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Politik

Menschenrechte

Amnesty kann der WM doch etwas abgewinnen

Amnesty International hatte Russland vor der WM für die Einschränkung von Grundrechten kritisiert. Nun sieht die Menschenrechtsorganisation positive Signale, Grüne und FDP erkennen keine politischen Verbesserungen.

AFP

Fußball-Fans in Moskau (Archiv)

Samstag, 14.07.2018   09:57 Uhr

Die Lage der Menschenrechte in Russland hat sich laut Amnesty International und Human Rights Watch unter Präsident Wladimir Putin nach und nach verschlechtert. Dennoch sieht etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty rückblickend auch positive Seiten an der Fußballweltmeisterschaft in Russland.

Medien hätten die Gelegenheit genutzt, einen kritischen Blick auf das Land zu werfen, sagte Peter Franck, Russland-Experte bei Amnesty in Deutschland. An den Austragungsorten seien junge Menschen zu Wort gekommen, die sich für ein demokratisches und rechtsstaatliches Russland einsetzten. "Von deren Existenz hätten wir ohne die WM vielleicht nie erfahren", sagte Franck.

Ein wichtiges Signal sieht der Menschenrechtler auf der Ebene der Völkerverständigung: "Großartig war, dass die russische Bevölkerung durch das gemeinsame Feiern mit Fans aus aller Welt erfahren durfte, dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, sondern es ein 'Wir' gibt, das auch über russische Grenzen hinweg reicht", sagte Franck. Zu hoffen bleibe, dass die Erfahrung nachhaltig bleibe.

Kritik von Grünen und FDP

Aus Sicht von FDP und Grünen hat die WM keine Verbesserung für die Achtung der Menschenrechte bewirkt. "Die WM hat für eine politische Verbesserung der Lage im Land oder in den Kriegen mit russischer Beteiligung nichts gebracht", sagte der Osteuropa-Sprecher der Grünen-Fraktion, Manuel Sarrazin.

Die FDP-Sportpolitikerin Britta Dassel sagte, Russland habe sich als "vorbildlicher Gastgeber" gezeigt. Verbessert habe sich aber wohl kaum etwas: "Solange es keinen starken Impuls von außen gibt, solange wird sich unter Putin rein gar nichts verändern."

Sarrazin kritisierte, dass weder Sport- und Innenminister Horst Seehofer (CSU) noch die Fußballverbände DFB und Fifa dafür gesorgt hätten, dass ARD-Doping-Reporter Hajo Seppelt sicher und ohne Einschränkung berichten konnte. Das sei "nicht nur ein Skandal, sondern eine Kapitulationserklärung an die freie Berichterstattung und Anti-Dopingpolitik", sagte er. Seppelt hatte nach Warnungen deutscher Sicherheitsbehörden auf seine Reise zum Turnier verzichtet.

Menschenrechtler und Politiker hatten vor der WM oft Kritik an der Situation in Russland geübt - etwa mit Blick auf Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Im Mai etwa nahm die Polizei bei Protesten gegen Putin Hunderte Demonstranten allein in Moskau fest, darunter den Oppositionellen Alexej Nawalny, der bis zur WM-Eröffnung in Haft saß.

Seit mittlerweile zwei Monaten befindet sich der ukrainische Regisseur und Aktivist Oleg Senzow im Hungerstreik, weil er die Freilassung von politischen Gefangenen aus der Ukraine fordert, die in russischen Gefängnissen sitzen. Auch er wurde in Russland wegen "Terrorverdachts" zu einer Gefängnisstrafe von 20 Jahren verurteilt und verbüßt sie in der sibirischen Kleinstadt Labytnangi. Seine Mutter wandte sich mit einem eindringlichen Appell und einem Gnadengesuch an Putin.

wit/dpa

insgesamt 5 Beiträge
christerix 14.07.2018
1. Fußball-WM schafft Armut
Schön für Amnesty. Ich sehe die WM (und da kann ich die Olympischen Spiele gleich dazu nehmen) mit dem ganzen Sponsorenverträgen, mit den Sklavereibedingungen beim Bau der Stadien usw. als Unrechtsmaschine. Man sehe sich mal [...]
Schön für Amnesty. Ich sehe die WM (und da kann ich die Olympischen Spiele gleich dazu nehmen) mit dem ganzen Sponsorenverträgen, mit den Sklavereibedingungen beim Bau der Stadien usw. als Unrechtsmaschine. Man sehe sich mal die armen Länder nach den Spielen an - schlimmere Verschuldung als vorher. Hmmm ... wohin ging das viele Geld in Wirklichkeit?
leo.dom 14.07.2018
2. Guter Spruch:
"Großartig war, dass die russische Bevölkerung durch das gemeinsame Feiern mit Fans aus aller Welt erfahren durfte, dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, sondern es ein 'Wir' gibt, das auch über russische Grenzen [...]
"Großartig war, dass die russische Bevölkerung durch das gemeinsame Feiern mit Fans aus aller Welt erfahren durfte, dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, sondern es ein 'Wir' gibt, das auch über russische Grenzen hinweg reicht", sagte Franck - aber wäre es umgekehrt nicht auch sehr großartig?
leo.dom 14.07.2018
3. Guter Spruch:
"Großartig war, dass die russische Bevölkerung durch das gemeinsame Feiern mit Fans aus aller Welt erfahren durfte, dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, sondern es ein 'Wir' gibt, das auch über russische Grenzen [...]
"Großartig war, dass die russische Bevölkerung durch das gemeinsame Feiern mit Fans aus aller Welt erfahren durfte, dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, sondern es ein 'Wir' gibt, das auch über russische Grenzen hinweg reicht", sagte Franck - aber wäre es umgekehrt nicht auch sehr großartig? Auch die Gäste hatten wohl eher nicht den Eindruck, dass die Russen die Feinde der restlichen Welt und an allem, was so passiert, schuld sind ...
schumbitrus 14.07.2018
4. Das ist wohl eine Halbwahrheit ..
> "Großartig war, dass die russische Bevölkerung durch das > gemeinsame Feiern mit Fans aus aller Welt erfahren durfte, > dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, [..] Das ist eine profane Halbwahrheit, [...]
> "Großartig war, dass die russische Bevölkerung durch das > gemeinsame Feiern mit Fans aus aller Welt erfahren durfte, > dass Russland nicht von Feinden umgeben ist, [..] Das ist eine profane Halbwahrheit, die auch vorher bekannt war: Weder haben sind zivile Russen von vorn herein Feinde ziviler Letten, Polen oder Spanier - noch umgekehrt. ABER es gebt politische und NATÜRLICH politische/geopolitische Begehrlichkeiten, auf die der Westen mit seiner Politik und seiner Wirtschaft (immer und immer wieder: "It's the [greedy] economy, stupid!", man möge mir die sinngemäße Erweiterung des Zitats gestatten ..). Im westlichen Wachstums-Wahn des Monopol-Kapitalismus bzw. unter der Herausforderung, die globale Imperial-Position gegen China zu verteidigen, haben sich westliche Firmen und Administrationen natürlich die Assets der früheren Sowjetunion im Auge. Und deren Satelliten haben sie ja auch schon einkassiert, mit bekannten Folgen für deren Rechtsstaatlichkeit .. Wenn jetzt die Ukraine und Georgien in die NATO einverleibt werden dann mischen sich die westlichen Oligarchen schon die handfest in Interessenssphären der Russen ein. Wie würde wohl Herr Trump reagieren, wenn Russland oder China mit Mexiko, Kuba, Bolivien, Brasilien und Puerto Rico ein ähnliches Verteidigungsbündnis schmiedet, und NAFTA-Staaten dabei ihre Mitgliedschaft beenden? Seit Trump sind solche Verträge ja ruck zuck obsolet?! Wann man mal träumen darf: Was wäre, wenn Kanada aus NATO und NAFTA aus und in das das neue Bündnis treten würde und China oder Russland im Norden und Süden Nordamerikas Militär-Übungen mit seinen Verbündeten abhielte?! Was wäre, wenn russische oder chinesische Drohnen dann Kriegsverbrechern wir G. W. Bush, Dick Chaney oder Donald Rumsfeld nachstellen und sie zur Strecke bringen würden - so dass sie sich vor dem Menschengerichtshof in Den Haag für ihre Verbrechen verantworten müssten?! Zurück in die Realität: Warum zur Hölle akzeptieren wir diese, UNSERE Verlogenheit, wenn wir uns freundschaftliche Interessen attestieren, aber gleichzeitig mit offenen Augen sehen, wie WIR Russland geopolitisch entmachten. Denn freie Marktwirtschaft ist das, was "wir" mit Russland machen, seit Jahrzehnten nicht: Relativ zu den Verbrechen, die die USA tagtäglich begehen, ist Russland kein Stück schlechter. Aber WIR bekommen täglich ins Ohr geschraubt, wie böse Putin und Russland sei, während die Verbrechen und die Millionen Toten der USA maximal in Fußnoten als geopolitische Kollateralschäden bedauert werden. Und so ist es eben komplizierter: Ja, natürlich wissen russische Privatpersonen, dass deutsche Privatpersonen nicht deren Feinde sind - vice versa - aber die Geopolitik des Westens ist gegenüber Russland durchaus unfair, diskriminierend, menschenfeindlich und auch höchst aggressiv. Im Westen wird dann immer das Narrativ verbreitet, von Russland und Putin ginge die Gefahr aus. Aber wo sitzt nochmal Herr Snowden im ASYL?! Diese 180°-Verdrehung der Realität durch unsere Politik und unsere Medien ist IMHO unverzeihlich!
seluona 15.07.2018
5. Oh
Ist die NGO-Organisation etwa ein Teil der FiFA oder warum wird deren Meinung für ein Ereignis der Sportwelt eingeholt? Beim Flug ins All fragt man doch auch keine Schildkröten wie die das finden.
Ist die NGO-Organisation etwa ein Teil der FiFA oder warum wird deren Meinung für ein Ereignis der Sportwelt eingeholt? Beim Flug ins All fragt man doch auch keine Schildkröten wie die das finden.

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