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Politik

U-Boot-Affäre in Schweden

Eine Wendung, die keine ist

Hat ein russisches U-Boot schwedische Gewässer durchkreuzt? Die Suche nach einem mysteriösen Unterwasserobjekt hielt Europa in Atem. Jetzt triumphieren moskautreue Medien wegen einer angeblichen Wendung des Falls. Sie freuen sich zu früh.

DPA/ Swedish Defence Ministry

Dieses Bild, das das schwedische Militär am 19.10.2014 herausgab, soll das mysteriöse Unterwasserobjekt zeigen

Dienstag, 14.04.2015   14:43 Uhr

Beim russischen Propagandasender RT ist man sich ganz sicher: "Russisches U-Boot war in Wirklichkeit ein 'Arbeitsschiff'". So titelt der vom Kreml finanzierte Auslandssender auf seiner Website. Die schwedische Marine, heißt es weiter, habe "öffentlich eingeräumt, dass es sich doch nicht um ein russisches U-Boot gehandelt habe, welches im vergangenen Herbst angeblich in die Gewässer des Landes eingedrungen war".

Dumm nur, das stimmt so gar nicht. Für Triumphgeheul gibt es keinen Grund.

Tatsächlich ist der Fall viel komplizierter: Denn die schwedische Regierung geht weiterhin davon aus, dass Mitte Oktober vergangenen Jahres ein kleines U-Boot unerlaubt die Gewässer vor Stockholm kreuzte. Anwohner hatten damals im Schärengarten mysteriöse Unterwasserobjekte gesehen. Daraufhin hatte die schwedische Marine tagelang nach dem geheimnisvollen U-Boot gesucht. Gefunden wurde nichts, dennoch waren die Schweden am Ende davon überzeugt, dass sich eine ausländische Macht unerlaubt in ihren Gewässern aufgehalten hatte. Schwedische Medien hatten spekuliert, ein russisches U-Boot könnte in Seenot geraten sein. Das bestätigte sich jedoch nicht.

Im Bericht von RT geht es um einen anderen Fall. Eine Woche, nachdem die schwedische Marine am 24. Oktober 2014 ihre Suche nach dem mutmaßlichen U-Boot erfolglos eingestellt hatte, will der pensionierte schwedische Ex-Oberstleutnant Sven-Olof Kviman am 31. Oktober erneut ein verdächtiges Unterwasserobjekt gesehen haben. Das schwedische Militär stufte den Fall damals als interessant ein und ging ihm nach. Auf einer fünfstufigen Skala ordnete sie den Fall in der Kategorie "Wahrscheinlich U-Boot" ein.

Ex-Oberstleutnant beharrt auf U-Boot-Sichtung

Nun aber ist sich das Militär nach einem Bericht der schwedischen Zeitung "Svenska Dagbladet" sicher, dass das, was Kviman gesehen hat, ein normales Arbeitsboot war, Modell "Timebandit", drei Meter breit, zehn Meter lang - und kein U-Boot, weder aus Russland noch sonst woher. An der Bewertung zu dem angeblichen mysteriösen Objekt, das die Aufregung Mitte Oktober erst ausgelöst hatte, hat sich dadurch nichts geändert. Das jedoch verschweigt der russische Propagandasender lieber.

Mit Blick auf das Objekt, das den ursprünglichen Wirbel ausgelöst hatte, hatte Schwedens Premierminister Stefan Löfven bereits Mitte November 2014 erklärt, er sehe "klare Beweise", dass ein kleines U-Boot illegal schwedische Gewässer passiert habe. Noch immer wisse Stockholm nicht, wer hinter dem Zwischenfall stecke. Das Eindringen in das Gebiet sei "absolut inakzeptabel". Auch der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Sverker Göranson, erklärte damals, es stehe ohne Zweifel fest, dass ein kleines U-Boot vor Stockholm unterwegs gewesen sei. "Wir können alle anderen Erklärungen ausschließen."

Dass auch er ein U-Boot gesehen hat, darauf beharrt der pensionierte Ex-Oberstleutnant Kviman weiter und fordert gegenüber der Zeitung "Svenska Dagbladet" Erklärungen des Militärs.

anr

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