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Politik

Durch Asylpolitik getrennt

Hunderte Familien treffen sich an US-mexikanischer Grenze - für ein paar Minuten

Sie hatten sich jahrelang nicht gesehen und durften sich dann für wenige Minuten umarmen: Eine Menschenrechtsgruppe hat an der Grenze zwischen den USA und Mexiko ein emotionales Treffen ermöglicht.

AFP

Verwandte umarmen sich an der US-mexikanischen Grenze

Sonntag, 14.10.2018   07:52 Uhr

Hunderte Familien, die die Grenze zwischen den USA und Mexiko seit Jahren trennt, haben am Samstag ein Wiedersehen gefeiert - wenn auch nur ein kurzes. Rund 1500 Mitglieder von etwa 250 Familien, die durch Auswanderung oder Abschiebung zerrissen wurden, trafen sich für wenige Minuten an der geöffneten Grenzmauer zwischen der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez und der Stadt Sunland Park im US-Bundesstaat New Mexico.

Die Menschenrechtsgruppe Border Network of Human Rights hat unter dem Motto "Abrazos No Muros" (Umarmungen, keine Mauern) schon mehrere Familienzusammenführungen an der 3000 Kilometer langen Grenze zwischen Mexiko und den USA organisiert, im Juni etwa im ausgetrockneten Flussbett des Rio Grande zwischen Ciudad Juárez und dem texanischen El Paso, wo die Mauer noch in Bau ist. Die Öffnung einer Tür in der fünf Meter hohen Grenzmauer zwischen Ciudad Juárez und Sunland Park war allerdings eine Premiere.

Sie sei "sehr glücklich", nach fünf Jahren endlich wieder ihre Cousinen umarmen zu können, sagte die 46-jährige Josefa Magalde aus Ciudad Juárez. Ihre Cousinen aus El Paso sind illegal in die USA eingewandert und können daher nicht aus- und wieder einreisen. Einige Minuten lang konnten sie sich nun unter der Aufsicht von Beamten der US-Grenzpolizei und der mexikanischen Bundespolizei umarmen, bevor sie wieder getrennt wurden.

REUTERS

Wiedersehen unter Aufsicht der Grenzpolizei

"Wir hatten nicht genug Zeit", sagte Magalde. Trotzdem sei sie "zufrieden und glücklich" über die Gelegenheit für ein Wiedersehen. Eine weitere Frau, die an dem Treffen teilnahm, sagte: "Es ist verrückt und eine Art Qual, nur für drei Minuten dort zu sein, aber am Ende ist es das nach 14 Jahren (Trennung) wert."

US-Präsident Donald Trump will die Grenze zu Mexiko noch stärker abriegeln, um illegale Einwanderung und Drogenschmuggel zu verhindern. Die Trennung von Familien ist seiner Ansicht nach ein wirksames Mittel gegen illegale Migration in die USA. "Wenn sie das Gefühl haben, dass sie getrennt werden, dann kommen sie nicht", sagte Trump am Samstag vor Journalisten.

Ob er die umstrittene Methode, Kinder von ihren Eltern zu trennen, wieder einführen will, sagte er nicht. Es würden verschiedene Dinge geprüft, die sich mit illegaler Einwanderung befassten. "Wir werden tun, was immer wir können, um sie zu verlangsamen." Nach massiver Kritik hatte Trump im Juni die Praxis gestoppt, Kinder illegal Eingereister von ihren Eltern zu trennen. Insgesamt waren rund 2600 Kinder betroffen.

lov/AFP/dpa

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