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Politik

Trump-Gegner

Der wahre Republikaner

Reagan, Bush I, Bush II, McCain, Romney: Seit John Adams aus Iowa wählen darf, stimmt er für die Kandidaten der Republikaner. Doch bei diesen Midterms trommelt er für die Demokraten, so engagiert wie kaum jemand sonst.

SPIEGEL ONLINE / Lexey Swall

John Adams und seine Enkelin Olivia beim March for our lives

Aus Arnolds Park, Iowa, berichtet
Dienstag, 06.11.2018   21:00 Uhr
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John Adams mag keinen Stillstand. Obwohl 79 Jahre alt, vergeht bei dem Rentner kaum ein Tag, an dem er nicht mindestens einen Termin hat: Früher führte er ein Anzeigenblatt, trainierte Basketballteams, arbeitete im City Council - heute engagiert er sich ehrenamtlich im Hospiz, predigt in einer Kirche. Seit ein paar Monaten aber ist er vor allem einer der engagiertesten Wahlkämpfer, den die Demokraten im Dickinson County je erlebt haben. Dabei war er vor einem Jahr noch engagierter Republikaner.

"Diese vergangenen Monate waren die besten in meinem Leben", sagt Adams an einem Abend kurz vor den Midterm-Wahlen. Er steht in einem kargen Konferenzraum in einem Hotel in Okoboji, im Nordwesten des US-Bundesstaats Iowa. Adams will ein letztes Treffen nutzen, um sich bei seinen Mitstreitern zu bedanken. Und um sie noch einmal zu motivieren.

Mehr als sechzig Männer und Frauen sind an diesem Abend zusammengekommen - für die Dickinson County Demokraten sind das enorm viele. Anfang des Jahres waren es gerade mal eine Handvoll Parteianhänger, die zu den ersten Treffen erschienen. Der Ortsverband hatte kaum Geld, kein Wahlkampfmaterial, keine Struktur.

In einem Umfeld wie Dickinson County kein Wunder: Rund 17.000 Menschen leben hier in den kleinen Ortschaften rund um die idyllischen Seen - und obwohl Iowa ein klassischer Swing State ist, haben die meisten hier in den vergangenen Jahrzehnten für die Republikaner gestimmt. (Lesen Sie hier mehr über den Wahlkampf in Iowa.)

Auch von Adams wusste jeder im Ort, dass er ein Republikaner ist. Er engagierte sich für die Konservativen, in seinem Anzeigenblatt schrieb er parteiische Kolumnen. Nach der Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush 2004 verteidigte er darin den Republikaner, während seine Tochter - überzeugte Demokratin - ihrerseits die Entscheidung der US-Amerikaner kritisierte. Wie mit Freunden, die politisch anders dachten als er, einigte sich Adams mit ihr darauf, dass sie sich nicht einigen können.

Wechselstimmung als Fremdwort

Wer sich in den USA einmal für eine der beiden Parteien entschieden hat, ändert sein Wahlverhalten meist nicht mehr. Auch deshalb ist für Republikaner wie Demokraten schwer, sich in Hochburgen der anderen Partei durchzusetzen. Die Hoffnung der Demokraten bei dieser Wahl ruht deshalb auf den vielen Unabhängigen - und vor allem darauf, die unzähligen Nichtwähler zu mobilisieren.

John Adams ging wie selbstverständlich davon aus, dass er sein Leben lang Republikaner bleiben würde. Doch dann kürte seine Partei Donald Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Adams tat, was er nie zuvor getan hatte: Er stimmte für einen unabhängigen Kandidaten. "Trumps Umgang mit Frauen, seine Haltung zu Waffengesetzen und seine Russland-Politik - ich konnte mich mit nichts davon identifizieren", sagt er.

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John Adams in seinem Vorgarten: Wahlkampf für die Demokraten

Mit jedem Tag von Trumps Präsidentschaft habe er sich mehr und mehr Fehl am Platze gefühlt: "Alle die vorher gegen Trump waren, haben ihn als Präsident auf einmal nicht mehr infrage gestellt oder auch nur kritisiert, das hat mich entsetzt."

Dann passierte der Amoklauf von Parkland mit 17 Toten und Trump und die Republikaner reagierten in ihrer alten Manier: bloß keine schärferen Waffengesetze. Zu viel für Adams. Als seine Enkelin Olivia Dotson fragte, ob sie zusammen von Iowa nach Washington fahren wollen, um Teil des Protests gegen Waffengewalt zu werden, zögerte er nicht. "Ich habe einen wütenden Mob erwartet, aber das waren sehr angenehme Menschen, die dort demonstrierten. Und ich habe mich wohlgefühlt."

"Viele denken, ich sei alt und verrückt geworden"

Zurück in Arnolds Park ging er zum Treffen der Demokraten. In einem County, in dem manche sich nicht trauen, sich am Arbeitsplatz als Demokraten zu outen, und viele Gespräche über Politik vermeiden, ist das ein Riesenschritt. Und Adams schrieb auch noch in einem offenen Brief darüber. "Ich war nicht nervös, ich war hochmotiviert", sagt er später.

Und er ist es geblieben. Er nutzte seine Erfahrung im Anzeigengeschäft, um Werbung für die Demokraten zu gestalten. Gemeinsam mit seinen neuen Parteifreunden organisierte er Spendenabende, selbst ein Büro haben die Demokraten von Dickinson County bezogen. Adams schließt es täglich um 12 Uhr auf. "Viele denken wohl, ich sei alt und verrückt geworden", blickt Adams zurück auf die ersten Reaktionen auf seinen öffentlichen Wechsel von den Republikanern zu den Demokraten. Manche hätten sich von ihm abgewendet. "Aber ich habe das Gefühl, endlich das Richtige zu tun." Das klingt pathetisch, aber Adams nimmt man es ab.

Und er ist nicht allein. Nach und nach haben sich mehr Unentschlossene den Demokraten angeschlossen. Auch an diesem Abend ist Adams nicht der einzige Wechselwähler im Raum.

Das Treffen ist zur Hälfte vorbei, da steht ein älterer Mann auf, es ist der County Supervisor. "Ich bin seit 60 Jahren Republikaner", sagt Paul Johnson. Er habe gerade beim sogenannten early voting seine Stimme abgegeben - für die Demokraten.

insgesamt 11 Beiträge
Sharoun 06.11.2018
1. P.s.
Solange die Clinton (wie bei dem Artikel aktuell hier drunter) bei den Demokraten immer wieder auftaucht, bin ich da raus! Sie hat durch ihre ambivalente Haltung, ihre Verstrickungen usw. so viel Schaden angerichtet, daß man [...]
Solange die Clinton (wie bei dem Artikel aktuell hier drunter) bei den Demokraten immer wieder auftaucht, bin ich da raus! Sie hat durch ihre ambivalente Haltung, ihre Verstrickungen usw. so viel Schaden angerichtet, daß man sich fragt, mit welch ungeheurer Chuzpe sie ausgestattet sein muß, daß sie immer wieder vor irgendwelche Mikros tritt. Die Dame ist das klassische Beispiel für einen alten Zopf, der abgeschnitten gehört - ansonsten sehe ich für die Demokraten dort schwarz!
michael.mittermueller 06.11.2018
2.
Es gibt keinen vernünftigen Grund weshalb wir hier in Deutschland die letzten Verästelungen des US Amerikanischen Wahlkampfs zu Gehör bekommen müssten. Oder die Spiele irgend welcher Football Manschaften oder Basketball [...]
Es gibt keinen vernünftigen Grund weshalb wir hier in Deutschland die letzten Verästelungen des US Amerikanischen Wahlkampfs zu Gehör bekommen müssten. Oder die Spiele irgend welcher Football Manschaften oder Basketball Ligen. Es sei denn dieselben Leute wie in den USA machen auch hier in Europa die Nachrichten. Letzteres ist nicht auszuschließen. Speziell die New Yorker Zeitungselite scheint sich auch in Deutschland gerne ins Nachrichtengeschäft einzumischen. So zu mindestens wirkt die einseitge Berichterstattung. Es gibt keinen Grund Obama oder Clinton vor Bush oder Trump zu setzen. Sie alle haben Kriege geführt und Menschen zu Tausenden in Gefängnisse und Lager gesperrt. Speziell Bill Clinton, der im Verbund mit dem New Yorker Bürgermeister Guillani eine Kampagne gegen Verbrechen durchführte. Wer in der US Politik Gut und Schlecht unterscheiden will, der kommt nicht weit. Zu eng sind die Finanzeliten auf beiden Seiten, d.h bei Republikanern und Demokraten aktiv. Und das was dann als Bipartisan zur allgemeingültigen Moral erklärt wird entpuppt sich bei näherem Hinsehen nur als geschickte Form der Korruption. So etwa als Ronald Raegan nacheinander alle Abegordneten beider Parteien einbestellte und Demokraten wie Republikaner einfach mit Wahlgeschenken bestach. Was also soll ich von dem "Guten Republikaner" erwarten, der gegen Trump ist oder dem Guten Demokraten, der auf Obama hört. Obama, der den Nahen Osten in einen Zustand versetzt hat, der inzwischen zur Gefahr für Europa wird. Ebenso wie die Ukraine. Ich würde also vorschlagen die US Wahlen den Amerikanern zu überlassen und den Lesern hier nicht irgendwelche Märchen und Gruselgeschichten zu erzählen. Das machen die US Medien schon zur Genüge. Berichtet einfach über die US Sozialdemokraten in New York oder über Tulsi Gabbard Kampf für das Recht. Das ist viel interessanter. Es sei denn, das was ich oben gesagt habe soll bestätigt werden. Dass Journalismus ebenso dem Lobbyismus von Finanzgruppen unterliegt wie die Politik.
widower+2 06.11.2018
3. Das macht Mut
Ein Republikaner mit moralischem Kompass! Wer im Moment, mit Trump als Präsident, in den USA bei irgendeiner Wahl für die Republikaner oder einen republikanischen Kandidaten stimmt, ist entweder intellektuell oder moralisch [...]
Ein Republikaner mit moralischem Kompass! Wer im Moment, mit Trump als Präsident, in den USA bei irgendeiner Wahl für die Republikaner oder einen republikanischen Kandidaten stimmt, ist entweder intellektuell oder moralisch unterversorgt. Für AfD-Wähler in Deutschland gilt das ebenso.
traumglauben 06.11.2018
4. Ja das macht Mut
Jeder Trumpist sollte endlich mal genauer hinschauen. Es geht nicht nur um Amerika. Es geht auch um seine zielgerichtete Taktik, Europa wirtschaftlich zu zerlegen, Zwietracht zu sähen zwischen den Mitgliedsstaaten und [...]
Jeder Trumpist sollte endlich mal genauer hinschauen. Es geht nicht nur um Amerika. Es geht auch um seine zielgerichtete Taktik, Europa wirtschaftlich zu zerlegen, Zwietracht zu sähen zwischen den Mitgliedsstaaten und gleichzeitig die Nato in Frage zu stellen und Abrüstungsverträge aufzukündigen. Er ist gerade dabei uns Putin sozusagen zum Geschenk zu machen. Er ist hoch gefährlich und er gehört abewählt.
bigmitt 06.11.2018
5. Interessant ....
...wäre mal ein Artikel zur gegengerichteten Seite. Es gibt unglaublich viele die sich des Walkaway Movements aus Enttäuschung über die Demokraten angeschlossen haben und auch nicht gerade wenig von Obama und Clinton [...]
...wäre mal ein Artikel zur gegengerichteten Seite. Es gibt unglaublich viele die sich des Walkaway Movements aus Enttäuschung über die Demokraten angeschlossen haben und auch nicht gerade wenig von Obama und Clinton enttäuschte Schwarze , die dies sogar passend #blexit nennen. Im übrigen Stimme ich dem Verfasser des 1. Beitrags zu. Solange Clinton auch nur etwas mit der demokratischen Partei zu tun hat werden ehemalige Sanders Supporter wie Ich einer war dieser Partei nicht das Vertrauen schenken. Diese Frau darf offen rassistische Bemerkungen von sich geben ( "They all look alike") und bekommt freies Geleit der Presse. Das ist widerlich und da wünschte man dich von SPON doch mehr Diversifizierung in der Berichterstattung.

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