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Politik

Wahl in Pennsylvania

Die Vororte rebellieren gegen Trump

Bei einer Nachwahl in Pennsylvania geht es um jede Stimme, doch schon jetzt ist es eine Pleite für die Republikaner: Trumps Partei drohen wichtige Wählergruppen abhanden zu kommen - auch bei den Midterms im Herbst.

DPA
Von , Washington
Mittwoch, 14.03.2018   17:42 Uhr

Donald Trump freut sich schon auf den Herbst: Dann will der Präsident vor den wichtigen Kongresswahlen überall im Land für die Kandidaten der Republikaner werben. Es geht dabei um die Mehrheit seiner Partei in den beiden Häusern, also um die Frage, ob Trump im Parlament künftig seine Agenda durchsetzen kann oder nicht.

Aber ihm und seinen Republikanern droht eine ernste Gefahr. Die Demokraten bereiten sich darauf vor, mindestens das Repräsentantenhaus zurückzuerobern, vielleicht erreichen sie sogar einen Sieg im Senat.

Erst scheiterten Trumps Republikaner im November bei der Gouverneurswahl in Virginia, dann verloren sie in ihrer Hochburg Alabama im Dezember mit dem Kandidaten Roy Moore einen wichtigen Senatssitz an die Demokraten. Und nun steht auch noch die Nachwahl für das Repräsentantenhaus im 18. Wahlbezirk von Pennsylvania auf der Kippe.

Dort liegt der Demokrat Conor Lamb nach einem regelrechten Wahlkrimi mit wenigen Hundert Stimmen in Führung vor dem Republikaner und Trump-Fan Rick Saccone. Womöglich wird das Endergebnis erst nach einer erneuten Auszählung feststehen, aber die Demokraten haben ihren Mann bereits zum Sieger erklärt.

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Conor Lamb

So oder so ist die Tatsache, dass der Demokrat praktisch genauso viele Stimmen gewinnen konnte wie der Republikaner eine schlechte Nachricht für die Republikaner. Den Wahldistrikt, seit Jahren eine ihrer Hochburgen, konnte Trump bei der Präsidentenwahl 2016 noch mit einem 20-Prozentpunkte-Vorsprung sichern.

Für Trump ist dies eine persönliche Niederlage, auch wenn er natürlich jetzt die Schuld für das schlechte Abschneiden wie üblich auf den angeblich so schlechten Kandidaten schieben wird. Noch am Wochenende hatte Trump hier vor aufgeheizten Anhängern eine seiner üblichen Populistenreden gehalten. Er nannte den liberalen TV-Moderater Chuck Todd von MSNBC einen "Hurensohn", er prahlte mit angeblichen Erfolgen. Zudem pumpten Trump-nahe Unterstützergruppen viele Millionen Dollar in das symbolträchtige Rennen.

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Rick Saccone

Es half alles nichts. In Pennsylvania zeigte sich nun ein ähnliches Phänomen wie schon in den vorangegangenen Wahlen: Vor allem in den wohlhabenden Vororten können die Demokraten ihre Wählerklientel mobilisieren, viele Frauen gehen zur Wahl. Und: Auch gewerkschaftsnahe Wähler stimmten für den Demokraten Lamb. Genau diese Wähler sicherten Trump noch 2016 die Präsidentschaft, weil sie in Staaten wie Pennsylvania, Ohio oder Michigan zu ihm abwanderten.

Es wäre sicherlich zu früh, daraus automatisch abzuleiten, dass Trump nun bei seiner Wählerbasis auf breiter Front an Zustimmung einbüßt. Aber es ist ein Indiz dafür, dass die Stimmung in bestimmten Gegenden möglicherweise kippt. Das unendliche Personalchaos im Weißen Haus, die Affäre um den Pornostar Stormy Daniels, die ewigen Pöbeleien des Präsidenten scheinen Wechselwähler zunehmend abzuschrecken und die Anhänger der Demokraten zu mobilisieren.

Taugt Lamb als Vorbild für andere demokratische Wahlkämpfe?

Für die Demokraten ist das eine Chance, der Kandidat Conor Lamb zeigt, wie sie in Trump-Hochburgen erfolgreich sein können: Er setzte mit konservativen Positionen bei Themen wie Waffen oder Migration auf die Ansprache bürgerlicher Wechselwähler. Dabei distanzierte er sich von der als klar links geltenden Anführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus in Washington, Nancy Pelosi. Er werde sie nicht unterstützen, sagte Lamb.

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Special Election: Das Wahldrama in Pennsylvania

Zugleich kümmerte sich der Ex-Marine und Staatsanwalt bewusst um die weiße Arbeiterschaft. Zum Beispiel sprach er sich wie Trump für Strafzölle zum Schutz der heimischen Stahlindustrie aus.

Die Frage lautet nun, ob die Demokraten die Kraft aufbringen können, auch in anderen republikanischen Wahlbezirken solche passenden Kandidaten zu nominieren. Das Risiko für sie: Sollte sich die Parteibasis bei den Vorwahlen, die nun beginnen, eher für Linke-Progressive entscheiden, hätten die Republikaner in ihren Hochburgen wohl weiter den Vorteil.

Trump und seine Partei sind sich nicht einig

Donald Trump und die Republikaner suchen nun nach einem Weg, die drohende Niederlage bei den Kongresswahlen abzuwenden. Trump glaubt wohl, dass die konsequente Durchsetzung seiner "America First"-Agenda mit Strafzöllen und dem Bau der Mauer zu Mexiko helfen könnte. Auch so ist zu erklären, dass er bei beiden Themen momentan Druck macht.

Viele Republikaner im Kongress sehen das aber anders: Sie wollen in den wohlhabenden Vororten, wo ihre Kandidaten besonders verwundbar sind, vor allem mit dem Erreichten werben. Also zum Beispiel mit der Steuerreform. Zugleich setzen sie darauf, dass Trump weniger Chaos in der Regierung anrichtet und moderatere Töne anstimmt.

Aber: Donald Trump wird sich wohl nur ungern ändern. Das wäre jedenfalls die allergrößte Überraschung.

insgesamt 87 Beiträge
max6666 14.03.2018
1. Das Ende naht...
Die Präsidentschaft erodiert.... Endlich!
Die Präsidentschaft erodiert.... Endlich!
scratchpatch 14.03.2018
2. Er wütet weiter
In seinem neuesten Tweet zeigt Trump, dass er nichts gelernt hat. Im Gegenteil, er scheint zu meinen, dass er zu sehr auf gemäßigtere Berater gehört hat. Jedenfalls schimpft er wieder auf die außer Kontrolle geratenen [...]
In seinem neuesten Tweet zeigt Trump, dass er nichts gelernt hat. Im Gegenteil, er scheint zu meinen, dass er zu sehr auf gemäßigtere Berater gehört hat. Jedenfalls schimpft er wieder auf die außer Kontrolle geratenen Handelspraktiken "gegen unser Land". Man muss befürchten, dass er noch unzugänglicher wird für Kritik. Dabei macht er sich ja keine Freunde und vielleicht wird sich auch das eines Tages rächen. Wer Tillersons Abschiedsrede gesehen hat, der war überrascht über den ansonsten so kühlen Geschäftsmann, der hörbar nach Luft rang und offensichtlich mit Emotionen kämpfte. Eine Journalistin meinte, sie habe immer wieder aufblicken müssen von ihren Notizen, weil sie den Eindruck hatte, dass Tillerson gleich in Tränen ausbricht. Am Ende wird Trump vielleicht ganz alleine dastehen.
frenchie3 14.03.2018
3. So gesehen ein Riesenerfolg
für die Demokraten. Immerhin 20 Prozent ausgeglichen. Wie auch immer das ausgeht, es bleibt ein Schlag auf die Glocke der Reps
für die Demokraten. Immerhin 20 Prozent ausgeglichen. Wie auch immer das ausgeht, es bleibt ein Schlag auf die Glocke der Reps
mhuz 14.03.2018
4.
Für Trump kein Problem, er wird Pennsylvania feuern.
Für Trump kein Problem, er wird Pennsylvania feuern.
raoul2 14.03.2018
5. Natürlich gönnt man Trump die Niederlage -
aber bei nur wenigen Hundert Stimmen Unterschied gleich von einem "Wahldrama" zu sprechen, geht doch echt zu weit.
aber bei nur wenigen Hundert Stimmen Unterschied gleich von einem "Wahldrama" zu sprechen, geht doch echt zu weit.

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