im Rahmen mehrerer Anhörungen mussten Vertreter von Facebook, Google und Twitter dem US-Kongress bereits Fragen zur möglichen russischen Einflussnahme auf die US-Wahl beantworten.

mho/dpa

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